Bruichladdich Cuveé 640 - Eroica Oh Mensch! Gieb Acht!

Kommen wir zum nächsten Cuveé. Der 640. Hier wurde es etwas trickreicher. Aber schauen wir erstmal, was wir vor uns haben.

Der Bruichladdich Cuveé 640 ist ein 21 Jahre gereifter Single Malt Scotch Whisky aus der Bruichladdich Destille auf der Insel Islay. Er wurde mit 46% abgefüllt und lagerte in ex-Bourbon- und Cognacfässern. Der vollständige Name ist: Cuveé 640, Eroica, Oh Mensch! Gieb acht!

Ich gehe davon aus, dass es sich hierbei um eine Symphonie von Beethoven handelt und ein GEdicht von Friedrich Nietzsche, Das Trunkene Lied.

Zuerst Musik: Nein, die Symphonie heißt nicht „Erotica“, sondern es ist die heroische Symphonie. Was ist eine Symphonie? Eine Symphonie ist ein mehrsätziges Orchesterwerk. Die Eroica besteht aus 4 Sätzen, wie es in der klassichen Form vorgesehen ist.

Der erste Satz ist der „Kopfsatz“, der mit einer wuchtigen Eröffnung beginnt. Er wird im Allegro con brio gespielt, also rasch und mit Schwung. Der zweite Satz ist ein Trauermarsch, der als Adagio langsam gespielt wird. Dieser Satz ist durch die französicshen Trauermärsche inspiriert. Der dritte Satz gewinnt wieder an Tempo, er gilt als erstes großes Scherzo, für die Beethoven bekannt ist. Für die folgende Betrachtung ist der vierte Satz vermutlich besonders wichtig. Hier wird der Hauptthema in verschiedenen Variationen aufgegriffen.

Es sei an dieser Stelle noch etwas zur Entstehungsgeschichte gesagt. Die Symphonie ist in den Jahren 1802 – 1803 entstanden. In diesen Jahren war Beethoven sehr eingenommen von Napolen Bonaparte. So sehr, dass die dritte Symphonie zunächst Napoleons Namen tragen sollte, was jedoch verworfen wurde. Kurzzeitig war sie jedoch Napoleon gewidmet, was Beethoven jedoch nach der Selbstkrönung Napoleons zurücknahm. Nichtsdestoweniger kann man in dieser Symphonie Beethovens Zuneigung zu Napoleon und Frankreich sehen.

Dann haben wir noch Nietzsches Gedicht „Das Trunkene Lied“. Es ist ein Teil aus dem Werk „Also Sprach Zarathustra“, besteht aus 11 Versen und steht im vierten und letzten Teil des Zarathustra. Es ist in Nietzsches typischer Art sehr kryptisch gehalten und auf den ersten Blick ist der Inhalt nicht zweifelsfrei eindeutig.

Nietzsches „Also Sprach Zarathustra“ ist ein lyrisch-philiosophishes Werk, was sich dem Wirken eines fiktiven Propheten widmet. Dieser lebt zunächst Abgeschottet, macht sich jedoch auf den Weg zu den Menschen um zu sehen, ob diese bereit für seine Weisheit sind. Spoiler: Sind sie nicht. Dies erkennt Zarathustra an verschiedenen Stellen. Eine dieser Stellen ist, als er mit den „höheren Menschen“ beisammen ist und sie auffordert „Das Trunkene Lied“ zu rezitieren.  Der Inhalt dieses Liedes lässt sich nur schwer zusammenfassen. Es beginnt mit dem (auch für den Bruichladdich Namensgebenden) Hinweiß: „Oh Mensch! Gieb Acht!“ Doch worauf sollen sich die Menschen acht geben? Es ist dies zusammenzufassen, ohne dabei direkt in die Interpretation des Werkes zu verfallen. Ich meine, dass es um einen Hinweiß auf den Gedanken der Ewigen Wiederkunft des Gleichen ist.  Das ist ein zentraler Gedanke in Nietzsches Philosophie, nachdem sich alle Ereignisse unendliche oft wiederholen. Dies will Nietzsche aber als Ausdruck absoluter Lebensbejahung verstanden haben. Dieser Gedanke liegt dem ganzen Werk des Zarathustra zu Grunde. Ich möchte jedoch auf einer weitere Interpretaion verzichten. Diese Fragmente reichen uns schon für die spätere  Interpretation.


Der Verweis auf Nietzsche kann einen Bezug zur Fassart darstellen. Hierbei spielt die Idee der ewigen Widerkehr eine Rolle, was in einer wunderbaren Art gespielt wird. Denn der Meta-Bezug ist ja auch in der Musik vorhanden, die Motive wiederverwendet.  Ich verstehe darin ein Statement für Refill-Fässer. Einen Hinweis darauf sehe ich ebenfalls darin, dass bei den verwendeten Cognac-Fässern nur als „Limousin oak casks from Aquitaine“ bezeichnet. Denn hier Spielt das Holz die erste Geige. Ebenso ist das Cuvee 640 deutlich heller als die anderen beiden. Was mich vermuten lässt, dass hier ein Refill-Bourbonfass verwendet wurde.

Eine der besonderheiten in Beethovens Musik ist die Unterordnung des Melodischen unter das Harmonische. Beethoven war es wichtiger, dass seine Musik maximal harmonisch ist. Hier möchte ich meine erste Hypothese zur 640 ansetzen. Man könnte vermuten, dass es sich um den sechsten Akt des Op.40 handelt. Damit eine Andeutung auf einen vollendeten Whisky.

Meine Hypothese ist, dass hier auf den 640 Takt der Eroica referiert wird. Dieser befindet sich im letzten Satz und befindet sich in den Variationen des Hauptthemas. Die Interpretation wäre hier, dass es die bandbreite an Aromen und die Entwicklung des Whisky während der Trinkens repräsentiert.

Und zum Schluss meine Notes zum Cuveé 640:

Auge: Farblich erinnert mich das Malt an eingelegten Ingwer. Sehr ausgeprägte, feine Öligkeit am Glas.

Nase: Wuchtiger Auftakt. Schon beim einschütten riecht man die intensiven Noten im ganzen Zimmer. Die erste Nase. Banane? Der Cognac kommt gut durch. Dann Birne. Die bleibt und wird stärker. Im Hintergrund eher herb. Heu. Knackige Frische. Leicht aber intensiv. Dann Honig und Malt. Eichennoten. Kakao und Pfeffer. Am Ende gewinnt die Birne.

Mund: Malz, Birne. Ausgewogen, nicht zu süß. Leichtes prickeln auf der Zunge. Fein Ölig und cremig auf der Zunge. Elegant. Ein Hauch Meer, Süßholz.

Herz: Lang mit viel Honig, sehr lang.und lungernd, Herb am Daumen, leicht Salzig auf der Zunge. 

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