Full Virginia Flake

Eines meier ersten Experimente in Sachen "Nachreifung". Den Samuel Gawith Full Virginia Flake habe ich ein Jahr bei mir im Schrank liegen lassen. Heute berichte ich euch davon.

Der Traum eines jeden Pfeifenrauchers ist ein gut gefüllter Tabakkeller. Nicht nur, weil man dann viel Tabak hat. Verrauchen kann man ja eh nur in einer bestimmten Geschwindigkeit. Als Richtwert gilt in der Regel 3g pro Kopf, wobei das natürlich bezüglich der Kopfgröße variieren kann. Kann man sich ja ausrechnen, wie lange so ne Tabakdose hält. Der Reiz eines properen Kellers ist, dass der Tabak da liegen bleibt. Und damit reift. 

Was hat es mit der Tabakreifung zu auf sich? In der Tabakdose fermentiert der Tabak langsam. Dabei werden Proteine und Zucker abgebaut. Verantwortlich dafür sind Mikroorganismen im Tabak, Bakterien. Häufig entsteht im Zuge einer solchen Reifung ein feiner, weißer, kristalliner Aussatz auf dem Tabak, der von vielen fälschlicherweise als Zucker identifiziert wird. Dabei handelt es sich aber nicht um Zucker, ein einfacher Geschmackstest wird das eindeutig beweisen, sondern um bakterielle Ausscheidungen. Solche Kristalle können auf einen fein gereiften Tabak hinweisen, muss es aber nicht zwangsläufig.

Wie verändert sich der Tabak durch die Reifung? Wir sprechen heute ja von einem Virginia. Da sich die Auswirkungen einer Reifung je nach Tabakart unterscheiden können, beschränken wir uns heute auch auf den Virginia. Dieser ist wiederum ein Tabak, der sich sehr gut zum lagern eignet. Virginia hat von Natur aus einen hohen Zuckergehalt, weshalb manche Virginias auch sehr behutsam geraucht werden müssen, da sie sonst zu Zicken werden können. Denn der Zucker wird beim verbrennen sauer was den Tabak unangenehm bissig macht. (Wobei das alles sehr theoretisch ist und das Rauchverhalten an sich einen größeren Einfluss hat.) Wenn also im Reifeprozess Zucker abgebaut wird, dann wird der Tabak sanfter, geschmeidiger, runder. Durch den Abbau bestimmter Proteine entstehen wiederum Aromastoffe, was den Tabak intensiver schmecken lässt. 


Nun ist ein Jahr keine lange Zeit für einen Virginia. Man sagt über Virginia, dass man ihn extrem lange lagern kann und der immer noch reifer wird. (Bei anderen Tabaken ist die Zeitspanne nicht so lange.) Nichtsdestoweniger habe ich dieses Experiment gewagt. Schauen wir, was dabei raus gekommen ist.

Zur Methode: Ich habe eine Dose reifen lassen und diese mit einer Probe verglichen, von der ich ausegehe, dass diese Frisch ist (war vom Händler). Ich habe die Tabake nicht gleichzeitig geraucht, sondern an verschiedenen Tagen in der gleichen Pfeife. Das ist methodisch sicher kein lupenreiner Ansatz und bringt sicher keine wissenschaftlich stichfesten Ergebnisse, aber: Whatever.


Der Tabak ist auch nach einem Jahr in der Dose noch extrem feucht. Ein Rauchen ohne vorherige Trocknung ist nicht möglich. Habe es probiert und gut eine Schachtel Streichhölzer zum Nachfeuern benötigt. Macht kein Spaß. Also: Trocknen lassen. Ich hole tatsächlich gerne die Menge Flake für den Abend morgens aus der Dose und lasse die offen liegen. Das reicht. 

Während der frische FVF eine angenehme, eher dunkle Fruchtaromatik zeigt, ist der gereifte FVF doch deutlich anders. Ich weiß nicht, ob es an der Charge liegt, solche Qualitätsunterschiede gibt es bei SG manchmal. Man sagt, dass man deutlich die Tabak unterscheiden kann, die vor oder nach dem mittäglichen Pubbesuch gemacht wurden. Der gereifte FVF hat ein Aroma nach Aprikose entwickelt. Sehr brilliant, sehr klar. Der frische war etwas würziger.

Ob der gereifte Tabak süßer war oder weniger Süß, das konnte ich nicht wirklich differenzieren. Ich würde sagen: Gleich. Aber vielleicht ist ein Jahr dafür keine hinreichende Zeit? Zucker sollte ja abgebaut werden. Insgesamt sehr süß, aber eine natürliche, angenehme Süße. Wiederum bedeutet das: Auch nach einem Jahr sollte man behutsam rauchen. Zu heiß geraucht wird der FVF eher unangenehm bissig und bitter.

Bei beiden Varianten war der Tabak angenehm cremig. Zum Ende des Kopfes zeigte sich bei beiden eine Intensivierung der Aromen und des Nikotionlevels. Es haut einen nicht um, aber man kann es schon merken. Man sagt, dass eine Reifelagerung den Nikotiongehalt in einem Tabak senken kann. Nach einem Jahr hat man davon jedoch nur wenig gemerkt. 


Insgesamt bewerte ich das Experiment zwiespaltig. Unterschiede waren da. Aber warum? Lässt sich das auf die Reifung schieben? Ein Jahr reicht eindeutig nicht aus. Da muss schon paar Jahre mehr. Wäre es eine Alternative den Tabak zu backen? Vielleicht versuche ich demnächst etwas in dieser Richtung. 

Kommentare

Beliebte Posts