Distel-Revival-Treffen


Sehr tolle Location.
www.ebertbad.de
Das mit den sozialen Medien ist ja so eine Sache. Einerseits lernt man schnell viele neue Leute kennen. Gerade bei Menschen mit sehr speziellen Interessen, also bei Nerds wie mir, ist das sehr cool auf Gleichgesinnte zu treffen. Aber am Ende sind es doch nur Bildchen mit Text. Umso schöner, wenn Sich diese digitale Vernetzung auch mal im echten Leben spiegelt.

Ein Meilenstein der deutschen Whiskyszene ist auf jeden Fall der Distel-Revival-Treffen. Ich habe schon öfter darüber in Tastings geschrieben. Was ist das DRT? Das DRT ist eine Zusammenkunft von Malt Heads aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ca. 140 Verrückte, die zusammen mittlerweile zum achten Mal ihr Hobby frönen.

Imstagram
@Ninipummeluff
@Turbohennes
Angefangen hat alles vor einigen Jahren als kleines Treffen in der Oberhausener Whisky-Kneipe „Distel“. Wo zuerst nur einige Hand voll Leute einen coolen Abend verbracht haben, sammelten sich kurze Zeit später schon an die 50 Menschen. Und 2014 waren es dann schon knapp 100. Das war auch das Jahr, wo ich das erste Mal dabei war. Und auch das Jahr, wo das DRT den Status des inoffiziellen Gruppentreffens der Facebook-Gruppe „Whisky.de – Der Treffpunkt feiner Geister“ hat.

Kleiner Exkurs. Auch wenn diese Gruppe den Namen des wohl bekanntesten deutschen Whiskyshops trägt, und auch wenn dessen Inhaber Horst Lüning bei uns Ehrenadmin ist, so funktioniert diese Gruppe vom Shop unabhängig. Warum die Gruppe so heißt, darauf kann ich wann anders noch eingehen.

Zurück zum Treffen. Nachdem die Distel 2014 dann leider die Schotten dicht gemacht hat, wurde das Treffen in eine andere Location verlegt. Zuerst das K14, dann das Zentrum Altenberg. Und heute im Ebertbad. Ich war seit 2014 dabei, hatte aber 2017 eine Pause. Nach und nach entwickelte sich das Treffen zu einem Event, ja fast zu einer Art „Festival“. Was will ich damit sagen?

Die 2felllosen sorgen für handgemachte Musik
www.die2fellosen.de
Weil viele Menschen sehr weite Wege zurücklegen um an dem Treffen teilzunehmen, werden dementsprechend Hotels belegt. In diesen Hotels haben sich Unterevents etabliert. Sodass es um das eigentliche Treffen herum zig kleine Gatherings gibt, wo man Whisky, Zigarren und andere Genussmittel in toller Gesellschaft probieren kann. 

Ich nehme an den Nebenevents in der Regel nicht teil. Leider habe ich aktuell dafür nicht genug Zeit. Was sich auch darin niederschlägt, dass ich immer zu spät komme. Also nicht das vulgäre Verspäten. Ich habe immer, ab wann ich komme und komme auch zu der Zeit. Die ist meist nur später als die Startzeit der Veranstaltung. Zum DRT war es 18 Uhr. Ich kam um halb 9. Ist klar, dass ich dann an die richtigen Hype-Flaschen nicht dran komme. Ich glaube zwei Flaschen waren bei meiner Ankunft schon leer.

Ich. Glücklich.
Bevor ich zu den Malts komme, noch was andere. Thema Verpflegung. Auch hier ist das DRT top. Es gibt ein Buffet von der Koenings' Pfeffermühle. Jan Koening ist selbst Malthead und weiß daher, wie man unseresgleichen gut verpflegen kann. Leider kam ich vor lauter Händeschütteln nur dazu eine Portion Hühnergeschnetzeltes zu essen. War aber sehr gut.

Anschließend wurde das richtige Buffet geplündert. Als Einstiegsdram war es überhaupt nicht zu einfach etwas zu finden, dass keine Fassstärke war. Ich habe schon bei der Just Whisky mit CS angefangen und muss sagen, dass man sich dann noch schlecht steigern kann. Fündig wurde ich dann mit einem Auchentoshan 18. Ex-Bourbon. Schön leicht mit floralen Noten, Leder, Karamell und viel Vanille.

Noch beim ersten DRT war ich quasi alleine dort. Ich kannte niemanden. Aber es gibt kein besseres soziales Schmiermittel als Whisky. Gerade unter Nerds. Die Frage: „Und was hast du im Glas?“ wird mit Abstand am meisten gestellt. In der Zeit habe ich aber viele Kontakte geknüpft und kam aus dem Begrüßen kaum raus. Unter anderem war Ralf vom Cottage in Bottrop mit einigen anderen Bottropern am Start. Da war dann mein erster halt. Und dann habe ich auch deren Whisky probiert (es ist eine Bottle-Party, jeder bringt was mit). Der Dalmore King Alexander III. Ein NAS mit 40%, der bei uns für 170€ gehandelt wird. Aber ein Knallermalt. Was für eine Fassauslese: Ex-Bourbon, Oloroso, Madeira, Marsala, Port und Rotwein. Duftet reich an Sherry, aber nicht eindimensional. Dahinter Leder. Viel dunkle Frucht. Vanille. Muskat. Zimt. Ein Whisky zum Eintauchen und sich verlieren.

Das Buffet
Bevor ich mich an die Stärkeren Dinger wagen wollte, musste ich aber noch etwas Leichtes haben und probierte anschließend den Bain’s. Ein Grain-Whisky aus Südafrika. Leider in der Nase nicht so meins. Lösemittel und der typische Grain-Muff. Aber im Mund schöne helle Frucht und viel Vanille. Das hat mir gefallen.

