Cley Whisky

Bei Cley.
Single Malt Whisky aus den Niederlanden ist sicher nichts alltägliches. Umso mehr freue ich mich, dass mit Tobias Piwek von Barleymania zwei Sample von der Cley Brennerei aus Rotterdam geschickt hat. 

Wobei, Brennerei - das muss man schon benevolent interpretieren. Die Geschichte dahinter ist eine echte Räuberpostole:

Die Cley Brennerei hatte bis dato zwei internationale Besucher. Einer davon war Tobias Piwek, der ganz unbeleckt irgendwelche Whisky Hot Spots in NL gegoogelt hat. Eine Mail geschrieben, hingefahren. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: die Cley Brennerei wurde vom Inhaber Paul Den Dulk in seiner Gartenlaube errichtet. 


Hier wird gebrannt.
Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Cley Distillery ist im Garten des Wohnhauses des Inhabers. Aber die Story geht noch weiter. Der Inhaber Paul Den Dulk ist eigentlich Lebensmitteltechnicker und hat das Brennen während eines Ehrenamts im Museum von Jenever gelernt. Das hat ihm anscheiend so viel Spaß gemacht, dass er sich aus dem Antioquariat des Museums eine alte Brennblase gekauft hat. Diese ist technisch gesehen eine Potstill. Nur etwas anders geformt, als man es zum Beispiel aus Schottland kennt. Das liegt daran, dass in der Blase zuvor Genever gebrannt wurde. 

Ich habe keinen blassen Schimmer, was da so rauskommt, aber die Produktionsmenge kann nur winzig sein. Also wenn jemand bei Edradour oder Kilchoman schon von Microdestillen sprechen will, dann ist das hier eine Nanodestille. Und ganz ehrlich: Ich find's geil.

Zu den Abfüllungen. Mir lagen zwei Abfüllungen aus der Brennerei Cley vor. Beide aus Virgin-Oak- & ex-Bourbonfässern. Eine mit 40%, eine mit 52%. Hmm. Was will man bei dem Hintergrund erwarten? Ein Genever-Whisky? Ich war einfach nur gespannt, was bei dieser einzigartigen Konstellation heraus kommt. 


Cley Whisky 40%:

Auge: Helles Gold wie Engelshaar. Die Legs sind schnell und von mittlerer Stärke.


Nase: Viel Getreide. Leichte Citrusnoten. Orange. Eine Ahnung von Pfeffer. Erinnert mich etwas an manche Malts aus Deutschland.

Mund: Alkoholischer Auftakt. Recht kräftig für nur 40%. Dann dezente Süße. Haptik eher neutral.

Herz: Was ist das? Aus dem Nichts eine wirklich brillante Kaffeenote! Das ist gut, das hat Potential! Sonst passiert recht wenig.

Fazit: Jung, geradeaus. Nichts was fesselt. Aber eine solide Basis. Kaffeearomen in den Herznoten machen Hoffnung.

Cley Whisky 52%:

Auge: Eine Nucance dunkler als der 40er. Eher Richtung Bronze. Die Legs sind langsamer, feiner.

Nase: Alkohol, frisch und kühl. Frisches, grünes Birkenholz. Doch sehr zurückhaltend, fast scheu. Braucht lange im Glas um sich zu entfalten. Dann Kokos, Vanille. Citrus. Mit Wasser

kommt das Virgin Oak Fass noch deutlicher durch.

Mund: Antritt! Dann Würze gepaart mit einer angenehmen Süße. Deutlich öliger als der 40er. Wärmend in Mund und Abgang. Mit Wasser süßer. Aromen von Malz & Pfeffer offenbaren sich. Ja, Wasser tut dem Burschen ganz gut. Was irgendwie Paradox ist, da der 52% Whisky mit Wasser besser ist, als die Trinkstärke.

Herz: Wieder diese Kaffeenote! Dunkle Schokolade. Malz. Retronasal nochmal Vanille.

Fazit: Braucht schon etwas Wasser um sich zu öffnen. Ist aber auch dann noch deutlich ausdrucksstärker als der 40er. Macht wirklich Spaß. Auch hier ist die ausgeprägte Kaffeenote das Highlight. Cley darf und sollte man im Auge behalten!

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