VOLXWHISKY - The English Patient (SlowDrink Clubabfüllung 2019)


Heute verkoste ich für euch den VOLXWHISKY, die neue Clubabfüllung vom Regensburger Whisky- & Weinclub, aus der Feder von Peter Krause von Slowdrink. Es handelt sich dabei um einen NAS-Whisky von einer Insel mit 51,9 % in Fassstärke, der in einem Oloroso-, einem PX- und einem Rieslingfass reifen durfte. 

Und ja, mit dieser Verkostung breche ich mit zwei meiner eigentlichen Grundsätze beim Whiskybloggen: Keine Hypeflaschen und nicht direkt nach Release verbloggen. Aber bevor jetzt die Leute mit Fackeln und Mistgabeln losziehen um einen Shitstorm zu starten, da möchte ich einmal erklären, warum ich diese Flasche aufgenommen habe. 

Ja, die Clubabfüllungen von Slowdrink haben spätestens seit den Sailing Seagulls absoluten Hypestatus. Alle reden drüber, die Preise im Sekundärmarkt lassen die Schlüppis von Investmentbankern feucht werden, an jeder Ecke wird ein Bild gepostet. Mit über 90 Punkten in der Base im Durchschnitt für die Abfüllungen sind die Slowdrinker damit unter den Top-Abfüllern weltweit! Aber das ist nicht, was mir diese Abfüllungen so sympathisch macht. Das sind andere Dinge.

Zunächst möchte ich anmerken, dass es sich hier um ein non-profit Projekt handelt. Der Whisky wird um Selbstkostenpreis rausgegeben! Wohingegen ich bei anderen Hypeflaschen oft das Gefühl habe, dass es sich hier eher um Gelddruckmaschienen handelt, als um echte Genusserlebnisse. 

Und genau letzteres steht bei Slowdrink im Vordergrund. Es geht denen um einen bewussten Genuss, punktuelle Entschleunigung und man merkt einfach eine immense Verbundenheit zum Produkt. Dass dieses Produkt am Ende von sich reden macht, das kann man nicht vermeiden. Muss man auch gar nicht. 

Dann bleibt jetzt die Frage: Warum entschleunige ich mich nicht, sondern haue direkt zwei Tage nach Erhalt der Flasche meine Notes raus. Die Antwort ist: Weil ich mich kenne. Denn die Flasche war für eine Flaschenteilung bestimmt. Mir war klar, dass ich es nicht schaffen würde beim Duft dieses Malts nicht ein Drämchen einschütten zu müssen. Genauso ist es passiert. Gibt es eine bessere Würdigung eines Whiskys, als sich einige Stunden Zeit zu nehmen und den bewusst und tiefgreifend zu verriechen? Meines Erachtens: Nein.

Es sollte noch ein Wort zum Whisky verloren werden. Wir wissen nicht, welche Destille oder welche Region es ist. Wir wissen, dass für den Whisky mehrere Jahrgänge verschnitten wurden. Darunter sehr alte Malts, aber auch jüngere Jahrgänge. Wir wissen, dass diese dann in einem 30 Jahre altem Olorosofass, einem 20 Jahre altem PX-Fass und einem Fass von Riesling Trockenbeerenauslese reifen durfte. Wir wissen, dass die Malts sehr sorgfältig ausgewählt wurden um das beste Ergebnis zu erzielen. Die Komposition dürfe hochkomplex und ausbalanciert rüber kommen.

Damit dürfte wohl meine Erwartungshaltung bezüglich dieses Malts klar sein. Ich habe Spitzenklasse erwartet. Nicht weniger. Aber so viel sage ich euch schon: Meine Erwartungen wurden noch übertroffen!

Auge: Wir müssen zuerst über das Label sprechen. Manche sagen ja, dass Genuss nie unpolitisch ist. Die "politische Note" mag nicht jedem gefallen, aber der Whisky steht in der Tradition des schon hier besprochenen "Russenschnapps" und darf mit einer guten Prise Sarkasmus genossen werden. Dabei ist das Label herrlich trashig. Die Farbe erinnert mich an ein von Mahagoni vertäfeltes Herrenzimmer. Ganz ruhig, ja würdevoll, rollt der Whisky durch meinen Snifter. Die Legs lassen sich Zeit, keine Eile. Entschleunigung. Dann kommen sie langsam, aber extrem fein und nuanciert. Speichelfluss setzt ein.

Nase: Eine komplexe und extrem kompakte Aromenfront schlägt mir entgegen. Da wird viel zu entpacken sein. Erster Eindruck ist Kakao, Nesquik-Kakaopulver um genau zu sein. Dann Räucherspeck. Leichte Mineralik im Hintergrund. Multivitaminbonbon. Honig. Waldboden. Ein Parfait von der Tonkabohne. Geröstete Schwarte. Malagaeis. Obwohl der Whisky nicht bissig ist, füge ich einige Tropfen Wasser hinzu. Das Ergebnis ist Atemberaubend! Der Whisky wird schlagartig fruchtiger. Noten von einem Korb voll Steinobst. Hafer. Creme Brulee. Dann eine ganz brillante Mandarine. Kastanien. Moschus. Und sicher könnte man noch viele weitere Nuancen entdecken. Die Komplexität dieses Whiskys ist irrsinnig.

Mund: Angenehm und sehr aromatisch. Die Haptik ist zum niederknien. Ölig und fein. Man mag gar nicht schlucken. Der Alkohol ist nur ein Echo, was etwas auf der Zunge kribbelt um kurz "Hallo" zu sagen. Wirklich elegant eingebunden.  Geschmacklich zunächst herb. Leder. Kalter Rauch. Malz. Dann wird der Whisky süßer. Eine dunkle Süße. Sehr angenehm. Mit Wasser deutlich süßer. Plötzlich sticht ein klares Aschearoma hervor. Kräftig. Reif und rund am Gaumen. Pure Eleganz.

Herz: Würzig am Gaumen beim Schlucken. Direkt Malagaeis in der Nase. Äther. Iod. Hinterlässt eine tiefe aber subtile Süße im Mund, vor allem auf der Zunge. Absurd langer Nachhall. Kakao, kalter Rauch und Asche bilden den Schlussakkord, weil man zum nächsten Schluck möchte. 

Fazit: Steigt direkt in meine Top 3 Single Malts aller Zeiten ein. Das ist eine Liga für sich. Da ist auch völlig egal, aus welcher Brennerei der kommt. Ein Whisky zum hinsetzten und drin verlieren. Mehr als ein Getränk. Mehr als ein Genussmittel. Das ist Perfektion.

Kommentare

Beliebte Posts