Glen Garioch 15

Zuerst möchte ich euch drauf hinweisen, dass die Reihenfolge der Malts in diesem Monat keine geeignete Reihenfolge für ein Tasting ist. Ich verkoste heute den Glen Garioch 15, nächste Woche 12, dann Renaissance 1st Chapter. Wenn Ihr nachtesten wollte dann: 12, Renaissance. 15.

In den letzten Monaten habe ich einige Reviews über den 15er gelesen. Es scheint ein kleiner Hype um diese Abfüllung aufgekommen zu sein, vermutlich weil das Gerücht aufgekommen ist, dass diese vom Markt genommen werden soll.  Dazu habe ich eine Anfrage an die Brennerei gestellt, die Antwort bekommt ihr später.  

Persönlich war der Glen Garioch (ausgesprochen "Glen Geery") 15 Sherry für mich eine Offenbarung. Mindestens an einem Abend, das war der 11.10.2018, beim letztjährigen Distel-Revival-Treffen im Ebertbad, Oberhausen. Wo ich nach schon einigen deftigen Drams nach etwas suchte, was ich noch schmecken kann. Die quasi-fassstarken 53,7 % mit einer Sherryfassreifung erschienen mir da genau richtig. Waren die dann auch. Der intensive Sherrycharakter des Malts macht auch später in einer Reihe noch was her. An dem Abend war mir klar: Diesen Whisky musst du dir genauer ansehen.

Gesagt, getan. Da fangen die Probleme an. Es sind sehr unterschiedliche Informationen zu diesem Whisky im Umlauf. Ist es eine Fassstärke? Manche Quallen sagen ja, andere nein. Die Flasche sagt nix dazu. Oder die Frage, ob der Whisky mit Farbstoff ist. Viele Shops sagen ja, die Base sagt nein.

Also habe ich kurzum den Hersteller gefragt und eine aufschlussreiche Email von Jacqui Mitchell bekommen. Ihres Zeichens "Consumer Care Co-Coordinator" bei Beam Suntory. Sie schrieb mir drei Sachen. Erstens, dass zwar manche Ihrer Produkte bei Glen Garioch Farbstoff enthalten, der 15er Sherry Cask aber nicht. Zweitens, dass diese Abfüllung tatsächlich in Fassstärke ist. Und drittens, was für viele wohl am spannensten ist, dass der 15er nicht eingestellt wird. Jedoch in der EU nicht mehr in den stationären handel kommt, wohl aber über die Amazonseite von Glen Garioch zu erwerben bleibt. Es freut mich sehr, dass es noch solchen Service auch bei Großkonzernen gibt. Dafür Daumen hoch.



Name: Glen Garioch 15
Kategorie: Single Malt Scotch Whisky
Destillerie: Glen Garioch
Region: Highlands, Schottland
Abfüller: OA
Alter: 15 Jahre

Fasstyp: Sherry
Alkoholgehalt: 53,7 %
Farbstoff: Nein
Fitlerung: Nein

Auge: Als erstes die Farbe. Zwischen hellem Bernstein und poliertem Kirschholz. Goldenes Herbstlaub kommt mir in den Sinn oder kräftiger Kramellsirup. Behäbig im Glas mit einer feinen Öligkeit.

Nase: Eine Diva. Zuerst schüchtern versteckt sie sich um dann ihre volle Ladung Sherry zu offenbaren. Die Sherrynoten sind ausgewogen fruchtig mit der Tendenz zu klassischen Trockenobstnoten. Nicht zu nussig, nicht zu orangig. Nach kurzer Zeit gesellen sich Leder, Gewürze und Eiche dazu, die einen herben Kontrapunkt zum Sherry bilden. Dahinter ein sublime Floralität, wie ein versteckter Rosenstrauch. Nur einen Hauch zitrischer. Doch die sind schnell wieder überdeckt von Karamell. Später angebranntes Sauerteigbrot, was in seltenen Momenten doch sehr schwefelig ist.

Mund: Diese Textur, einfach atemberaubend. Man kann ja sagen, was man will. Aber hoher Alkoholgehalt ist für die Textur pures Gold. Das merkt man hier besonders gut. Reichhaltig und cremig bedeckt der Glen Garioch Mund und Zunge. Dabei wärmt er ohne den anfänglich kühlenden Effekt vieler Fassstärken. Allgemein ist der Alkohol gut eingebunden. Viele Reviews sprechen dem Whisky eine ausgeprägte Süße zu. Das kann ich nicht bestätigen. Geschmacklich eher würzig bis herb, später sogar eine Nuance salzig. Ich atme und rieche Malz. Der Sherry ist im Mund deutlich nussiger. Auch die Brotnoten sind wieder da.

Herz: Lieblicher Nachklang mit Milchschokolade, die langsam dunkler wird. Ja, sogar bis in die Noten eines kräftigen Kaffee hinein läuft. Etwas Malzsüße am Gaumen ist da. Intensiv lungert der Malt in der Nase, mit Sherrynoten und in Schokolade eingehüllte Datteln.

Fazit: Ein sehr sherrylastiger Whisky mit mittlerem Körper. Nicht so sirupartig schwer, wie zum Beispiel der Glendronach 18, aber schwerer als Glenfarclas 15. Schon als Sherrybombe einstufbar, aber dabei nicht so einseitig, sondern mit herben Kontrapunkt. Manko ist der Schwefel, auch wenn einige behaupten, dass die darauf stehen, so muss man einfach sagen: Schwefel ist eine Fehlnote. Hier gerade noch passabel. Insgesamt guter Whisky, gerade zur Pfeife.

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