Bruichladdich Cuveé 407 - La Noche Bocca Arriba

Um die drei Cuveés zu komplettieren fehlt uns jetzt noch der 407er. Dieses Cuveé unterscheidet sich in einem Detail von den anderen beiden Abfüllungen, da der zweite Beiname auf kein Kunstwerk referiert. Wir sprechen vom Cuveé 407 -La Noche Bocca Arriba/ PX.

Kommen wir zuerst zum PX. Das steht in der Whiskywelt für Pedro Ximenez. PX-Trauben sind von Natur sehr Zuckerreich und machen einen dunklen, schweren und sehr süßen Sherry. Üblicherweiße wird PX zum süßen anderer Sherrys verwendet. Diese Typen von Sherryfässern geben dem darin gelagerten Whisky die so populären Noten von Trockenfrüchten und Nüssen.

Hingegen haben wir es im ersten Teil des Namens mit einer Kurzgeschichte des argentisch-frenzösischen Autors Julio Florencio Cortázar zu tun. "Die Nacht auf dem Rücken" stammt aus dem Jahr 1956. Die phantastische Kurzgeschichte entführt uns in ein Verwirrspiel zwischen zwei Welten. Der "realen Welt" und der unbewussten Psyche des Protagonisten. Alles beginnt mit einem namentlich nicht bekannten Protagonisten, der einen Motoradunfall hat und sich wegen diesem in einem Krankenhaus behandeln lassen möchte. Dort muss er mit vielen anderen Patienten warten, bekommt eine Panikattacke und schläft ein. Im Traum  ist er ein Stammesmitglied im Jungel, welches von Azteken gejagt wird. Insgesamt eine phantsitsch bis leicht surreal anmutende Geschichte. 

Der Kniff bei der Story ist, dass man am Ende nicht weiß, welche der beidenen Ebenen wirklich real war. Die literarische Methode, die hierzu verwendet wurde ist simple, aber genial. Die Traumsequenz wird damit eingeführt, dass der junge Mann bemerkt, dass er in dem Traum riechen kann, aber bisher noch nie im Traum riechen konnte. 


Ich vermute, dass sich die 407 auf diese Stelle bezieht. In der selbstbeschreibung des Malts auf der Flasche steht noch: "...a dream of a dram." Die Hinweise verdichten sich. Mir fehlt jedoch das letzte Indiz dafür. Ich erläutere das etwas. Bei einer solchen interpretatorischen Hypothesenbildung geht es immer darum, dass man eine Hypothese findet, die ein Problem erklärt und diese anhand von konkreten Bezügen zum Text belegt. Wäre es also nun, dass die von mir genannte Stelle auf Seite 407 stand, oder in Seite 40, Zeile 7, oder Zeile 407, etc. dann wäre es für mich hinreichend zu sagen, dass wir da unsere Lösung haben. Jedoch stehen wir vor einer Schwierigkeit, die die Literatur mit sich bringt. Diese ist ja in der Regel gedruckt in Büchern. Diese Bücher können von Ausgabe zu Ausgabe, von Übersetzung zu Übersetzung variieren. Man müsste wissen, welche Ausgabe der Nacht auf dem Rücken Jim McEwan zur Hand hatte, um hier eine präzisere Aussage treffen zu können. 

Natürlich könnte ich falsch liegen. Deshalb biete ich noch eine alternative Hypothese an. Und zwar bezog sich die Zahl bisher immer auf den ersten der beiden Namen des Malts. Was in diesem Fall ja nicht die Nacht auf dem Rücken wäre, sondern PX.  Vielleicht war der Laddie in einem Fass, dessen PX vorher einen Restzuckergehalt von 407g/ Liter hatte? Sherry, wie der González Byass Noé Pedro Ximénez bekommt solche Werte hin. 

Leider muss ich einer finalen Aussage aus dem Wege gehen. Gerne lade ich euch aber zum spekulieren ein. Vielleicht finden wir es ja über die Schwarmintelligenz raus.

Kommen wir zu meinen Tastingnotes. Wie war meine Erwartungshaltung? Einfach: Sherrybombe. Wurde das erfüllt?

Auge: Poliertes Mahagoniholz. Sehr ölig am Glas.

Nase: Zuerst volle Sherryfracht. Dunkle Sherrynoten aus dem PX. Der Malt braucht einen Moment, bis er sich öffnet. Dann Banane mit einem Hauch Erdbeere. Malz und Zuckerwatte. Ein starker Mojito. Sahnebonbon. Kokos und Vanille.

Mund: Sehr kräftig. Süß-würzig, eigentlich typisch PX. N
ach einem Moment fast pikant. Dabei unendlich cremig im Mund. Noten von Eiche und dunkler Schokolade, die eine Nuance ins Bittere hineinreichen.

Herz: Sehr langer, wärmender Nachhall mit typischen Sherrynoten von Schokorosine beim Ausatmen. Belegt nach dem Schluck den Mund lange mit süßen Sherryaroma.

Fazit: Mittelschwerer Malt mit viel Action. Starker Sherryeinfluss, aber nicht eindimensional. Schönes Wechselspiel der Aromen.

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