Dunhill Standard Mixture Mellow

Kommen wir auf dem Blog mal zu richtig seriösem Tabak. Heute verkoste ich für euch einen Dunhill Standard Mixture Mellow, der sage und schreibe über 10 Jahre auf dem Buckel hat. Und direkt stellt sich die Frage: Wie komme ich an so eine Dose?

Die Pfeifenraucherszene in Deutschland ist eine besondere Szene. Auch wenn es zwischen einigen Lagern differenzen gibt, so lässt sich die Szene als brüderlich beschreiben. Man vertraut. Und man teilt gerne. 

So war es irgendwann, es muss Ende 2018 gewesen sein, dass ich in einer Pfeifengruppe gelesen habe, dass jemand eine Dose "Darkwood Scenery" aus dem Hause HU loswerden wollte. Da der Tabak da schon lange auf meiner "To Smoke"-Liste stand, habe ich zugeschlagen. Auf die Frage, was der Anbieter für die Tabake wolle, antwortete dieser: Nix. Der Tabak schmecke ihm nicht und er wolle den einfach los werden.


Leider stellt sich zeitnah heraus, dass der Tabak mir ebenfalls nicht zusagte. Was willste machen? Es kann einem halt nicht alles schmecken. Ich habe die Dose, bei der nunmehr 2-3 Füllungen fehlten mit zum Pfeifentreff bei Kargl in Recklinghausen. Dort frug mich ein Pfeifenbruder, ob er von dem probieren könne. Wir unterhielten uns und ich erzählte ihm, dass mir der Tabak so gar nicht zusage. Ende des Lieds war, dass er den Tabak mitnahm. Noch kurz vorm gehen, da kam die Frage auf: Was willst du dafür haben. Natürlich sagte ich darauf, dass ich nichts haben will. War ja eh ein Geschenk an mich, es wäre ja unverschämt dafür was zu verlangen.

Aber das Leben ist halt Karma. Ein halbes Jahr später traf ich gleichen Pfeifenbruder wieder beim Pfeifentreff im Chateau Henri. Und da frug er mich, ob ich die Standard Mixture von Dunhill möge. Er habe im Urlaub da 'ne Dose in einem ollen Lottoladen gefunden...so kam ich an eine Dose 10 Jahre alten Dunhill Standard Mixture Mellow. 

Bei diesem Tabak handelt es sich im eine Mixture aus Virginia, Orient und Latakia, auf die unverwechselbare Dunhill Art geröstet. Aus der Dose vernehme ich die leicht säuerlichen Orients. Dazu Virginia, der den typischen Tabakladengeruch gibt. Der Latakia ist in der Dose kaum wahrzunehmen. Der Schnitt ist fein, der Tabak präsentiert sich in mittel bis dunkelbraunen Nuancen.

Nach der ganzen Zeit ist im Tabak nur wenig Feuchtigkeit enthalten, obwohl der Vakuum an der Dose intakt war. Was aber gar kein Problem darstellt. Ich habe den Tabak so wie er war gestopft und geraucht. Auf die ersten Züge dominierte der würzige Orient, aber wenn man einfach in den Paff-Modus übergegangen ist, spielt das kurze Aufbegehren der Würzigkeit keine Rolle mehr. 


Viel mehr haben wir es mit voluminösen, cremigen Rauch zu tun, der mit einer deutlichen Süße kommt, die konsequent bis ins letzte Drittel der Füllung durchhält. Dank des Schnitts und der geringen Feuchte lässt sich der Tabak sehr angenehm kühl und bis zum letzten Krümmelchen wegrauchen, wobei eine feine, hellgraue Asche entsteht. 

Der Latakia bleibt die ganze Zeit im Hintergrund, rundet ab und gibt vor allem Textur. Dieser Tabak hier hat nichts mit den weihrauchigen Aromen eines Early Morning Pipe. Das hier ist viel subtiler. Und um den ganzen Tabak nicht langweilig werden zu lassen kommt nach einigen Zügen eine Note dazu, die dem Begriff "Mellow" perfekt entspricht. Diese Note ist nur sehr schwer zu fassen. Es ist kein wirklicher Geschmack, aber auch kein Aroma. Es ist eine Art buttriger, weißer Schokolade, die aber niemals aufgesetzt wirkt.

Dieser Tabak war für mich ein besonderes Erlebnis, danke an Mark, dass er mir das ermöglicht hat. Solltet ihr irgendwann mal in einem Lotto-Laden eine staubige Dose dieses Tabaks sehen: unbedingt mitnehmen!

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