Tak "Der Neue"

Einen Tabak gut zu aromatisieren, dass ist eine hohe Kunst. In Deutschland kennen wir da Tag und Nacht. Einereits kennen wir Tabake aus deutscher Produktion, die so chemisch überladen sind, dass man außer künstlichen Aromastoffen und Zucker nichts mehr schmeckt. In der Regel führt das dann zu Zungenbiss, weil der zugefügte Zucker beim verbrennen in Säure umgesetzt wird. Und es führt dazu, dass die Pfeife sottert, da die Aromatisierung zusätzliche Feuchtigkeit in den Tabak bringt. Zuletzt sind die Tabake einfach schwierig zu rauchen, da der Tabak heißer wird. Was wiederum an der Feuchtigkeit liegt, denn ein feuchter Tabak braucht höhere Temperaturen zum verbrennen, als ein trockener Tabak.

Es gibt aber auf der anderen Seite auch Tabakmischer in Deutschland, die es schaffen Tabake so zu aromatisieren, dass daraus harmonische Kompositionen entstehen. 


Einer davon ist Thomas Darasz aus Kiel. Einer der wohl gehyeptesten Tabakmacher in der deutschen Pfeifenszene. Und mit was? Mit Recht!

Ich gehe davon aus, dass den meisten Lesern der Tabak aus Kiel geläufig ist. Sollte jedoch jemand hier sein, dem dieser Name nichts sagt, hier ein kleiner Abriss: Thomas Darasz ist Inhaber des Pfeifen und Zigarrendepot Herbert Motzek in Kiel. Herbert Motzek war der vorherige Inhaber, Darasz hat diesen Laden übernommen und kreiert dort seitdem feine Tabake. Sein vorgehen ist absolut handwerklich. In seiner Tabakküche komponiert er neue Blends und Mixtures aber auch Flakes, Plugs und Twists, was für den deutschen Markt lange als unmöglich galt. Aber wie es halt so ist: Da kam einer, der das nicht wusste und hat's einfach gemacht.

Der erste Tabak, den Darasz nach der übernahme herausgebracht hat, das war "Der Neue". Dabei handelt es sich um eine ziemlich wilde Komposition aus Curlys, welche hellen und dunklen Virginia enthalten. Dazu kommt Burley und Flakestückchen vom Perique. Klingt nicht nur recht wild, sieht auch so aus. Ein Abenteuerspielplatz der verschiendenen Farben und Schnittarten. Dazu kommt eine subtile Aromatisierung von Honig. 

An dieser Stelle mag ich einen Einwurf in Richtig mancher Pfeifenblogger richten, die den Tabak aus Kiel arg verrissen haben. Einer der Gründe waren die Beutel, einfache Zipperbags, in denen der Tabak kommt. Für manche wird es aus ästhetischen Gründen notwendig sein, dass der Tabak in einem Pouch oder einer fancy Dose kommt. Für mich nicht. Es ist mir ehrlich gesagt völlig egal. Ob es eine Messingdose mit weißen Sticker wie bei DTM ist. Eine Papierdose mit Plastikdeckel wie bei HU. Oder ein Zipper wie bei TaK. Mich interessiert der Inhalt. 

Ok. Aber eine Sache noch. Wer Hocharomaten mag, der ist hier falsch. Der Tabak ist in erster Linie eines: Ein Tabak. Das schmeckt man auch. Der helle Virginia liefert ab und an eine heuig-zitrische Note. Der dunkle Virginia kommt leicht fruchtig, vor allem aber e
rdig, kräftig und ehrlich daher. Der enthaltene Burley macht sich rar und nur selten tritt die kernige Nussigkeit in den Vordergrund. Anders beim Perique. Dieser taucht häufiger in voller Pracht auf,  schillernd zwischen pikanter Pfeffrigkeit und tiefer, dunkler Frucht. Hier gibt es extrem viel zu entdecken.


Über dem Tabak schwebt eine Honignote, die mich entfernt an das Mac Baren Hausaroma erinnert. Diese baut sich zu Rauchbeginn auf und hält bis zum letzten drittel in ihrer Intensität durch. Sehr konstant, sehr harmonisch und stimmig. Wenn der Tabak etwas abgehangen ist, legt sich das Aroma mehr in den Hintergrund und lässt den Grundtabaken mehr Raum. Was ich gar nicht verkehrt finde.


Was mich nach den ersten Rauchgängen verwundert hat ist die doch prägnante Süße. Mir wurde immer gesagt, dass TaK (Tabak aus Kiel) sehr würzig und trocken ist. Was ich bei anderen Tabaken bestätigen kann. Dieser aber ist sehr süß, ja fast SG FVF süß. Für einige sicher zu süß.



Die Mundhaptik ist mild. Kein Biss, keine Zickigkeit. Was mich daran glauben lässt, dass ein großer Teil der Süße aus dem natürlich Tabak kommt. Nur mittlere Textur. Damit kann ich leben, denn es gibt für volle, samtig-cremige Tabake genug Alternativen bei TaK.

Mir kommt das Bild "Der Gartenweg" von Claude Monet in den Sinn. Warm. Kontrastreich. Der Honigduft süßer Blüten. Erdige Würze.

Ein echter Allrounder, der morgens und abends in der Pfeife geht. Für Freunde der Mixture oder des Navy Flake aus dem Hause Mac Baren unbedingt geeignet. Man mag sagen, dass Der Neue der Tabak ist, der die Mixture wenn sie groß ist sein will. Mit einem Augenzwinkern natürlich. Auch für Freunde süßer VaPers wird dieser Tabak eine spannende Erfahrung sein. Aber besonders gut wird der Tabak als Begleiter zu den kräftigen Whiskys aus dem Hause Glen Garioch gefallen, die mit nur wenig Süße aufwarten und so einen geschmacklichen Kontrast bilden. Wobei sich die Aromen wunderbar ergänzen. Den Glen Garioch 12 kann ich besonders empfehlen. 

Kommentare

Beliebte Posts