Glen Garioch 12

Älterer Whisky ist immer besser. Das ist ein Statement, was viele Whiskytrinker pauschal so unterschreiben würden. Aber es ist falsch. Beim Whisky kommt es auf eine Vielzahl von Faktoren an. Alter macht vor allem drei Dinge mit einem Whisky: mit dem Alter kommen Eichennoten. Der Alkohol nimmt in der Regel ab und wird runder. Und der Whisky wird teurer.

Wer sich erinnert, der wird wissen, dass ich letztes Jahr einen Bunna aus dem Sherry Octave (25 l) probieren durfte, der solide 3 (DREI) Jahre auf dem Buckel hatte. Und dennoch massiv geil war. Nichtsdestoweniger sagt man, dass ein Whisky erst nach 12 Jahren reif ist. Was vor allem der Fassgröße geschuldet ist. In kleineren Fässern reift der Whisky schneller. In größeren langsamer. Die meisten Malts sind in Butts (500 l),  Hogsheads (250 l) oder Quater Casks (125 l) gereift. Was im Vergleich zum Octave relativ große Fässer sind. Darauf beziehen sich die 12 Jahre.

Und diese Zeit sollte man dem Tropfen auch geben. Auch wenn diverse Menschen schon behauptet haben durch technische Verfahren die Reifung der Whisky beschleunigen zu können, so muss man zugeben, dass die Maturität eines langsam gereiften Whisky unübertroffen ist.

Aber ich schweife ab, kommen wir zum heutigen Whisky. Ich bin noch immer bei Glen Garioch und verkoste heute den 12 Jahre alten Malt aus diesem Hause. Als ich mir vorgenommen habe, mich den Malts von Glen Garioch zu widmen, war der 15er Sherry gesetzt. Ich musste mir dann überlegen, welche Abfüllungen ich noch probieren wollte. Öfter konnte man lesen, dass die Gariochs überwiegend in ex-Bourbonfässern gereift werden. Der 15er Sherry bilde da eine Ausnahme, als reine Sherryreifung. Da ich aber durch den 15er auf die Sherryreifungen fixiert war, mussten als logische Konsequenz auch Sherryreifungen her. Da vielen mir sofort der 12er und die Renaissance-Reihe ins Auge.

Sprechen wir also über den Glen Garioch 12. Meine Blaupause ist der 15er. Was erwarte ich? Wir haben einen double cask. Ex-Bourbon und ex-Sherry. Von daher erwarte ich neben dem kräftigen Sherry die typische Vanillenote. Der Malt ist mit etwas weniger Alkoholvolumen abgefüllt. Ich kann mir vorstellen, dass er von daher auch milder ist. Wir werden sehen.


Name: Glen Garioch 12
Kategorie: Single Malt Scotch Whisky
Destillerie: Glen Garioch
Region: Highlands, Schottland
Abfüller: OA
Alter: 12 Jahre

Fasstyp: ex-Bourbon + ex-Sherry
Alkoholgehalt: 48%
Farbstoff: Ja
Fitlerung: Nein

Auge: Der 12er ist etwas heller als der 15er. Vor allem scheint der Rotstich zu fehlen. Mich erinnert die Farbe an getrocknete Orangenschalen mit Nuancen von Bernstein. Was mich wundert ist, dass die Viskosität im Vergleich zum 15er sehr ähnlich ist, obwohl des geringeren Alkoholgehaltes.

Nase: Zugänglicher als der 15er. Und direkt mit der vollen Breitseite Sherry! Es kommt mir so vor, als wenn hier eine Bourbonfassreifung im Sherryfass gefinisht wurde. Denn die Intensität und Wucht steht dem 15er in nichts nach. Aber schnell kommen andere Noten dazu. Malz, Schokolade. Auch hier die herben, würzigen Untertöne. Zimt, Pecannüsse. Nach einer Weile gesellt sich eine überreife Banane hinzu, die sich langsam Richtung hellen Tabaks bewegt. Mit etwas Mühe bekomme ich noch holzige Noten heraus und frische Gartenkräuter.

Mund: Erster Eindruck bestätigt sich. Ölige Textur. Nicht so wärmend und deutlich herber als der 15er. Dabei trotzdem mit einer sublimen Süße versehen. Mich überrascht wie kantig und präsent der Alkohol hier ist. Nicht, das es mich stören würde. Aber mit 48% fragt man sich, woher das kommt. Der 15er war deutlich besser eingebunden. Beim atmen bekomme ich dunkle Früchte vom Sherry und Vanille vom Bourbon.

Herz: Hier wird es richtig spannend. Im Abgang wird der Malt noch mal richtig würzig, was in einem gar pikanten Nachklang mündet. Erinnert mich an den Talisker Chilli-Catch. Retronasal gesellen sich dann Sherrynoten dazu, was einen schönen Kontrast von Frucht und Würze schafft und in harmonischen Bergamottearomen mündet. Eingerahmt von Eichen- und Ledernoten. Mittellang begleitet mich dieses Aroma und ist erst nach einigen Sekunden vergangen.

Fazit: Mein zweiter Glen Garioch hat einen Nachteil gegenüber dem 15er Sherry. Der Alkohol ist zu kantig. Der Körper zu wuchtig. Wenn der Malt 55% hätte, dann würde ich sagen, dass es gerechtfertigt. Aber bei 48% ist das schon fragwürdig. Das war's auch schon mit den Nachteilen. Der Rest ist wunderbar. Der Sherry ist sehr intensiv und wird gut kontrapunktiert, mit der Hintergründen Vanilligkeit des Bourbonfasses (Refill?). Die Schwefelnoten sind quasi nicht vorhanden. Das freut mich sehr. Die Aromen sind fein komponiert und im Gesamtbild stimmig. Ein absolut gelungener Whisky, der mir deutlich besser gefällt als der 15er. 

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