Peter Heinrichs Reserve Crue No. 9

Seid Ihr schon mal im Chateau Henri in der Voltastraße in Niederaußem gewesen? Jeder Pfeifenraucher sollte dort einmal einkehren um bei einer Tasse Kaffee, einem Pfeifen und viel rheinischer Herzlichkeit eine Pfeife oder zwei zu genießen. (Außer jetzt, offensichtlich!)

Mich hat es letztes Jahr zum ersten Mal dort hin verschlagen. Vom Pott aus nur eine Stunde zehn Minuten Fahrt, das lässt sich machen. Was übrigens der üblichen Spieldauer von Beethovens Neunter entspricht. ;-)

Zwar mögen die letzten Töne der Ode an die Freude das Innenleben eines Pfeifenrauchers adäquat beschreiben, der sein Gefährt gerade vor dem Chateau geparkt hat, jedoch wird ihn die Umgebung vielleicht irritieren. Auf der Fahrt deutet es schon das quasi omnipräsente Kraftwerk an. Dieses Braunkohlekraftwerk ist so enorm groß, dass man es eigentlich immer irgendwo am Horizont sehen kann. Irgendwann sieht man auf der Landstraße dann das Schild, was einem zu Chateau lotsen will, man biegt ab, fährt durch eine Fahrbahnverengung - und befindet sich mitten im Industriegebiet. 

Wer also beim Chateau an die ausladenden Gärten von Versailles denken mag, der wird vielleicht etwas betrübt sein. Das hält aber nicht lange an. 

Schon vor dem Eingang deutet eine Pfeifenskulptur an, wie hier der Hase läuft. Und es wird nicht zu wenig versprochen! Das Chateau selbst teilt sich auf zwei Ebenen auf. Unten ist der Verkauf. Im Eingangsbereich ist eine Treppe nach oben. Zur rechten Seite eine große Auslage mit Feuerzeugen. Zur linken Seite Tabake. Geradeaus der Kassenbereich. Links an der Kasse vorbei kommt man in einen Raum mit Pfeifenzubehör, Pfeifentabaken, Spirituosen und Zigarrenzubehör. Zur rechten Seite ist ein Raum, der ganz der Pfeife gewidmet ist. Unzählig viele Pfeifen stehen dort zur Beschauung. Ebenso ein Tisch mit offenen Proben der Peter Heinrichs Tabake und auch ein Schuber mit Estates. Ein Pfeifenraucher kann hier nicht unglücklich sein.

Noch viel glücklicher wird der Raucher im oberen Bereich. Dort findet sich ein buntes Sammelsurium von Ausstellungsstücken. Alte Tabakdosen, Werbeschilder, antike Pfeifen. Das Auge sieht sich nicht satt. Dazwischen gediegene Ledersessel, in denen man sich für eine Pfeife oder Zigarre niederlassen kann. 

Dort habe ich mich bei Zeiten mit einer Füllung des Peter Heinrichs Reserve Crue No. 9 niedergelassen. Dieser Tabak hat mich sofort gepackt. Zwar habe ich ihn süßer erwartet, aber es hat gefunkt. Also habe ich eine Dose mitgenommen. 

Daheim habe ich den Tabak dann genauer unter die Lupe genommen. Da stellte sich heraus, dass es sich um einen Planta-Tabak handelt. In der geöffneten Dose lächelten mich dann auch schon die herbstliche Male des verfärbten Inlays an. Dieser Tabak lag darin auch nicht erst seit Gestern. 

Der Duft aus der Dose war sehr dunkel, fruchtig nach den typischen Feigen und Datteln. Unterlegt mit viel Pfeffer aus dem Perique und ergänzt von der feinen, muffigen Säure des Orient. Der Tabak soll als Flake geschnitten sein, die einzelnen scheiben waren aber locker und fast schon eher ein Broken Flake. 

Frisch aus der Dose ist der Tabak extrem feucht. Mindestens eine Stunde Trockenzeit. Oder den Flake morgens rauslegen, damit der Abend halbwegs sauber gepafft werden kann. Aber auch angetrocknet empfand ich eine gewisse Neigung zur Zickigkeit. Öfters nachfeuern war unumgänglich. Lohnt sich aber. 

Zum Stopfen bietet sich die Knick-Falt-Methode kaum an, da die Flakescheiben leicht brechen. Also aufrubbeln. Wenn der Flake dann einmal glimmt, dann dominiert sofort eine dunkle Fruchtigkeit, die ich in ihrer Intensität noch nirgendwo anders so erlebt habe. Es ist mir unklar, wieviel Perique dieser Tabak enthält, jedoch bildet der Perique den geschmacklichen Mittelpunkt. Wie der Name schon sagt, das hier ist ein Perique-Flake und Perique ist tonangebend. 

Besonders hat mir gefallen, dass der Tabak dann auch beide Seiten des Perique zeigt. Wo in der ersten Hälfte die fruchtige Seite des Perique dominierte, da übernimmt spätestens ab der Mitte die pfeffrige Seite das Ruder. Vollwürzig mit nur ganz wenig Süße. Ein Gedicht von Tabak.

Eine Assoziation zum Empire Perique bleibt nicht aus. Die Zusammensetzung scheint identisch. Ist es der Tabak auch? Das kann man leider nicht mehr sagen Denn zum Schluss muss gesagt werden, dass wir wissen, was mit Planta passiert ist. Und ich weiß nicht, wie es um die Zukunft dieses Tabaks aussieht. Wenn ihr einen ergattern könnte, dann kann ich euch nur empfehlen eine Dose mitzunehmen - solange Ihr Perique mögt!

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