Tobermory 12yo by Whic

Heute verkoste ich einen 12 Jahre alten Tobermory aus dem Sherryfass in einer atemberaubenden Stärke von 65,4%! Dieser Whisky ist Teil der "Landscapes of Taste" und das Sample wurde mir netterweise von Whic.de zur Verkostung gestellt. 

Tobermory ist eine Brennerei auf der Insel Mull. Die Brennerei vertreibt ihren nicht-getorften Whisky unter dem Namen Tobermory, die getorfte Variante ist unter dem Namen Ledaig bekannt. Ich hatte schon einige grandiose Ledaigs im Glas. Erwähnenswert ist da unbedingt der Pegasus I, der zu einem meiner Lieblingsabfüllungen gehört. Tatsächlich hatte ich bis dato noch keinen Tobermory im Glas. 


Die Geschichte der Brennerei beginnt 1798, als sie unter dem Namen Ledaig gegründet wurde. Dabei war Ledaig zunächst gar keine Brennerei, sondern es wurde nur der Bau einer Brauerei erlaubt. John Sinclair, der Gründer, ließ sich davon aber nicht beirren und hielt an seinen Plänen fest. Zunächst lange mit Erfolg. Die Brennerei entstand. Der erste Knick in der Geschichte der Brennerei ereignet sich in den 1930ern, als die wirtschaftliche Lage die Brennerei zwang die Produktion einzustellen - bis in die 70er. 1972 wurde die Brennerei (noch unter dem Namen Ledaig) wiedereröffnet, musste aber nach nur drei Jahren weider die Segel streichen. 1979 wurde die Brennerei (als Tobermory) abermals wiedereröffnet, aber wieder war nach nur drei Jahren Schicht. Nun dauerte es wieder eine lange Zeit, genau gesagt bis 1993, bis die Brennerei abermals eröffnet wurde. Diesmal zeigte sich das Vorhaben erfolgreicher. Zwanzig Jahre, bis die Brennerei in die Hände der Distill Gruppe überging. Diese hält auch Bunnahabhain, Deanston und Bain's aus Südafrika. Das Portfolio wurde um Tobermory Gin erweitert. Die Brennerei schloss noch einmal im Jahre 2017, jedoch nur für Sanierungsarbeiten. Und wurde 2019 wieder in betrieb genommen. 


Das Produktionsvolumen ist relativ klein. Nur 1 Mio. Liter könnte aus der Brennerei kommen. Manche Quellen sagen, dass es nur 850.000 l/a sind, was gleichmäßig aus Tobermory und Ledaig aufgeteilt ist. Beim Malz fällt öfter der Name Port Ellen Maltings, aber auch andere Produzenten werden erwähnt. Das Wasser für den Whisky stammt aus dem Gearr Abhainn, und soll einen wassereigenen Phenolgehalt haben. 


Tobermory ist sicher nicht die Brennrei, die man oft weit oben auf Favoritenlisten findet. Der Hausstil ist markant, was an den Brennblasen liegt. Diese haben einen S-förmigen Knick in den Lyne Arms, was den Rücklauf erhöht.

Man könnte an dieser Stelle noch mehr erzählen, aber kommen wir zum wesentlichen. Dem Whisky. 12 Jahre reifte dieser Tobermory und hat in dieser Zeit ein Sherryfass gesehen. Der Alkoholgehalt ist brachial. 65,4% - damit einer der stärksten Malts, die ich hier bisher verkosten durfte. Was erwarte ich: Ganz klar, mit 12 Jahren erwarte ich eine gewisse Reife. Nicht alt und gesetzt, aber auch nicht mehr jung und wild. Und wer einen Whisky mit 65,4% raushaut, der sollte dafür ein Fass wählen, bei dem der Alkohol sehr gut eingebunden ist. Sonst wird das kein Spaß. Weiterhin hoffe ich, dass das Sherryfass nicht zu dominant ist. Zu guter letzt, ihr kennt mich, Schwefelnoten (die bei Sherryfässern vorkommen können) geben bei mir dicke Minuspunkte. Aber nun, ab ins Glas mit dem Tropfen.

Auge: Sattes Gold mit orangen Reflexen. Schnelle, akzentuierte Legs von eher feinerer Ausdehnung.

Nase: Nussiger Sherry, ja sogar Anklänge der Florhefearomatik eines Fino. Nach einem Moment Steinobst an Sahne. Vanille. Mit Wasser fruchtiger. Feigen, Datteln. Warmes Kerzenwachs. Ein blumiger Wind, der durch Gerstenfelder weht. Leder. Birne. Zitrone.

Mund: Oh! Mein! Gott! Das ist mit Abstand der cremigste Whisky, den ich jemals im Glas hatte. Man hat das Gefühl ein Glas Öl zu trinken. Man kann den Whisky fast kauen. Dabei ist er so geschmeidig, wie eine Sommerwolke über Mull an einem lauen Abend im August. Trocken auf der Zunge mit hintergründiger Süße. Ein sehr angenehmes Prickeln auf der Zunge. Der Alkohol ist wirklich wunderbar eingebunden. Mit Wasser: Würziger. Mit Kokos, Malz und Yoghurt.

Herz: Fruchtiger Sherry, Milchschokolade mit Rosinen, Wachs, Vanille. Endlos langes, öliges Gefühl im Mund.

Fazit: Oof. Extrem intensiv. Mundgefühl ist herausragend ölig. Vielleicht der öligste Whisky, den ich jemals im Glas hatte. Trotz der markanten Alkoholstärke profitiert der Whisky nicht durch die Zugabe von Wasser. Insgesamt sehr gradlinig. Wenig Entwicklung im Glas. Wird aber durch Kraft und Stärke wett gemacht. Ein Whisky wie Heavy Metal. Atemberaubend gut, aber man muss wissen worauf man sich einlässt. Der braucht seine 65 Umdrehungen. Also nichts für Anfänger, sondern für fassstärkeversaute Ledergaumen.

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