Penderyn Rhiannon


Unsere Geschichte handelt heute vom Penderyn Rhiannon. Der siebte Whisky aus der „Icons of Wales“-Reihe, von dem ich letzte Woche den „Royal Welsh Whisky“  hatte. Das aktuelle Sample habe ich vom Bastian Denkler, seines Zeichens Brand Ambassadeur für Penderyn, zur Verkostung bekommen.

Und unsere Geschichte handelt heute ebenso von Geschichten.

Unsere Geschichte beginnt – wie so oft – im Jahre 2014 in der Distel, einer mittlerweile geschlossenen Whiskykneipe, deren ehemaliger Inhaber leider vor kurzem unerwartet verstorben ist. Viele meiner Geschichten hier fangen genau da an, in der Distel. Und ich kann nicht oft genug betonen, welch bedeutsamer Abend das für die deutsche Whiskyszene war, da sehr viele Verbindungen und Freundschaften daraus entstanden sind. Und nicht selten dann auch Abfüllungen oder Persönlichkeiten. Und sehr oft entstand daraus eben ein: "Man kennt sich."

Ich weiß nicht, ob ich damals schon mit Bastian gequatscht habe, der Nebel zahlreicher Drams hat sich über die Erinnerung gelegt. Aber ich habe es auf jeden Fall 2018 getan, als wir uns im Hotel Schmachtendorf bei diversen Drams die Nacht um die Ohren gehauen haben. Bastian wurde kurz darauf BA bei Penderyn. Und so kam es, dass ich jetzt dieses Sample des neuen Penderyn in den Händen halte.

Unsere Geschichte beginnt ein zweites Mal. Aber früher. Viel früher. 750 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Als die Kelten aus Kontinentaleuropa in den angelsächsischen Raum einwanderten. Mitgebracht haben sie eine reichhaltige Kultur, voll Mythen und Geschichten. Eine dieser Mythen handelt von „Rhiannon“ oder „Rigantona“. Je nach Perspektive handelt es sich hierbei um eine Pferdegöttin, die Göttin der Unterwelt oder einfach „Großartige Königin“. Letzteres legitimiert das gar hellenistische Motiv, wonach Rhiannon den sterblichen König Pwyll geheiratet hat. Ein gar ungleiches Paar, aus dessen Verbindung etwas ganz großes Entstanden ist. Da die Geschichte jedoch reichhaltig ist und gar nicht schnell erzählt werden mag, spare ich mir hier ins Detail zu gehen. 

Wir springen in die Gegenwart. Ich halte das Sample dieses Single Malts mit dem göttlichen Namen "Rhiannon" in der Hand. Schnell wird klar, warum hier solch ein Name bemüht wurde. Gereift in „ex-Oloroso-Fässern“, das ist schon die Königsdisziplin bei den Sherryreifungen. Wir erinnern uns: Oloroso ist ein Sherry, der sich von den meisten anderen Sherryarten unterscheidet, denn er reift oxidativ (mit Luft). Wo beim Fino u.a. sich eine Florhefe ausbildet, unter der der Sherry reift (ohne Luft), so wird beim Oloroso diese Hefe abgetötet. So entwickelt sich dabei natürliches Glycerin, was den Whisky unheimlich ölig und (obwohl meist trocken) etwas süßlich erscheinen lässt. Für heute lassen wir so viel stehen: Ich bevorzuge den Glendronach 18 vor dem 21, weil der 18er nur in Oloroso-Fässern reifte.

Zusätzlich reife der Whisky in ex-Bourbonfässern und in ex-Bordeaux Grand Cru Fässern. Bourbonfässer sind aus amerikanischer Weißeiche, und enthielten zuvor amerikanischen Whiskey (Mais, Roggen).  Bordeaux ist eine Weinbauregion in Frankreich, die für besonders gehaltvolle, exzellente Weine bekannt ist. Grand Cru ist das französische Äquivalent zum deutschen „Großes Gewächs“ und bezeichnet Weine aus den besten Lagen (geographischen Anbauorten eines Weins). Der Bordeaux Grand Cru wird nicht umsonst der König der Weine genannt.

Der Malt reifte also in Fässern, in denen vorher Bourbon, Oloroso-Sherry und Bordeaux-Rotwein lagerte. Ein gar ungleiches Trio, aus deren Verbindung etwas ganz großes Entstanden ist.

Was erwartete ich bei der Verkostung? Penderyn macht für mich Charakterwhisky. Ich erwartete Ecken und Kanten. Dazu einen Kontrast von Oloroso-Geschmeidigkeit. Viel Frucht und Tannine aus dem Rotwein.  Sehr hohe Erwartungshaltung, aber wenn man einen Whisky mit so königlichen Attributen ausstattet, dann ist die Fallhöhe einfach enorm hoch. Kann der Penderyn diesen Erwartungen standhalten?

Auge: Die Farbe erinnert mich an eine klare und reine Version des goldglänzenden Fells von Palomino-Pferden. Sind diese Pferde eigentlich nach der Palomino-Traube benannt, die für Sherryproduktion angewendet wird? Würde mich nicht wundern. Der Whisky bildet dabei sehr heterogene Legs. Teils leicht und schnell. Teil behäbig und dick.

Nase: Mein erster Gedanke: Wow. Zum niederknien. Zuerst die typische Penderyn-Kante. Würzig, kräftig, ja sogar etwas dreckig. Und diese Note spielt schwärmerisch mit den dunkelfruchtigen Noten von Feigen und Schokolade aus dem Sherry. Ganz groß! Hinter diesem Spiel kommen Karamell, Vanille und Buttercreme dazu. Es braucht etwas Zeit, aber auch Fruchtnoten lassen sich nicht missen. Pfirsich, Mandarine und Lemon Crud.

Mund: Auf der Zunge zunächst herb, sogar leicht adstringiert. Dann kommt ein richtiger Sherry-Kick: Rosinen, Datteln, Schokolade. Eine Sekunde später entwickelt sich eine tiefe, würzige Malzsüße ganz tief am Gaumen. Aber nicht die typische Malzsüße, diese hier ist etwas ätherischer, rot-fruchtiger. Hagebutten. Die Konsistenz ist angenehm, der Alkohol ist leicht prickelnd, sehr gut trinkbar.

Herz: Leicht prickelnd beim Schluck. Man merkt ihn nicht unbedingt stark im Magen, sondern eher in der Nase. Vanille trifft auf Sherry. Wieder zitrische Noten, die fast ins mineralische ziehen. Dabei eine schwelende Würze, die fast nach Ketchup kommt. Lang bleibt er, der Penderyn.  Darf er aber auch sehr gerne.

Fazit: Ein Single Malt mit mittlerem Körper und einem langen, intensiven Abgang. Brilliert in der Nase absolut. Top-Whisky, der von etwas größeren Gläsern (Schott Zwiesel Nosingglas Bar Spezial oder 1920 Professional Blenders Glass) profitiert.  

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