The Ileach CS


"The Ileach", das bedeutet soviel wie "der Mann von Islay". Heute verkoste ich den Ileach in Fassstärke. Einen Islaymalt mit 58%. Klingt genau nach meinem Kaliber.

Abgefüllt wird dieser von der "The Highlands & Islands Scotch Whisky Company". Dabei handelt es sich um eine Schwester der "The Vintage Malt Whisky Company", die zum Beispiel auch den Finlaggan oder die Cooper's Choice-Reihe auf den Markt bringen. Warum ist das relevant? Weil man dann schon ungefähr einschätzen kann, wohin die Reise geht. 

Was man über den Ileach nicht weiß, dass ist die Brennerei, aus der dieser Whisky stammt. Warum wird das gemacht? Manche Brennereien wollen nicht, dass der Name auf unabhängigen Abfüllungen steht. Das kann Prestigegründe haben. Oder Marketinggründe. Fakt ist, dass Fässer ohne Namensrecht von Brennereien günstiger angeboten werden. Für unabhängige Abfüller ist das natürlich spannend, weil die so guten Whisky zu günstigeren Preisen anbieten können.

Ich werde mich hier nicht an den Spekulationen darüber beteiligen, was drin ist. Es ist ein junger Islay. Das soll uns reichen. Ob der jetzt aus Brennerei X oder Y kommt, das ändert am Geschmack jetzt auch nichts mehr. Junge Islay Malts sind in der Regel stark rauchig, da die Phenole, die für das rauchige Aroma verantwortlich sind, mit der Reifung abnehmen. Ältere Islays haben nicht den Torf-Punch, entwickeln dafür mehr Tiefe und Komplexität. Anders als bei vielen anderen Malts, so ist ein junges Alter bei Whisky von Islay oft weniger ein Problem. Die jugendlichen Noten gehen im Torfsturm unter. Deshalb funktioniert ein Lagavulin 8 für viele Maltheads gar besser, als ein Lagavulin 16. Ich habe sogar schon einen drei Jahre alten Bunnahabhain probieren dürfen, der wirklich vorzüglich war.

Also, was waren meine Erwartungen beim verkosten? Wuchtiger Rauch. Vielleicht etwas in die Richtung Finlaggan oder Classic Of Islay. Ob die Erwartungen erfüllt werden, das erfahrt ihr jetzt. Ab ins Glas mit dem Stoff. 

Auge: Nuancen von sattem Zuckerkulör. Erinnert mich an ein Teenie-Girl beim ersten Date. Etwas zuviel Kosmetik. Der will auf Teufel kommt raus gut aussehen. Aber gerade Islay Malts steht die helle Farbe meines Erachtens eigentlich ganz gut. Die Legs sind leicht und fein. Ich finde man merkt, dass hier ebenfalls gefiltert wurde, was bei 58% eigentlich unnötig ist, da bei dem Alkoholgehalt der Whisky nicht mehr ausflockt. Aber wie sagen wir im Ruhrpott: Et is wie et is. 

Nase: Torfexplosion. Abgekühltes Lagerfeuer am stürmischen Strand. Herzhafte Würze. Anklänge von Iod. Bittere Orangenmarmelade im Hintergrund. Etwas frische Jugend. Kräftig im Antritt. Sehr geradeaus, sehr wuchtig. Wer filigran mit Nuancen und Tiefe will, der ist hier falsch. Das hier ist "In Your Face". 

Mund: Kühlend. Leichte, gar flüchtige Textur. Herb-würzig am Gaumen. Dann der Alkohol. Präsent, aber ok. Muss man bei 58% mit rechnen, dass da auch bisschen Action ist. Jetzt wärmt der Malt im Mund eher. Sehr trocken. Eiche. Torf & Meer. Wenn der nur etwas öliger wäre...

Herz: Prickelnd, wärmend, mittellang. Rauchige, nasse Erde. Erstaunlich schnell weg. Macht ihn aber gefährlich süffig. 

Fazit: Keine Überraschungen. Junger Islay. Unspektakulär aber lecker. Wenn man einfach mal ein Brett braucht. Für mich der Islay-Äquivalent zum Glenfraclas 105.





Kommentare

Beliebte Posts