Glen Moray 2007/2019 by Whic

Heute verkoste ich einen 12 Jahre alten Glen Moray aus dem Bourbonfass in Fassstärke mit 51,1% für euch. Der Whisky ist eine der "berüchtigten" Nymphs Of Whisky aus dem Hause Whic, die mir dieses Sample zum Tasting überlassen haben.

Glen Moray wird vielen durch deren buntes Portfolio an Abfüllungen bekannt sein, das durchaus weit verbreitet ist. Zumindest der Elgin Classic ist in jedem Getränkemarkt zu finden, mitunter zu unanständigen Preisen (<20€!?). Und wie es so ist, Verfügbarkeit und günstige Preispolitik führen zu einem schlechten Ruf. Ich nenne es den "Glenmorangie-Effekt": Gibt es eine Standard oder Substandard-Abfüllung eines Malts flächendeckend zu einem niedrigen Preis, so wird auf dauer gesagt, dass diese Brennerei nichts taugt. Im Endeffekt eine Umkehrung des "Chivas-Effekts". Als "Chivas-Effekt" versteht man, dass ein Produkt durch seine Platzierung im Premiumsegment automatisch als hochwertiger wahrgenommen wird. Aber ich schweife ab. Kommen wir zurück zu Glen Moray.


Glen Moray wurde 1897 in der Nähe von Elgin in der Speyside gegründet. Schon 1910 wurden die Schotten aber wieder dicht gemacht, da die damaligen Eigentümer sich auf die Brennerei Aberlour konzentrierten. Nach einem kurzen Intermezzo im Jahr 1912 wurde es erst 1920 wieder spannend um die Brennerei, als Macdonald & Muir Ltd Glen Moray in die Hände bekamen. Diese hatten kurz zuvor auch Glenmorangie gekauft. Und plötzlich passieren wundersame Dinge. 

Macdonald & Muir fangen an bei Glen Moray mit Finishes zu experimentieren. Wir wissen, dass Glenmorangie in den 80ern massive Absatzprobleme hatte. Deshalb fingen sie an ihren regulären 10yo für zwei weitere Jahre in einem anderen Fass zu lagern. So erzeugten sie ein höherwertiges Produkt und die Überproduktion etwas kompensieren. Kaum jemand weiß, dass der Grundstein für diese
Wood Finishes ca. 10 Jahre zuvor bei Glen Moray gelegt wurde. Das Know How aus Glen Moray war quasi die Rettung für Glenmorangie. 

Später gingen Glen Moray und Glenmorangie zusammen in die Hände von LVMH, wobei Glen Moray dann an den französichen Konzern La Martiniquaise verkauft wurde. Aber das nur als Randnotiz. 

Aus der geschichtlichen Verbundenheit stellt sich die Frage, ob Glen Moray auch geschmacklich mit Glenmorangie verbunden ist. Das kann man mit einem eindeutigen "Jein" beantworten. Glen Morangie hat die höchsten Brennblasen in Schottland, was einen extrem feinen Rohbrand erzeugen, weshalb Glenmorangie immer extrem rund, leicht und elegant ist. Glen Moray hat birnenförmige Brennblasen, die einen dicken Lyne Arm haben. Auch Glen Moray gilt als leicht und weich, jedoch kommt manchmal auch eine herbere Note mit, die mancher sogar mit Torf in Verbindung bringt. Sehr speziell ist die Verwendung von Weißweinfässern, gerade Chardonnay, was bei anderen Brennerein nur sehr selten vorkommt. 

Aber heute haben wir keine dieser Besonderheiten vor uns, sondern einen 11 Jahre alten Glen Moray aus dem Bourbonfass. Was mir recht gut gefällt, weil man so näher an den Brennereicharakter vorstoßen kann.

Also, was erwarte ich? Ich erwarte einen fruchtigen, vanilligen Malt. Idealerweise mit schöner Textur und ohne viele Ecken und Kanten. Einfach lecker und kräftig. Das ins Glas damit.

Auge: Ein schöner, heller Goldton erinnert mich an die vergoldete Taschenuhr von meinem Opa. Die Legs sind fein und zahlreich, mit einer Tendenz zum zügigen Abfluss am Glass.

Nase: Zuerst die volle Vanillefracht. Eine blumige, buttrige Vanille. Gepaart mich Butterkeksen. Dann eine leicht karamellige Note nach Quesillo. Ich gebe dem Malt etwas Zeit sich zu setzen, damit die Fassaromen nicht so vordergründig sind. Es offenabren sich fruchtige Noten. Spritzige Grapefruit. Ein Hauch Bergamotte und Quitte.

Mund: Sanft und geschmeidig auf der Zunge. Ein Charmeur am Gaumen. Süß, sahnig, mit angenehmer, leicht öliger Textur. Nach einigen Augenblicken bildet sich ein pfeffriger Kontrapunkt heraus, was dem Malt noch zusätzliche Tiefe und Komplexität gibt. Es dominieren die Vanillearomen. Der Alkohol ist kaum merklich und sehr gut eingebunden.

Herz: Wieder ein Feuerwerk von Vanille, was sich aber schnell zurück zieht und Steinobstnoten platz macht. Vielleicht eine Idee Weißwein? So Riesling mit fettem Pfirsich. Bleibt noch einige Augenblicke in der Nase und macht dann Spaß für den nächsten Schluck.

Fazit: Der Glen Moray macht richtig Spaß. Das Fass hast viel arbeit geleistet und viele Aromen abgegeben. Es überfrachtet den doch recht filigranen Malt aber nicht komplett. Der Whisky selbst ist spritzig und hellfruchtig, harmoniert aber sehr gut mit dem Bourbonfass. Mit 51,1% eine sehr gute Trinkstärke. Insgesamt schon eher mild. Eine eher konservative Abfüllung, die den Whisky nicht neu erfindet, aber insgesamt alles richtig macht. Passt.

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