Glen Garioch Candenhead

Heute habe ich mal wieder ein richtiges Schätzchen für euch im Glas. Einen 25 Jahre alten Glen Garioch aus dem Bourbonfass vom unabhängigen Abfüller Candenhead mit 47% Fassstärke(!!!). Das Sample habe ich von Malte (Malte Talks Malts) im Rahmen eines Sample Wichtelns bekommen. 

Viele Menschen glauben ja, das Fassstärke bedeutet, dass der Whisky mit besonders hohen Alkoholgehalt abgefüllt wird. Das stimmt nur bedingt. Die Fassstärke bedeutet, dass der Whisky so abgefüllt wurde, wie er zuvor im Fass war. 

Scotch Whisky wird meist mit 63,5% ins Fass gefüllt. Dort reift der Whisky mindestens 3 Jahre. In dieser Zeit sinkt der Alkoholgehalt normalerweise (es gibt Ausnahmen). Wenn ein Whisky sehr lange lagert, kann der auch sehr viel Alkohol verlieren. Ich hatte zuletzt einen Whisky mit 40,1%...in Fassstärke! Ben Nevis hat sogar mal eine Abfüllung mit 49 Jahren und einem Alkoholgehalt unter 30% Fassstärke raus gebracht, das war dann aber kein Whisky mehr, denn Whisky muss mindestens 40% haben. 

Der Glen Garoich hat also 47% Fassstärke. Ich hatte letztes Jahr drei Abfüllungen dieser Highlandbrennerei verkostet, jedoch alle drei mit Sherryreifung, bei denen doch der Schwefeleinfluss sehr merklich war. (Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass bei den neuen Batches des Glen Garioch 15 die Schwefelnote fehlen soll!) Aber persönlich habe ich aktuell den Reiz langsamer Bourbonfassreifungen entdeckt. Da macht Whisky für mich richtig Spaß. 

Dementsprechend groß waren meine Erwartungen. Ich erwartete einen reifen, komplexen Highlander mit viel cremiger Vanille. Mal sehen, ob meine Erwartungen erfüllt wurden. Ab ins Glas damit:

Auge: Hausgemachter Ingwersirup mit Honig. Die Legs sind eher schwer und lassen sich einen Moment Zeit. 

Nase: Frischer Fruchtsalat. Pfirsich. Litschi. Honigmelone. Zitrone. Dazu herbe Eichentöne & Pfeffer. Ein Hauch Honig. Eine Messerspitze Nelkenpulver. Frisches Vanillemark. Ingwer. Mit der Zeit mehr Vanille, Karamell, Kokos.

Mund: Sehr angenehm, fast zurückhaltend. Leicht herb, aber uns erwartet ein süßes Crescendo. Besonders auf der Zunge. Hätte bei dem Alter etwas mehr Textur erwartet. Aromen von Darjeeling und Zitrone. Viel Vanille. 


Herz: Mittellanger Abgang. Belegt die Zunge mit mineralischen Noten. Etwas Salz? Zitrone und Vanille.

Fazit: Gefällt mir sehr gut. Doch an einigen Stellen könnte für meinen Geschmack etwas mehr Dampf sein. Insgesamt eher leichter Whisky, der ziemlich geradeaus ist. 


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