Neue Perspektiven auf das Thema "Filter"

Erst neulich hat in einer Pfeifengruppe auf Facebook wieder jemand gefragt: Pfeife mit Filter? Oder ohne Filter? Man kann sich kaum vorstellen, wie kontrovers dieses eigentlich unscheinbare Thema diskutiert werden kann. Nicht nur explodieren diese Threads regelmäßig im Umfang, nein, der Umgangston kann bisweilen leicht rau werden. Ob man Pfeifenfilter benutzt oder nicht, das ist eine Glaubensfrage. Mindestens wird sie so diskutiert. 

Einen interessanten Effekt hatte in Video auf dem YT-Kanal Ralligrufti (welcher leider gehackt wurde und nun  Rallis Pfeifenkino heißt). Dieses Video machte die Gizeh-6mm-Filter über Nacht zum Hypeobjekt, was selbst hartgesottene oFi-Rauchern hat die kleinen Stäbchen in ihre Rauchgeräte stecken lassen. 

Meine Pfeifenkarriere begann natürlich auch mit Pfeifenfiltern. Doch mein Unmut über diese wuchs schnell. Regelmäßig waren die Filter so nass, dass sie in der Pfeifen einfach zerrissen. Das rausfriemeln war mehr als unangenehm. Ebenso hat mein erster Genuss des Mac Baren Navy Flake (und der deutlich gesteigerte Geschmack ohne Filter) dazugeführt, dass ich das mit den Filtern zügig ad acta legte. Ich wurde zum dogmatischen oFi-Paffer. 

Doch einige Ereignisse haben mich an dieser Idee zweifeln lassen. Einmal war es der Erwerb einiger sehr schnuckeliger Estates. Darunter einer Vauen Luxus und einer Ben Wade. Diese beiden Pfeifen sind für 9mm-Filter konstruiert und haben einen extrem leichten Zug. Beim oFi-Rauchen wurden die Pfeifen sehr heiß. Andermal war es der Whiskyblogger Hagen Metzler von Whiskygraphie, der einen sehr weisen Satz von sich gab. In einer Debatte über eine Bloggerabfüllung sagte er, dass der Whisky selbst entscheide, ob er in Fassstärke oder Trinkstärke abgefüllt werden soll. 

Der letztere Satz ist absolut bemerkenswert. Was soll er aber bedeuten? Einfach: In der Whiskyszene gibt es eine Debatte über Fassstärken vs. Trinkstärken. Diese Debatte wird ähnlich dogmatisch geführt, wie die oFi-miFi-Debatte. Die Aussage, der Whisky entscheide selbst, bedeutet, dass man vorab nicht dogmatisch entscheiden könne, wie der Whisky besser sei. Das müsse man erstmal erschmecken - und je nach Beschaffenheit des Whisky entscheiden, welche Form der Abfüllung hier abgebracht sei.

Mancher wird schon die Puzzelteile zusammengefügt haben. Aber ich erläutere nun kurz, was ich daraus geschlossen habe: Es kann kein Dogma beim Genuss geben. Ebenso kann es kein Dogma beim Thema "Pfeifenfilter" geben. Wer hier dogmatisch argumentiert, der verschließt sich selbst der Variation des Genusses in seiner Vielfalt. Ob man einen Filter benutzen sollte, das hängt am Ende von einigen Faktoren ab. Erstens, ob die Pfeife davon profitiert, dass sie mit Filter geraucht wird. Ein Beispiel dafür ist zB. meine Vauen Luxus, die sich mit Filter deutlich angenehmer rauchen lässt. Zweitens, ob der Tabak davon profitiert, dass er mit Filter geraucht wird. Viele Aromaten sind ja explizit für die Filterverwendung gemacht. Ebenso hat der Gizeh-Filter-Hype gezeigt, dass Filter den Genuss von Tabak durchaus nuancierter & die Süße eines Tabaks präsenter machen kann. Drittens (das ist aber eigentlich eine Implikation der ersten beiden Punkte), ob der Genuss von der Verwendung eines Filters gesteigert werden kann.

Das führt uns zu einer praktischen Konsequenz. Man muss überprüfen, welcher Tabak in welcher Pfeife mit welchem Filter optimalen Genuss bietet. So habe ich festgestellt, dass meine Ben Wade mit Savinelli Balsafiltern optimalen Genuss bietet, hingegen meine Rattrays Bulldog mit Dr. Perl Filtern besser klar kommt. Ebenso gibt es verschiedene Tabake, die unterschiedlich auf bestimmte Filter reagieren. So habe ich festgestellt, dass der Night Owl von HU durch Dr. Perl Filter viel an Süße gewinnt, kaum Aromatik einbüßt, jedoch die Wucht des starken Nikotingehalts abgemildert wird. So würde es der inhärenten Logik entsprechen den Night Owl mit einem Dr. Perl Filter in meiner Ben Wade zu rauchen. 


Muss nun jeder Tabak mit Filter geraucht werden? Mit nichten. Beispiele dafür sind zum Beispiel der St. Peter's Flake, der in meiner Stanwell Royal Bark (oFi) ideal zu rauchen war. Ebenso rauche ich viele Flakes gerne in meiner Savinelli 315 oFi, die jedoch 9mm gefiltert ist. Meine Savinelli 320 raucht sich sowohl miFi & oFi gut. Hier geht es dann sehr um den individuellen Tabak. Darin habe ich zB. den High Gate (Bulls Eye Flake) oFi geraucht. Der schon genannte Night Owl geht besser miFi darin.

Bitte versteht die letzten Zeilen nicht als allgemeine Empfehlung. Es sind meine Erfahrungen, nicht mehr. Es gibt genug Spezialisten, die meinen den ultimativen Weg eine Pfeife zu rauchen gefunden haben. Diese Ratschläge reichen von bestimmten Stopftechniken bis zur Bitte die Pfeife zur Hälfte mit Katzenstreu zu füllen. Ich bin keiner dieser Spezialisten, sondern teile nur meine Gedanken - und die sind bestimmt nicht die finale Weisheit.

Wenn Ihr etwas aus diesem Text mitnehmen wollt, dann die Anregung Experimente zu wagen. Und nicht zu erwarten, dass es für alle eine einfache Lösung gibt. 

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