Benromach Organic Unpeated

Wir bewegen uns weiter in der Speyside. Nach einem richtig geilen Sherrybrett letzte Woche, haben wir heute ein nicht minder interessanten Whisky am Start. Einen Benromach mit 43% aus dem Virgin Oak Fass.

Dieser Whisky ist wirklich besonders.Warum? Benromach ist eine gar winzige Brennerei (500.000 L p.a.) in der Speyside. Gegründet 1898, ging die Brennerei durch viele Hände, bis am Ende Gordon & MacPhail Benromach gekauft haben. Zum Hundertsten im Jahre 1998 wurde die Brennerei wiedereröffnet. 


Gordon & MacPhail werden sicher einige Maltheads nur als unabhängigen Abfüller kennen. Was macht so ein Abfüller? Ein unabhängiger Abfüller kauft ganze Whiskyfässer auf, lagert diese ggf. ein und füllt die dann ab. Im Falle Benromach lag die Brennerei zu Anfang der neunziger Jahre ziemlich brach da, weil die Brennblasen demontiert wurden. 1993 kaufte Gordon & MacPhail die Lagerbestände von Benromach auf, zusammen mit der leerstehenden Brennerei. Und dann nehm die Geschichte seinen Lauf. Eine ähnliche Konstellation kennen wir von Edradour/ Signatory.

Aber nicht nur dieser Fakt mit den unabhängigen Abfüller ist erwähnenswert. Sondern auch, dass Benromach überwiegend "organic" produziert. Also wir würden sagen "Bio-Whisky", mit regionaler Gerste. Ebenso - und jetzt arbeiten wir uns langsam zu des Pudels Kern vor - ist Benromach überwiegend "peated". Also zum darren (trocknen) der Gerste wird Torfrauch benutzt, was dem Whisky später einen rauchigen Charakter verleiht. Das ist für Speyside-Whisky eigentlich völlig untypisch. Starker Torfrauch würde normalerweise den "typischen" Speysider völlig erdrücken. Jedoch sind die Brennblasen von Benromach hinreichend klein, dass trotz ihrer Höhe und einer Rücklaufkugel ein sehr aromatischer und würziger Newmake entsteht. 


Und jetzt könnt ihr das alles wieder vergessen. Den von der schon untypischen Brennerei Benromach habe ich heute eine untypische Abfüllung. Denn dieser Whisky ist nicht getorft, also unpeated. Er liegt bei 43% und wurde 2011 gebrannt, 2018 abgefüllt, wird also 6 oder 7 Jahre haben. Gereift wurde der Whisky in einem Virgin Oak Cask, also ein Fass, das vorher nicht belegt war. 

Die erste Frage, die ich mir stelle, als ich den Whisky ins Glas kippe ist: Wird der jetzt schmecken wie ein typischer Speysider? Aber was will das heute noch bedeuten? Ich bin sehr gespannt:

Auge: Klares, gelbes Gold zieht schnelle, feine Legs.

Nase: Erstaunlich kräftig für nur 43%. Reichhaltige Fassaromen. Kokos dominiert, dahinter Vanille. Sehr intensiv. Getreide und Ingwer. Trüber Honig an Kerzenwachs. Schuhpolitur, Apfeldrops, Centerschock ohne Sauer.

Mund: Angenehm mild, aber nicht wässrig. Schwache Textur. Malzige Süße am Gaumen und in der Nase. Apfel und Banane in Braun.

Herz: Viel Vanille, Getreide, Malz. Lang mit feinem prickeln am Gaumen.


Fazit: Ein intensiv-aromatischer Whisky. Trotz des geringen Alkoholgehalts. Hätte blind auf einen reifen Highlander aus dem First Fill Bourbon Cask getippt. Benromach? Du hast mich überrascht, positiv überrascht! Sehr guter Whisky.


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