Unknown Speysider "Beautiful Summer Late Nights"

Das Wetter  am Wochenende spielt ja mit, aber in zwei Tagen fängt der Herbst an. Noch haben wir ganz offiziell Sommer. Zwar der ganz späte Sommer, aber noch Sommer. Welcher Whisky würde sich bei den jetzt schon recht kühlen Abenden besser eigenen als der "Beautiful Late Nights Summer" vom A Dream Of Scotland. Ein 19 Jahre alter Speysider aus einem Refill Sherry Butt.

Hinter "A Dream Of Scotland" (ADOS) steckt das Brühler Whiskyhaus, namentlich Marco Bonn. Das ist tatsächlich die erste Abfüllung, die ich von ADOS verkoste. Obwohl mir die ADOS-Abfüllungen schon öfter ins Auge gesprungen sind. Warum? Wegen der Label. Es gibt glaube ich keinen Abfüller weltweit, der so geile Label auf seinen Flaschen hat. 

Häufig ist auch in den Flaschen nichts vergleichbares. Beim letztgenannten Blend - der für satte 295 € über den Ladentisch ging - war es ein seltener Blend aus den 70ern. Und auch bei der Flasche, die mir aktuell vorliegt, ist ganz bestimmt kein Massenstoff drin.

Was wirklich drin ist, das kann ich euch gar nicht sagen, denn es handelt sich um eine Abfüllung, bei der der Name der Destille nicht genannt werden darf. Warum macht man sowas? Namen sind Marken. Fässer ohne Namen sind in der Regel günstiger, als Fässer mit Namen. Nicht alle Brennerein bieten Fässer mit Namen an. So haben sich bestimmte "Namen" etabliert. Zum Beispiel finden wir unter "Westport" in der Regel Glenmorangie (Angeblich mit einem Teil Glen Moray drin, sogenannted Tea Spooning - aber dazu an anderer Stelle mehr.)

Die Secret Speysider haben so einen Code nicht. Wobei die Community Schnappatmung bekommt, denn es könnte ja Macallan sein. Aber am Ende spielt es keine Rolle. Denn egal ob Macallan oder Glenbenkennsenich - der Whisky ist ein totaler Brett. Unglaublich geiler Stoff.

Was es nicht ist - es steht mindestens nicht auf der Flasche - ist Scotch. Mache denken nun: Wie? Speysider? Muss doch Schottland sein. ADOS lässt seinen Whisky zum Teil in Deutschland nachreifen, weshalb sich der Whisky nicht mehr Scotch nennen darf. Eine eher technische Finesse. 


Bisher war ich ja nie so an der Speyside (Region) orientiert. Ich habe den ADOS Speysider auf MeWe geteilt, weil Nachfrage bestand. Bin quasi über den Whisky gestolpert. So war meine Erwartungshaltung auch eher gemäßigt. Noch der Name, der so nach Sommerwhisky klingt. Leicht, fruchtig. Aber ich lag dermaßen daneben!

Auge: Beim Umfüllen der Sample hat man die extreme Öligkeit dieses Destillats sofort gesehen. Gar dickflüssig kam es aus der Flasche. Der Malt belegt das Glas fettig und zieht langsame, reichhaltige Legs. Farbe ist mit Schellack polierte Möbeln im Spätsommergold. Recht dunkel. Aber für mich noch kein Dark Sherry. Weit entfernt von der Cola-Suppe, die gerade so gehypet wird. Für ein Refill Sherry Butt schon sehr dunkel, auch wenn es 19 Jahre waren.

Nase: Raumfüllend. Selten einen so intensiven Whisky erlebt. Zedernholz. Sherrynoten: In Sirup eingelegte Datteln. Oder Feigen. Oder beides. Ein Bund Gartenkräuter: Petersilie, Kresse, Beifuß. Milchschokolade mit Haselnuss. Tannenwald im Hintergrund.

Mund: Extrem ölig und cremig. Will man gar kauen. Angenehm wärmend. Elegant. Alkohol extrem gut eingebunden. Eher trocken auf der Zunge mit Aromen von Malz, Schokolade, Nutella und Sherry. Ganz herbe Süße am Gaumen. Pinienöl. Leichte Chilli-Schärfe auf der Zunge.

Herz: Sherry, trocken, Haselnüsse. Angenehm zurückhaltend, unaufdringlich. Aber dennoch Charakterstark und kräftig.

Fazit: Nailed it! Ein perfekter Sherrymalt. 100/100 Punkten. Rein metaphorisch, ich gebe ja keine Punkte ;-)


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