THE WAR OF THE PEAT I - Ballechin 12yo Sherry Cask

Heute verkoste ich einen 12 Jahre alten Ballechin aus dem Sherryfass mit wuchtigen 59,3%. Das Sample habe ich von Whic zur Verkostung zugesendet bekommen. Es ist Teil 1 des "War Of Peat".
Ballechin ist die rauchige Version des Edradour. Edradour ist eine sehr kleine Brennerei östlich der Ortschaft Pitlorchy, in den süd-östlichen Highlands. Edradour ist eine sehr kleine Brennerei. Mit einem jährlichen Output von "nur" 100.000 l ist sie im Vergleich zu anderen Schottischen Brennerein wirklich winzig. Was aber natürlich keinerlei Qualitätsmerkmal oder Manko darstellt. Bemerkenswert ist jedoch, dass der Eigentümer von Edradour ebenfalls der Eigentümer des unabhängigen Abfüllers Signatory ist. Bei der heute für euch verkosteten Abfüllung handelt es sich um eine der Reihe Signatory Vintage (Jahrgangsabfüllungen).
Trotz der relativ geringen Produktionsmenge, hat die Brennerei ein extrem vielfältiges Portfolio an Orginal-Abfüllungen. Wie ist ist das möglich? Eine Erklärung wäre, dass kein Blend bekannt ist, der Edradour enthält. Wir sollten bedenken, dass die großen Industriebrennereien vor allem für die Blendindustrie produzieren. Blended Whisky macht noch immer den Großteil des weltweit verkauften Whisky aus.
Wenn bei Edradour der Whisky aus getorfter Gerste hergestellt wird, dann nennt sich der Whisky Ballechin. Für den Ballechin wird Malz verwendet, was mindestens auf 50ppm getorft wurde. Das entspricht ungefähr der Rauchigkeit eines Kilchoman. Wir können also in der Regel von einem stark rauchigen Whisky ausgehen. Gereift ist dieser Whisky in einem Refill Sherry Hogshead, indem dieser Whisky 12 Jahre lang lag. Man sagt, quasi als Faustregel, dass ein Whisky nach 12 Jahren erstmal "reif" ist. In den 12 Jahren der Reifung ist der Alkoholgehalt im Fass auf 59,3% gesunken.
Bild könnte enthalten: GetränkEin Bekannter auf Facebook fragte mich, ob man Whisky mit knapp 60% überhaupt trinken könne. Also ich habe damit kein Problem. Natürlich sind 60% sehr viel und man muss vorsichtig nippen und nicht das Zeug stürzen, wie ein Glas Wasser. Viele sagen, dass der starke Whisky die Zunge betäube und man deshalb nichts schmecke. Naja, auf der Zunge schmecke ich nur Süß, Sauer, Salzig, Bitter und Umami. Die Aromenwahrnehmnung, die für mich im Mittelpunkt steht, wird durch den Alkoholgehalt nicht beeinträchtigt. Ebenso die haptische Wahrnehmung der Konsistenz. Die Wahrnehmung des Geschmacks kommt für mich an dritter Stelle. Das hinzufügen von Wasser zum Whisky ist kein Tabu. Kann sich positiv auf die Aromen auswirken, wirkt sich auf jeden Fall negativ auf die Konsistenz aus, meist positiv auf den Geschmack.
Bei meiner Verkostung des Ballechin werde ich meine übliche Methode verwenden. Den Whisky zuerst pur probieren und dann ggf. mit Wasser leicht verdünnen um weitere Aromen rauszukitzeln. Ich erwarte dabei einen sehr intensiven Whisky, reif und rund. Dennoch mit viel Wucht und Kanten. Viel Rauch mit Sherryeinfluss. Dann ab damit ins Glas:
Auge: Fast kommt es mir so vor, als wenn der Whisky einen leichten Rotstich hat, was jedoch ziemlich unwahrscheinlich ist. Wo sollte der bei einem Refill Sherryfass kommen? Aber ich sehe was ich sehe und sage, dass die Farbe Kupfer im herbstlichen Sonnenuntergang ist. Ich schwenke mein Glas langsam. Die Legs lassen sich Zeit. Schüchtern bilden sie sich. Langsam und zäh. Das wird im Mund ein Träumchen, sag ich euch.
Nase: Volle Rauchexplosion. Der Rauch ist dabei weniger maritim, hat weniger Schinken. Aber dafür einen Hauch Iod. Typisch Lagerfeuer. Milka Schokolade, Traube-Nuss. Geräucherte Mandeln. Rote Grütze. Schwarzer Pfeffer.
Mund: Süß auf der Zungenspitze, dann leichtes prickeln. Sanft für knappe 60%. Wird schnell trockener, ja fast adstringent. Angenehm wärmend. Geröstete Mandeln. Sehr ölig, sehr angenehmes Mundgefühl. In Momenten fast samtig. Sherryfrüchte. Sultaninen, Datteln. Ingwer und schwarzer Pfeffer. Nelken und Anis. Herbsüßes Malz beim Schlucken.
Herz: Rauch. Eine gute Portion Pfeffer und Holzkohle. Dunkle Vanille. Tonka. Pfeifentabak. Malzbier. Glimmende Holzscheite. Sehr langes Finish. Süße im Mund bleibt lange.
Fazit: Typisch Ballechin. Voller Körper. Reichhaltig und schwer. Auch wenn der Sherry nur sehr verhalten ankommt. Der Whisky ist reif, satt. Sehr angenehm im Mund. Geschmeidiger Abgang. Sehr gefällig. Extrem elegant. Ein wahrer Gentlemans Dram, wie ich ihn mit vorstelle. Dominant. Beim "War of Peat" gilt es den erstmal zu schlagen.

Link: https://whic.de/war-of-the-peat

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