Glenlossie 20yo

Wenn man einen Malthead fragt, wie ein perfekter Whisky sein soll, dann wird man eine Reihe von verschiedenen Antworten erhalten. Aber sicher wird ein nicht unerheblicher Teil sagen: Ordentliches Alter und Fassstark.

Heute verkoste ich einen zwanzig Jahre alten Glenlossie mit saftigen 55%. Den habe ich von den Schlumberger Drambassadoren zum verkosten bekommen.

Wie bei den anderen Malts der C&S-Reihe, so haben wir auch hier einen "Malt aus der zweiten Reihe". Also keine großen Namen. Sondern Malts, deren Namen man nicht unbedingt in jedem Supermarkt findet.

Glenlossie ist definitiv so eine Brennerei. Dabei ist sie sehr beachtenswert. Gelegen in der östlichen Speyside, Nähe Elgin. Ist Glenlossie seit 1876 aktiv. Bis auf ein Feuer 1929,welches zum Neuaufbau zwang, sogar durchgehend. Spannend ist auch, dass 1971 die Mannochmore Brennerei direkt neben Glenlossie (auf dem gleichen Gelände) gebaut wurde. Mit einem Output von ca. 1 Mio. Litern pa. ist Glenlossie sicher als eine der kleineren schottischen Brennereien zu sehen. Ihre Unbekanntheit ist zuletzt sicher auch darin zu finden, dass es keine offizielle Orginalabfüllungen gibt. Zwar gibt es einen 10er aus der Flora & Fauna Serie, aber sonst nur unabhängige Abfüllungen.

Der Hausstil von Glenlossie, wenn man sich diverse Notes anschaut, ist typisch Speyside. Leicht, fruchtig. Gleichzeitig mit Gewürzen und einer oft abgesprochenen Öligkeit. 

Ich persönlich bin ja nicht so sehr in der Speyside zuhause. Viele der jüngeren, sehr fruchtigen Abfüllungen sind überhaupt nicht so meins. Aber, was kann bei einem 20yo Single Malt in CS schon schiefgehen?

Da ich zuvor keinen Glenlossie im Glas hatte, war meine Erwartungshaltung eher gedeckt und offen für alles. Also ab ins Glas.

Auge: Nachmittaglicher Sonnenschein an einem Spätsommertag. Klebt förmlich am Glas und zieht langsame, dicke Legs.

Nase: Genialer Auftakt. Will man sich reinlegen. Bourbon-Akkord (Vanille, Kokos, Toffee). Das zur Reifung benutzte Hogshead wird wohl ein Bourbonfass gewesen sein. Dann kommen wir auf eine Blumenwiese in voller Blüte. Leichte Anklänge von Wildkräutern. Orangeblüten im Hintergrund. Gepaart mit aromatischer Butter. Eine Reminiszenz von Mangolassi kommt ins Gedächtnis.

Mund: Kräftig auf der Zunge. Sehr ölige Konsistenz. Das ist genau mein Geschmack. Wärmend, leicht prickelnd. Für 20 Jahre sehr aktiv. Auf der Zunge eher trocken. Malzsüße am Gaumen. Aromen von Butterkeks und Blumen. Später Eiche. Entwickelt sich herb-malzig. Vanille an Zwetschgenkompott.

Herz: Leicht herb beim schlucken. Blumige Vanille und Toffee. Weniger Kokos. Bleibt extrem lange am Gaumen. Mit würziger Süße. Und in einem zweiten Anflug kommt hölzerne Vanille wieder.

Fazit: Einfach lecker. Ein Whisky mit mittlerem Körper und ausgeprägter Aromatik. Für das Alter sehr lebendig. Nicht zu komplex. Kräftig und trotzdem zugänglich. Wie gesagt: Einfach lecker. 

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