Bruichladdich Cuveé 382 - La Berenice

In den folgenden Wochen nehme ich die Laddie Cuveés unter die Lupe. Wir fangen an mit dem Bruichladdich Cuveé 382. Dieser Laddie war der Stein des Anstoßes. Auf dem Laddie Nerds of the World Treffen im September 2018 lernte ich diese Schätzchen kennen. Es kam die Frage auf, was diese Nummer 382 eigentlich bedeutet. Niemand der anwesenden, wirklich hochdekorierten Laddie-Kenner, konnte diese Frage beantworten. Also...

Ich behaupte, dass diese Nummern ein Code sind, die uns etwas über den Whisky sagen. Um diesen Code zu entschlüsseln müssen wir uns genau ansehen, wie die Abfüllungen heißen und wie deren Charakter ist. 

Doch bevor ich jetzt in meine Hypothesen eintauche, beschreiben wir doch einmal unseren Gegenstand der Untersuchung: Die Bruichladdich Cuveés sind eine dreiteilige Serie von Single Malt Scotch Whisky aus dem Jahre 2012. Hergestellt von Bruichladdich, Islay, Schottland. Es handelt sich dabei um 21jährige Malts, mit jeweils unterschiedlichen Fassreifungen. Jede dieser Abfüllungen trägt dabei eine Nummer und zwei Beinamen. 

Heute widmen wir uns dem Bruichladdich Cuveé 382 La Berenice - MG41 [L'Age d'Or]. Der Whisky hat 46% und wurde in ex-Bourbon- und Sauternesfässern gelagert.
Der erste Beiname "Berenice" bezieht sich auf:„La Berenice, Regina de Egitto“ (HVW 38) -  eine Oper, komponiert von Georg Friedrich Händel ( 1685 – 1759) aus dem Jahr 1736/37. 

Der zweite Beiname "MG41 [L'Age d'Or]" bezieht sich  auf ein Bild des französischen Malers Yves Klein, was eine monochrome, goldene Fläche zeigt. 

Was machen wir nun mit der 382? Meine erste Hypothese ist, dass sich die 38 auf die Oper "La Berenice" bezieht, da diese das Werksverzeichnis 38 trägt. Meine Interpretation ist, dass diese Oper archetypisch für die Epoche des Barock steht. Der Barock ist als üppige und gehaltvolle Epoche bekannt, in der Pathos und Emotion in besonderer Schwere zu tragen kommen.

Die Oper ist in Szenen eingeteilt. So ist eine Hypothese, dass die 38-2 auf die zweite Szene aus der Berenice deutet. Denn daraus entwickelt sich ein äußerst tiefsinniges Spiel aus Ironien und doppelten Bedeutungen. Die Szene 2 ist bekannt als „Vedi l’ape ch’ingegnosa“, und sie hat folgenden Text:

Beobachte die schlaue Biene/ die von Blume zu Blume fliegt/ und sich niederlässt wo sie den meisten Nektar findet. Sie bleibt nicht stehen/ um jede Blume zu betrachten/ einfach weil sie schön ist.

Das interpretiere ich in der Art, dass es hier darum ging, die geschmacklich hochwertigsten Fässer zu wählen. Nicht die, die die beste Farbe geben. 

Jetzt kann man dieser Referenz auf die zweite Szene durchaus ironisch verstehen, denn die Abfüllung ist jetzt nicht gerade blass, sondern hat eine wunderbare, statte, ja fast goldene Farbe. 

Hier kommt Yves Klein ins Spiel. Yves Klein war ein Avantgarde-Künstler, der durch seine Monochromien bekannt wurde. Besonders erwähnenswert sind hierbei die Werke in Blau, wofür sich Klein einen eigenen Farbton hat patentieren lassen, das International Klein Blue (IKB). Doch auch andere Farben spielten bei Klein eine Rolle. Für uns soll das Gold nun in den Fokus rücken.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Aspekte besonders betonen. Einerseits den Aspekt der Farbe an sich. In Kleins Werken hat Farbe Wirkung. Andererseits geht es Klein um das Material an sich. Er stellt mit seinem Werk nichts anderes dar, als das was das Mittel selbst ist. 

Ist es nicht höchst ironisch einer Aussage gegen die reine oberflächliche Betrachtung des Whisky (Farbe) ein Kunstwerk entgegenzusetzen, dass offensichtlich ein einer Tradition der Farbkunst steht? Naja, der Whisky hat ja zwei Fassreifungen duchlaufen. Eine für Basis und Farbe, eine für Geschmack. Die naheliegende Idee wäre, dass Händel sich auf das Sauternes bezieht, Yves Klein auf das Bourbonfass. Eine ähnliche Idee finden wir nächste Woche bei der "Eroica".

Aber wie schmeckt der 382er nun überhaupt? Kommen wir zu meinen Tastingnotes. Meine Erwartungshaltung bei einem 21yo Laddie ist natürlich enorm hoch. Ich erwartete aus dem Fass deutliche Süße. Eiche. Und die tyischen Laddie-Noten.

Auge: Der Malt glitzert wie frisch mit Lohfarben gebeiztes Eichenholz in der Sommersonne. Ich schwenke mein Nosingglas und der Malt klebt dickflüssig darin. Nur sehr langsam fließt alles. Deutet auf klasse Konsistenz hin.

Nase: Volltreffer! Das ist der Whiskyhimmel. Ein mittelschwerer bis schwerer Auftakt. Kräftig, tiefe Frucht mit Fokus auf Mandarine, Orange und vielleicht etwas Limette. Kontrapunktiert wird das alles durch eine Grundierung aus Malz- und Eichennoten, die aber erst mit der Zeit zum Vorschein kommt. Insgesamt entwickelt sich der Whisky zu dunkleren Noten hin. Aus der Zitrusfrucht werden Waldbeeren mit viel Honig. Aus der Ferne weht mit einer Seebrise der Qualm von brennendem Kirschholz in die Nase. Traumhaft.

Mund: Starker Antritt mit süßem Wein. Dann wird der Whisky aber trockener, gar bis eine Nuance ins salzige hinein. Wirklich ölige Textur auf der Zunge. Lädt zum Spiel ein. Malz am Gaumen. Wenn ich atme, dann kommen dunkle, fruchtigere Noten auf den Plan. Der Duft von im Bruyere glimmenden Virginia-Perique-Tabak.

Herz: Süße am Gaumen beim Schlucken. Geht mit viel wärme runter. Bitter-süße Eiche bleibt in der Nase. Gar etwas Bourbonvanille. Ein eher trockenes Gefühl breitet sich im Mund aus und offenbart würzigen Pfeffer.

Fazit: Nahe an der Perfektion. Ich kann nix an diesem Whisky bemängeln. Man kann nichts verbessern. Maximale Ekstase. Ein gelungenes Gesamtkunstwerk, dass in seiner Konposition weit über die üblichen Kunst+Whisky-Projekte hinausgeht.

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