Ben Bracken Speyside Miniatur

Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein bekennender Speyside-Fan bin (war???). Nur selten weiß ein Speysidewhisky mich zu begeistern. Wobei sich das in letzter Zeit auch ändert. Wo Speysider früher für blumig-duftende Malts standen, da hat der aktuelle Bedarf an Single Malt diese Regionalmarken mehr oder weniger weggewischt.

Nicht wegwischen kann man die Frage nach der Herkunft dieser Malts von Ben Bracken. Mein Set ist aus dem Frühjahr 2019. Ich weiß nicht, ob der Ben Bracken jährlich neu abgefüllt wird. Oder einmal abgefüllt wurde und LIDL jetzt die Bestände verkauft. Oder gar mehrfach im Jahr Ben Bracken abgefüllt wird. Rein Hypothetisch wäre es möglich, dass jetzt zum Jahresende eine neue Abfüllung auf dem Markt erscheint, die sich geschmacklich komplett von dieser unterscheidet, gar aus einer anderen Brennerei ist. Jedes Mal auf's neue ein Zock, ob man was trinkbares bekommt.

Wobei, wir wollen jetzt mal nicht so garstig sein. Ben Bracken bekommt ziemlich viel prügel. Eigentlich jeder Supermarkt-Whisky. Vielleicht kommt da so kurz vor der Weihnachtszeit die versöhnliche Seite in mir raus, denn auch ich spare normalerweise nicht am Knüppel, wenn es um Ben Bracken geht. Aber, lassen wir mal die Hose runter, auch dieser Ben Bracken wurde in einer Brennerei in Schottland hergestellt. Es wird kein Etikettenschwindel betrieben. Wie ich es beim 1000€ Fass von Ben Beacken doch irgendwie schon etwas bemängle, dass erst ziemlich versteckt irgendwo gesagt wird, dass es deutscher Whisky ist. 


Was erwarte ich? Keine Ahnung. Ich gehe mal vom typischen, eher leichten, blumig-duftigen Speysider aus. Kann nur besser sein.

Auge: Der trügerischer Schein glühenden Zuckercouleurs. Leichte, feine Legs. Alles im Rahmen.

Nase: Überraschend. Sieh mal einer an. Das ist gar nicht verkehrt. Das kann man benevolent gar als "Charakter" bezeichnen. Die Nase eröffnet mit etwas fettig-dreckigem. Etwas schwartiges ohne Rauch, was ich öfter mal bei Rotwein- oder Portlagerungen in der Nase habe. Dazu angenehme Frucht, etwas Zitrone. Etwas Honig, Vanille.

Mund: Mild. Alkohol ist kaum merklich. Das ist positiv. Aber der Rest eben auch kaum. Das ist eher negativ. Mit viel kauen und atmen bekommt man dann doch paar Aromen rausgekitzelt. Frische Zitrone, Ingwer. Leichte Erdnussnoten. So übel wiederum gar nicht. Einfach zu mild für meinen Geschmack. Mit der Zeit ein Crescendo vom Mandeln.

Herz: Retronasale Aromen ein Mandeln, Vanille und etwas Eiche. Insgesamt vielleicht etwas länger als kurz.

Fazit: Bei diesem Ben Bracken gewinnt die Nase. Intensiv, mit einem leicht dreckigen Anklang, das finde ich gar nicht so übel. Beim Rest dann sehr mild. Da fehlt etwas die Tiefe und Intensität. Insgesamt solide!

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