Glenallachie 10 Cask Strength Batch 3

Im Jahre 2017 wurde die Whiskywelt von einem kleinen Erdbeben erschüttert, als die Glenallachie Brennerei in die Hände von Billy Walker ging. Billy Walker ist der Whiskywelt ein großer Name. Nur ein Jahr zuvor, also 2016, war er noch verantworlich für dei Brennereien Glendronach, BenRiach und Glenglassaugh. Diese gingen 2016 dann an Brown-Foreman, die zum Beispiel Eigentümer von Jack Daniel's sind. 

Heute wollen wir das dritte Batch des Glenallacheie 10yo in Fassstärke verkosten. Den Namen Glenallachie habe ich zuvor schon gehört, aber erst mit der Übernahme war der die Brennerei richtig heiß geworden. 

Warum eigentlich? Was habe ich mir erhofft, als ich gehört habe, dass die Brennerei übernommen wurde? Offensichtlich ging es darum, dass hier der Hausstil von Glendronach, also irgendwie die Handschrift von Billy Walker sich in den neuen Abfüllungen von Glenallachie niederschlägt. Denn er ist seines Zeichens "Master Distiller". 

Was macht ein Master Distiller eigentlich so? Nunja, das ist nicht genau definiert. Einen Anhaltspunkt finden wir, wenn wir uns die deutsche Entsprechung der Berufsbezeichnung anschauen: den Brennmeister. Bei der Arbeitsagentur finden wir folgende Beschreibung:

"Brennmeister/innen organisieren und koordinieren Arbeitsabläufe. Sie überwachen und optimieren Fertigungsprozesse, leiten Fachkräfte an und sind für die betriebliche Ausbildung verantwortlich. Sie stellen sicher, dass Produktionsanlagen für die Verarbeitung von Rohstoffen wie Getreide, Kartoffeln oder Obst zu Rohspiritus und Trinkbranntwein einwandfrei funktionieren."  


Natürlich kann man das so nicht für Whisky übernehmen. Denn was an der Verarbeitung von Rohstoffen zum Rohspiritus passiert, das bemerken wir frühestens in 3 Jahren. Davor ist Whisky kein Whisky, das wissen wir. Im Falle von Glenallachie sogar (bei den OA), frühestens in 10 Jahren, denn jüngere Abfüllungen gibt es meines Wissen in der neuen Range nicht. 

Der Master Distiller hat also leitet also die Produktion der Spirituose. Billy Walker hat 2017 Glenallachie übernommen. Die aktuelle Abfüllung ist 2019 erschienen. Was kann man in zwei Jahren mit einem Whisky machen?

Man kann schon (fast) reifen Whisky finishen. Also einen Whisky, der 10 Jahre in einem Bourbonfass lag, diesen noch mal in ein (sehr aktives?) Sherryfass füllen. Ebenso ist es für den Glenallachie 10 passiert. Dieser Whisky reifte zunächst in Bourbonfässern, bekam dann ein Finish in Sherry Puncheons, einem Fasstyp, der auch schon bei Glendronach oft zum Einsatz kam. Wurde hier nicht nur das Know How sondern auch die Quelle für die Fässer mitgenommen? Möglich. Nach dem Sherry Puncheon kam der Whisky noch in ein Virgin Oak Fass. Also ein Eichenfass, welches zuvor keine Spirituose inne hatte. Abgefüllt wurde das ganze mit satten 58,2 %.

Gekauft habe ich meine Abfüllung im lokalen Fachhandel. Und bestimmt hätte ich sie mir nicht gekauft, wenn es diesen Fachhandel nicht gegeben hätte. Eigentlich wollte ich mir den Glenfarclas 105 holen. Aber ich hatte die Möglichkeit vor Ort den Glenallachie zu probieren. Dieser hat mich direkt überzeugt. Und jetzt ab ins Glas:

Auge: Wunderbare Farbe. Ein satter Ton von getrockneten Kastanien. Klebt richtig am Glas. Sehr langsame, charakterstarke Legs.

Nase: Extrem, intensiv. Eine regelrechte Aromenexplosion. Als erstes vernehme ich belgische Trüffel in diversen Variationen. Ein Potpourri von Schokoladen. Hell, Dunkel. Helle Creme dabei. Unendlich viel Vanille und Tonkabohne. Dann ein Ausflug zum Sägewerk. Frisch gesägtes Zedernholz & Eiche. Mandeln. Ein Hauch Liebstöckelwürze. Eingekochte Zwetschgen. Und das alles in seiner stärksten Variation. 

Mund: Zunächst fruchtig-süß und wärmend. Wird aber sehr schnell herber, bis ins pfeffrige hinein. Hat dabei ein intensives, aber sehr feines Prickeln auf der Zunge, fast scharf. Chilli. Malznoten. Getrockneter Oregano. Fein ölig. Mit viel Süße am Gaumen.

Herz: Ein Meer von Vanillepudding. Malz. Dunkle Schokolade. Pflaumencrumble mit Hafer. Erdige Aromen. Und das alles bleibt extrem lange in der Nase. 

Fazit: Grandioser, intensiver Whisky mit mittelschwerem Körper. Irgendwo zwischen Glenfarclas 105, Dalmore 15 und Glendronach 15 mit mehr Saft. Ausgewogen zwischen schokoladigem Sherry und süßer Vanille. Genau mein Ding!

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