Gordon Pym

Ursprünglich war es meine Idee diesen Tabak als Teil der Bruichladdich-Serie zu verkosten. Mit der gleichen Prämisse: wie Name, Gestaltung etc. hier im Gesamtkontext zueinander finden. Diese Idee habe ich aber verworfen. Es wird dem Tabak nicht gerecht. Aber dazu gleich mehr. Zuerst eine Schritte zurück.

Irgendwann kam ich auf die Idee eine Literatur-Musik-Genuss-Querverkostung zu machen. Angeregt durch die Bruichladdich Cuveés, die ich die letzten Wochen verkostet habe. Dem wollte ich einen Pfeifentabak beigeben. So machte ich mich auf die Suche nach einem geeignetem Tabak. Zuerst fand ich den Macbeth von Rattrays. Was mich zunächst sehr gefreut hat, denn ich bin ein riesiger Macbeth-Fan. Definitiv mein Lieblingsstück von Shakespeare. Jedoch wurde mir schnell klar, dass es sich beim Macbeth nur um eine Adaption des Sherlock Holmes von Peterson handelt. Was auch gar nicht verwerflich ist. Es passte aber nicht in mein Konzept. Dann stieß ich auf den Gordon Pym. Der passte durchaus besser. Ich erhoffte mir, dass ich wegen der Beigabe einer Maryland-Tabaks (und der dementsprechenden geographischen Nähe zu Nantucket) eine spannende Geschichte daraus spinnen kann. Hat aber nicht funktioniert. Woran lag's?

Also es lag bestimmt nicht daran, dass der Tabak zu schlecht war. Nein. Ganz im Gegenteil. Es ist ein exquisiter Tabak. Es wäre einfach unfair gewesen, hier auf teufelkommraus eine Story zu erzählen, die am Ende ins Nirgendwo führt. Also schauen wir uns einfach den Tabak an, er hat es verdient. 

Nichtsdestoweniger möchte ich einige Worte zum Namen verlieren. Dieser leitet sich von der Geschichte "The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket " ab. Einer Erzählung aus der Feder des großartigen Edgar Allan Poe, in der es um den Namensgebenden Gordon Pym geht, der von einer Seefahrt in die Südsee zurückkehrt und einigen Leuten von seinen abendteuerlichen, gar mystischen Erlebnissen erzählt. Ob Poe selbst Pfeifenraucher war, das weiß ich im Moment nicht. Eine Recherche ergab nur unsichere Ergebnisse. Auch Gordon Pym selbst raucht in der Geschichte nicht. Warum gerade diese düster-mystische Geschichte für einen doch eher grundsoliden Tabak gewählt wurde, das erschließt sich mir nicht. Aber manchmal muss das Baby eben einen Namen haben.

Worüber reden wir? Der Gordon Pym besteht aus Virginia, Maryland, Dark Fired Virginia, Orient und syrischem Latakia. Zwei Dinge werden dem geneigten Leser auffallen. Einerseits Maryland. Eher bekannt als Bundesstaat der USA, handelt es sich hierbei um eine großblättrige, eher nikotinarme Tabaksorte, die würzig-mild im Geschmack ist. Marylandtabak ist kein Burley. Und als zweites springt einem der syrische Latakia ins Auge. Wie schon öfter hier erwähnt gibt es seit Jahrzehnten kein Latakia aus Syrien mehr. Das hat weniger mit dem dort mittlerweile schon absurd lange währendem Krieg zu tun, als mit Misswirtschaft und nicht nachhaltigem Anbau. Die Rohstoffe zur Herstellung von Latakia in Syrien wurden einfach aufgebraucht, sodass sie nicht nachwachsen können. Auf meine Nachfrage bei Dan Pipe, ob da WIRKLICH syrischer Latakia drin ist, bekam ich die Antwort, dass es sich mit Sicherheit darum handle. Wir können darauß schließen, dass der Gordon Pym quasi Restbestandsware ist. Gibt es bis es weg ist. Und, dass der Tabak schon gut abgehangen sein muss.

Der Tabak kommt in einem feinen, lockeren, mittleren Schnitt. Der Duft ist schon köstlich nach Malz und Torf, gepaart mit Heu und Früchten. Die Konditionierung ist optimal. man kann direkt loslegen. Und das lohnt sich auch. Denn der Gordon Pym ist ebenso zugänglich, wie er einfach köstlich ist. 


Zunächst kommt der Latakia. Geschmeidig, cremig-rauchig mit herber Note. Zur Mitte der Füllung bringen Orient und Virginia viel würzige Süße ins Spiel. Zum Ende hin wird der Tabak stärker, pfeffriger. Mit einem Hauch von Süßholz. Das alles verschmilzt, abgerundet vom herben Dark Fired und würzigem Maryland, zu einem wirklich eleganten Raucherlebnis. Keine Spitzen, keine Ecken. Kein überbrodelndes Flavoring. Keine Taschenspielertricks. Einfach solider, bodenständiger Tabak. Nicht nur für Freunde von Poe.

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