Dockworker

Häufig ließt man in Tabakbeschreibungen das Adjektiv "cremig" oder "samtig". Und viele Anfänger (bestimmt auch viele nicht-Anfänger) wissen nicht, was man damit anfangen soll. Ja, der Konsum von feinen Tabakwaren kommt manchmal mit sehr idiosynkratischen Wortbedeutungen daher.

Jetzt kann ich nicht darüber schreiben, was andere so mit ihrem cremig meinen, aber ich kann darüber schreiben, was ich damit meine. Die Cremigkeit bezieht sich auf die Textur des Qualms. Ein cremiger Qualm fühlt sich an, als ob viele "Qualmpartikel" enthalten sind, als ob der Qualm dichter wäre.

Tabak, dem diese Eigenschaft zugeschrieben wird, ist in der Regel Burley, Orient und Latakia. Virginia wird wegen des natürlich hohen Zuckergehalts nachgesagt eher etwas scharf und bissig zu sein. Guter Burley hingegen hat eine unglaubliche Cremigkeit.

Wenn man also auf der Suche nach einem Tabak mit einem besonders cremigen Mundgefühl ist, dann sollte man nach diesen Tabaksorten ausschau halten: Burley, Orient, Latakia. Idealerweise als Flake, denn der zusätzlich gepresste Tabak gibt dem Qualm noch einen gewissen Touch Kräftigkeit.

Ein Tabak auf den das alles zutrifft ist der "Dockworker" aus dem Hause HU. Wir erinnern uns: Hinter HU steht Hans Wiedemann. Mastermind hinter diversen Leckerchen, wie dem Nyala, dem Fayuum oder wie heute, dem Dockworker. 

Der Dockworker ist quasi der Archetyp des hier skizzierten Tabaks. Er besteht aus Burley und Orient. Mit einer Schippe Virginia. Das ganze als Flake. Hergestellt ist dies von Dan Tobacco.

Ich habe mir den Dockworker gekauft, weil ich gerade so einen Tabak mit viel Textur gesucht habe. Dementsprechend war meine Erwartungshaltung. Viel Textur. Geschmacklich hatte ich weniger Erwartungen. Halt so Burley. Also Schokolade, Nuss, Kaffee. Nur auf die Textur war ich besonders gespannnt. 

Vorspiel: Obwohl ich in der Regel nicht auf die Dosen der Tabake eingehe, sehe ich mich dazu gezwungen das hier zu tun. Denn das Titelbild wurde vom Blogger-Kollegen Alexander Broy gemalt Mindestens die oberen 40-45%. Denn über die Hälfte des Deckels ist von sehr wichtigen Warnhinweisen bedeckt. Es erinnert mich an eine norddeutsche Hafenszene im Morgengrauen. Wirklich wunderschön.

Der Tabak selbst ist recht dunkel. Hellere Sprenkel verteilen sich über die lose zusammenhängende Scheibe. Nur ab und an bemerkt man, dass das Tiefdunkelbraun einer helleren Nuance Platz macht. Der Duft aus der Dose ist Schokladig mit einem leicht animalischen Muff im Hintergrund. Dazu gesellt sich eine minimal fruchtige Note von Trockenobst. 

Der Flake ist von Werk etwas zu feucht. Man kann sich die Mühe machen, gerade wenn man eine wirklich sehr ruhige Minute hat, den Tabak aufzurubbeln und dann wirklich mit viel Muße in seinem Status Quo zu verrauchen. Genügen Streichhölzer für's Zünden bereit legen... Kann man machen, muss man aber nicht. Ich empfehle die Flakescheiben einige Stunden zu trocknen, bevor man sie verraucht. Denn dann lässt sich der Dockworker ohne viele Zickerein wirklich von Anfang bis Ende konstant durchrauchen. Und zurück bleibt ein mittelgraues Häufchen Asche.

Beim Namen Dockworker erwartet man etwas ehrliches, kräftiges. Das bekommt man auch. Volle Aromen von dunkler Schokolade mit Haselnüssen und viel frischer Erde. Der Orient untermalt das ganze mit einem buttrigen Schmelz (Cremigkeit!), was einen gerade dazu anregt mit dem Qualm im Mund zu spielen. Dabei liefert der Orient etwas rauchige, holzige Note. Die Virginias runden die aromatischen Ecken, ohne dabei zu bissig zu werden. Gegen Ende der Füllung gesellt sich eine fruchtige Note dazu. Es erinnert mich an roten Port-Wein. Passt ja! Dieser "Überraschungsmoment" gibt dem Tabak eine nette Wendung und macht ihn zusätzlich komplexer. 

Nichtsdestoweniger würde ich den Dockworker als zugänglichen Tabak beschreiben. Sogar bei Wind oder einem nachlässigen Rauchverhalten beißt er nie. Ein Tabak, der selbst über die Grenzen Deutschlands bekannt und beliebt ist. Schon einige US-Amerikaner haben mich nach diesem Tabak gefragt. Und mit was? Mit Recht! Denn er ist wirklich gut.

Kommentare

Beliebte Posts