War Of The Peat II - Caol Ila

Heute verkoste ich einen neun Jahre alten Caol Ila Single Cask in Fassstärke mit 56,8 % aus einem (refill? Bourbon?) Hogshead. Das Sample habe zur Verkostung von Whic.de  bekommen. 

Jedoch werde ich euch diesmal keine Infos über die Brennerei geben, das mache ich bei einem anderen Caol Ila. Gelegenheiten werden sich noch genug ergeben. Ich möchte über etwas anderes sprechen. Ich möchte über Farbe sprechen.

Manchmal spielt einem das Schicksal genau in die Karten. Carl Gustav Jung würde vermutlich von Synchronizität sprechen wollen. Zwei Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind, jedoch miteinander verbunden. So ereigneten sich in der letzten Zeit zwei Ereignisse: Einmal bekam ich die Info von der wunderbaren Melisa von Whic, dass ich einer der glücklichen bin, die den zweiten Whisky aus der War of Peat Reihe verkosten dürfen. Dann hatte ich eine ausgedehnte, spannende Diskussion über das Thema Farbe bei Whisky. Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne Extrempositionen in Diskussionen vertrete. Diese müssen nicht zwangsläufig meiner persönlichen Meinung entsprechen. Und klar, das erscheint einigen Menschen als völlig bescheuert - aber um es mit Shakespeare zu sagen: „Though this be madness, yet there is method in’t.“ Ich versuche so neue Gedanken zu entwickeln, mehr Erkenntnisse zu erzielen. Aber dazu Ende des Jahres mehr - ich arbeite gerade an einer neuen Position, die gar revolutionär sein könnte. 

Kommen wir zurück zur Farbe. Auslöser für meine neuerlichen Gedanken zu dem Thema war eine Debatte über den Dalmore King Alex. Der ja gefärgbt ist. Kern war das Thema „Ehrlichkeit“ oder „Authentizität“. Einem gefärbten Whisky wird vorgeworfen unauthentisch zu sein.  Er gebe vor etwas zu sein, was er nicht ist. Ungefärbter Whisky ist ehrlich, ganz nach dem beliebten Motto für Sprüche auf Abi-Shirts: Bleib wie du bist.


Die erstere These ist einleuchtend, wobei man geringfügige Differenzierungen anbringen mag. Die zweite These ist meiner Meinung nach unhaltbar. Ich werde nun auf beide Thesen eingehen.

Ist gefärbter Whisky „unauthentisch"? Wenn ein eher heller Whisky mit dem Farbstoff  zu einem vollen bis dunklen Whisky gemacht wird um reif zu wirken, dann kann man diese Position absolut nachvollziehen. 

Ungefärbter Whisky gilt als "authentisch". Er ist halt so, wie er ist. Ein refill Bourbonfass gibt halt nicht mehr so viel Farbe. Ich möchte hier aber klar machen, dass auch das eine bewusste Setzung der Abfüller ist. Es wäre ja ein einfaches ein schönes Fass zu wählen und dem Whisky noch ein schnelles Finish für die Farbe zu geben (und der Whisky gilt weiter als ungefärbt - sogar wenn er Rosérot aus dem Ruby-Port-Fass kommt).

Ein geflügeltes Wort der populären Kommunikationstheorie ist ja das watzlawick'sche "Man kann nicht nicht kommunizieren." Und auch wenn diese Formel völlig überstrapaziert wird, so bringt sie uns hier tatsächlich ein Stück weiter. Nicht nur der dunkelgefärbte Whisky mit Litern von Zuckerkulör will uns mit seiner Farbe etwas mitteilen. Auch der helle Whisky spricht mit uns. Ungefärbt sein ist ebenso ein Ausdruck der dem Whisky inhärenten Ästhetik, genau wie das gefärbt sein. 

Als ich das Päckchen von Whic von der Poststelle in Bottrop angeholt habe, wusste ich noch nicht, dass der Whisky darin perfekt zu meinen aktuellen Gedanken passt. Ich öffne das Päckchen und halte ein Sample dieses geradezu adelig-blassen Single Malts in den Händen. Natürlich werden bei mir diverse Erwartungen geschürt. Bourbonfass. Jung. Kantig. Kann der Caol Ila das erfüllen? Schauen (oder riechen und schmecken) wir mal.

Auge:Adelige Blässe, die mich an altes Kerzenwachs erinnert. Dabei von leichter Konsistenz. Die Legs sind zahlreich und von gemäßigter Breite.

Nase: Den Auftakt gibt ein fast schon fetischistischer Rauch. Glühende Steinkohle, eine Nuance brennende Autoreifen am Meer. Etwas Iod. Haselnüsse. Hirschhornsalz. Mango. Zitrone. Insgesamt eher frisch aber nicht so aggressiv, wie man es für einen 9yo Islay erwarten würde.

Mund: Sehr Süß.Die alkoholische Schärfe ist merklich, fast pikant. Dabei von eher leichter Textur. Das wird mit Wasser besser. Der Malt wird viel cremiger und noch süßer auf der Zunge. Aromen muss man herauskitzeln. Dann bekommt man Malz, Zimt, Vanille und rauchiges Marzipan.

Herz: Langer, süßer Nachhall. Besonders im Mund. Aber da bin ich was Süße angeht auch sehr empfindlich. Fast schon zu süß. Dezenter Rauch. Vanille. Zimt.

Fazit: Ok, der Caol Ila ist keine Erleuchtung. Geschenkt. Die Single Cask CIs in FS aus dem Bourbonfass gibt es ja relativ oft. Aber muss er eine Erleuchtung sein? Hier bekommt man genau das, was man erwartet. Jung, rauchig, crisp. Die relativ ausgeprägte Süße, die besonders nach der Zugabe von Wasser präsent wird, die gibt diesem Fass noch so den Nudge, denn die Süße gibt einen guten Kontrapunkt zum Rauch und der maritimen Note. Und im Gegensatz zur Blogschau gestern muss ich sagen: Der Caol Ila gefällt mir besser als der Ballechin, wenn es um das Motto "War of Peat" geht. Der Caol Ila ist archaischer. Der Ballechin war schon eher elegant. 

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