Glendronach 18yo "Allardice"

Letzte Woche schrieb ich über den acht Jahre alten Glendronach und warum ich den besser finde als den zwölf Jahre alten. Heute möchte ich eine Lanze für den 18 Jahre alten gegen den 21 Jahre alten brechen.

Versteht mich nicht falsch, heute spielen wir auf extrem hohen Niveau. Der 21er war lange Zeit der beste Whisky den ich trinken durfte. Er ist eine Wucht. In jeder Hinsicht. Erst mit der Zeit wurden mir Nuancen bewusst, die mich haben mein Urteil ändern lassen. Was nicht bedeutet, dass ich den 21er jetzt blöd finde. Nein, er ist immer noch für mich ein 95+/100 Punkte Whisky. Wird der auch bleiben. Bei der Wahl, würde ich aktuell aber eher zum 18er greifen. Bevor ich aber erkläre warum, hier eine kleine Fasskunde.

Glendronach reift überwiegend in Sherryfässern. Es gibt unzählige Arten von Sherry, wir fokussieren uns heute auf zwei Arten. PX und Oloroso. PX ist ein üppiger, süßer Sherry. Oloroso ist weniger süß, hat mehr Körper und ist deutlich samtiger. Das liegt an den Unterschieden im Ausbau. Ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es stellt sich so dar, dass beim Sherry Glycerin entsteht. Beim PX zersetzt Hefe das Glycerin, was für die samtig-cremige Textur verantwortlich ist.Wohingegen beim Oloroso das Glycerin im Sherry bleibt. Für den Whisky bedeutet das nun, dass bei frischen Fässern der Whisky viele Eigenschaften des Sherry übernimmt, also bei PX richtig satt und süß wird. Bei Oloroso cremiger, aber nur etwas süß. Beides ist aber Sherry und bringt dementsprechend auch die üblichen, fruchtig-nussigen Sherrynoten mit.

Der clevere Whiskytrinker mag sich nun denken: Why not both? Also PX und Oloroso? Ja, macht in vielen Fällen Sinn. Doch nicht in allen .Manchmal ist weniger mehr. Wie beim Glendronach 18.


Als ich den 18er das erste Mal im Glas hatte, habe ich eine krasse Sherrybombe erwartet. Das hat sich erfüllt, ja wurde sogar übertroffen. Aber hier die Notes:


Auge: Das hier ist kein Dark Sherry, der ja aktuell so hip ist. Eine natürliche, durchaus dunkle Note, verwitterter Bernstern. Der wird ja durch UV-Licht dunkler. Dabei sehr ölig im Glas.
Nase: Ich muss an einen etwas gereiften Virginia-Perqiue Tabak denken. Trockenfrüchte. Datteln, Feigen. Rosinen! Fein süßliches Aroma. Ausbalanciert durch Eichenwürze. Später wird alles geschmeidiger. Ich nehme dicken Ahornsirup war. Malzig. Schokolade. Gewürze. Ganz klar Zimt. Unterlegt von einer leichten Nussigkeit.
Mund: Cremig, cremig, cremig. Den will man gar nicht schlucken. Ist da überhaupt Alkohol drin? Merkt man kaum. Da kratzt nichts, da eckt nichts an. Dazu süßlich. Ja fast säuerlich? Aceto Balsamico. Schokoladenrosinen von Milchschokolade. Mit der Zeit würziger, trockener. Eiche wird stärker. 
Herz: Volle Granate Schokolade mit Rosine. Balanciert zwischen Süße und Würze. Eiche. Nüsse. Etwas weißer Pfeffer. Dabei extrem lang und lecker. 
Fazit: Das wird eigentlich jeder mögen. Das ist einfach lecker. Ich finde, dass beim 21er der PX  viel überdeckt und alles in sehr süßen und dicken Sirup packt. Der 18er ist mehrdimensionaler. Da geht in viele Richtungen was. Wenn man jemanden mal zeigen will wie Sherryreifung geht, ohne dass der Whisky eine radikale Sherrybombe wird, dann ist das hier das Paradebeispiel. Für mich nahezu perfekt.

Mehr Infos findet Ihr hier: https://www.whiskybase.com/whiskies/whisky/119132/glendronach-18-year-old-allardice

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