Three Nuns Green


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Der Briefträger bringt ein Paket vom Pfeifen-Shop-Online.  Ich lasse alles stehen und reiße es auf. Vor mir liegt eine Dose Three Nuns Green. Stille. Mein Taschenmesser fährt in den Schlitz der Messinghaut an der Dosenseite und ich höre das Vakuum sich vollsaugen. Hastig wird der Deckel aufgedreht. Sofort rieche ich Heu, Früchte, brennende Autoreifen. Ich falte die Papierrosette bei Seite und hebe sachte den Pappdeckel vom Tabak. Einen Moment halte ich inne. Atme tief ein und genieße. Dieser Duft. Ein gar spiritueller Moment.

Heute werde ich den neuen Three Nuns Grün für euch verkosten. Der Tabak kommt erst 2019 auf den Markt, ich habe aber ein exklusives Sample vom Pfeifen-Shop-Online bekommen. Viele werden schon heiß drauf warten, denn an die grünen Nonnen sind hohe Erwartungen geknüpft. Ich versuche es mal zu erklären.

Three Nuns ist einer der legendärsten Pfeifentabake überhaupt. Polarisierend, einzigartig und mit langer Geschichte. Eine lange Geschichte, die an vielen Stellen schon erzählt wurde. Deshalb werde ich heute nicht darauf eingehen. Nichtsdestoweniger brauche ein Stück davon, damit ihr die symbolische Kraft dieses Tabaks verstehen könnt.

Dieser Teil der Geschichte beginnt 1991, als die Marke Three Nuns von Orlik gekauft wird. Der Orlik Three Nuns wird vielen Pfeifenrauchern noch bekannt sein. Damals eine Curly aus Virginia und Perique. Bis 2013. Da holte sich Mac Baren die Produktion von Three Nuns. Für viele Pfeifenfreunde endete die Geschichte der drei Nonnen hier, weil angeblich aus dem Virginia-Perique-Curly ein Virginia-Kentucky-Curly wurde.  Was nicht ganz genau stimmt. Das Pipes Magazine hat tiefergehende Recherchen angestellt und herausgefunden, dass der Three Nuns schon vor 2013 KEINEN PERQIUE mehr enthalten hat. Es ist aber egal, denn am Ende wurde Mac Baren der Schwarze Peter zugeschoben.

Wir gehen ins Jahr 2017, viel hat sich getan. Social Media boomt. Per Georg Jensen, seines Zeichens Product Manager bei Mac Baren postet auf Instagram ein Bild aus der Tabakproduktion. Ein neue Three Nuns. Darauf ein Sack mit der Aufschrift „Perique”. Das sorgte für erste kleine Wellen der Schnappatmung. Interessante Randbemerkung – auf die Frage, warum MB nicht einfach die „originalen Three Nuns“ machen würde schrieb Jensen : „No, it would be impossible to re-do the original recipe.“ 

Wir springen in den September 2018. Auf der Intertabac in Dortmund stellt Per Georg Jensen die „neuen“ Three Nuns vor. Three Nuns Yellow, ein Virginia Curly. Und Three Nuns Green, ein Virginia-Kentucky-Perique Curly. Jensen kommentiert die neuen Tabake: „Ich hatte die Überlegung: Soll ich das tun? Oder soll ich es lassen? Dann habe ich gedacht, naja, wenn ich auf meine letzten Tage in diesem Leben dastehe und sage: Warum hast du das nicht getan?“ Was er damit meint, so interpretiere ich es, ist den Perique zurück zu holen. Ein befreundeter Blogger (dem ich habe eine Probe zukommen lassen) reagierte darauf mit den Worten: "Das war so naheliegend, daß ich mich fast zehn Jahre lang darüber geärgert habe: Mac Baren hat Zugang zu gutem Perique und Curly-Rollgeräte. Warum nicht viel eher...".

Zurück ins heute. Mittlerweile habe ich den Tabak in die Pfeife gestopft. Dabei überlegte ich, was ich eigentlich erwarte. Naja, ein dem „Original“ oder der 91er-Version nahe kommenden Tabak kann ich nicht erwarten. Dafür fehlen mir die Vergleichswerte. Ich erwarte Virginianoten mit der typischen Süße. Ich erwarte fruchtigen Perique und guten, rauchigen Pfeffer vom Kentucky. Sonst bin ich völlig unbeleckt.

Aus der Dose kann der Tabak direkt verarbeitet werden. Etwas Trocknung schadet dem Tabak aber nicht, im Gegenteil. Ich würde euch raten den ruhig für paar Tage oder Wochen in der Dose zu lassen. Die Curlys lassen magnigfaltige Experimete beim Stopfen zu, da kann man einfach probieren, wie es einem passt. Ich habe den Tabak am Ende einfach aufgerieben und manchmal einen markanten, besonders dunklen Curly zwischendurch eingebaut.

Unter Feuer habe ich den Tabak am liebsten mit Zündhölzern genommen. Da haben sich meiner Meinung nach die Aromen ideal entfalten können. Wenn er einmal glimmt, dann ist die Handhabung (gerade aufgerieben) super angenehm, fast ein Selbstläufer.


Im ersten Drittel, gerade beim anrauchen, dominiert der Virginia mit seinen sehr heuigen Noten. Man braucht einige Züge bis eine dezente Süße ins Spiel kommt. Der Rauch ist von beginn an schön samtig und cremig. Und nach einigen Zügen stellen sich bei mir Malznoten ein, die sich auch durch den Rauchverlauf ziehen.

Spätestens ab dem zweiten Drittel passiert etwas. Einer der beiden Würztabake kommt dazu. Der Perique liefert eine regelrechte Geschmacksexplosion. Plötzlich taucht aus dem Nichts eine tiefe, satte und dunkle Fruchtigkeit auf. Kandierte Feigen. Datteln. Die dezente Süße bleibt tapfer im Hintergrund. Jetzt nur nicht zu hastig paffen, weil das Nikotin ordentlich Dampf macht. Der Qualm ist samtig ohne den Mund auszutrocknen.

Ab der Mitte kommt der Kentucky dazu und dann sind die drei Tabake ein Genussakkord. Die Würze des Kentucky mit der Frucht des Perique erinnern mich an Feigenchutney. Kontrastiert von einem helleren Aroma. Ich meine eine Apfelnote wahrzunehmen. Roter Apfel in würzigem Waldhonig eingelegt.

An anderen Tagen ist der Kentucky deutlich dominanter. Dann ist der Tabak sehr pfeffrig, nahezu zigarrig. Die eh schon geringe Eigensüße wird dann völlig verdrängt und frischer, schwarzer Pfeffer gibt den Ton an. Der Perique summt nur leicht aus dem Hintergrund eine Melodie von Honigtagen.

Der Tabak lässt sich bis auf die Knochen runterrauchen und liefert bis Ende ab. Keinen Moment denke ich ans räumen der Pfeifen, im Gegenteil. Ich bin eher traurig, als ich merke, dass der Kopf sich zum Ende neigt. Was bleibt zu sagen? Stark ist er. Schon nach den ersten Zügen merke ich das Nikotin, nicht erdrückend, aber präsent.

Ein runder, satter und tiefer Tabak. Schon ab der ersten Füllung fand ich ihn ganz groß. Mit jeder weiteren Füllung wurde er besser. Da ist meiner Meinung nach was ganz feines gelungen. 

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