In meinem grauen Tastingbuch habe ich ja eine Liste mit Destillen, die ich noch unbedingt probieren muss. Eine davon war bisher Tomatin. Deshalb war meine nächste Wahl der Tomatin 15 aus dem Moscatel-Fass. Moscatel ist ein Thema, was für mich auf die Agenda kommt, es ist für mich vielleicht sogar das bessere Sherry-Finish als Oloroso und PX. Der Tomatin kommt in der Nase schon sehr süß-würzig daher. Saftige Zitrusnoten. Helle Nüsse. Gewürze. Im Mund sehr geil cremig und süß, aber dann viel würziger werdend. Das ist so geil bei Moscatel.

Zwischenzeitlich habe ich mir meine Vauen Classic mit Three Nuns Gelb angesteckt. Der tolle Virginiatabak hat sich richtig gut in die sherrylastigen Whiskys eingepasst. Zwar gab es die Möglichkeit drinnen zu rauchen, aber ich habe es wegen des guten Wetters bevorzugt draußen zu stehen.

Es hat sich in den letzten Jahren beim DRT eine Eigenart bei mir entwickelt, auf die ich genauer eingehen mag. Ich gebe oft Menschen die gerade zum Whiskybuffet gehen einfach mein Glas mit. Dann kommt immer die Frage: Hast du einen Wunsch? Ich sage immer: Nein. Das mag mir der ein oder andere als Faulheit auslegen, aber da ist System hinter. Die bringen meistens Malts mit, die ich alleine nicht hätte  ausgewählt. Das ist extrem horizonterweiternd.

Mit Ralf vom Cottage.
Immer gut für einen Dram: http://www.cottage-pub.com/
Den nächsten Whisky hat mir Tobias aus Bottrop mitgebracht, der auch regelmäßiger Gast bei den DRTs ist. In meinem Tastingbuch steht Rest and Be Thankful Laddie. Ich meine aber, dass es ein Maltman Laddie war. Hat ca. 50%. Schön leicht mit viel Zitrus und Honig. Einer der Stile von Bruichladdich, die ich mittlerweile sehr schätze.

Sehr lange habe ich mich mit meinem Mitadmin aus der Whisky.de-Gruppe, dem Gerrit unterhalten. Sehr lässiger Typ, der so extrem gute Laune verbreitet. Selten erlebt. Er hat mir den nächsten Dram kredenzt. Die Destille hatte ich auch schon lange im Auge. Aberlour. Es war ein 9yo Sherry Cask von Best Dram. 59%. Der war zu dem Zeitpunkt genau richtig. Intensiv mit dunklen Fruchtnoten aus dem Sherry. Dazu samtige Nüsse. Etwas würziger. Malz und Getreide. Schöne Süße.

Mein System der Neuentdeckungen macht dann Schule und ich sollte die nächsten Drams holen. Ich entschied mich für einen Glen Garioch 15 Sherry Cask. Was sich als Glücksgriff rausstellen sollte. Das Zeug hat mich so geflasht. Mein Highlight des Abends. Viel süß-würziger Sherry mit Milchschokolade. Süß, cremig, traumhaft.
Gute-Laune-Gerrit. Extrem cooler Typ.

Bevor ich dann zu den Peated Malts ging, war noch ein Whisky dran, den ich mir zuvor einige Male am Buffet angeschaut habe. Ein As We Get It aus den Highlands mit unvorstellbaren 66,1%.  Geiler Whisky, der trotz seiner Stärke wenig Wasser braucht. Was ist drin? Egal. Der Whisky ist hier nur  Träger der Fassaromen. Sherry ohne Ende. Vanillepudding, Kaffee.

Bei den Peats fing ich dann mit einem Kilchoman an. Den Vintage 2008 mit 46%. 7 Jahre. Trotz Jugend und leichte dennoch noch volle Aromen. Mineralisch, zitruslastig mit nicht zu dominanten Peat.  Ich bin auf den DRTs immer begeistert von Kilchoman. Wieso probiere ich eigentlich nicht mehr von denen? Man weiß es nicht…

Dann noch einen Laphroaig Cairdeas 2018 aus dem Fino-Fass. Fruchtiger Rauch. Laphi geht am Ende immer noch gut. Etwas Meer. Vanille (ist auch ex-Bourbon drin). Sehr mineralisch und trocken. Lecker.  Der letzte Dram im Ebertbad war dann der Classic of Islay 1958, den ich noch so mitgebracht habe. Gegen halb 1 wurden die letzten Flaschen in einer Auktion versteigert.  Doch wer meint, dass dann Ende war, der liegt falsch.

Jan Koening sorgt immer für 1a Essen.
Checkt es aus www.koenings24.de
Ein Teil der Hardcore-Nerd fuhr ins Hotel Schmachtendorf. Der andere Teils ging ins NH. Ich war mit im NH, weil die Nähe zum Ebertbad und HBF für mich optimal war. Dort hatte ich noch einen Kilchoman und etwas aus einem Blindsample und ich glaube noch einen Laphi. Was aber nicht so wichtig war. Habe lange und gut mit Leuten gequatscht. Bis ich gegen 3 durch größere Mengen Whisky und die Uhrzeit einfach am Ende war. Um 3:15 ging mein Wecker, dass ich mich auf den Weg zum letzten Bus mache. War auch bitter nötig.


Ein mega geiles Event, was für mich ein fester Termin im Kalender ist. Wer 2019 dabei sein will kann ich schon mal den 9.11.2019 eintragen. Auch dann wieder im Ebertbad in Oberhausen.

Info: Der Blog ist nichtkommerziell und alle Links sind von mir aus als Info gesetzt. Alle genannten Produkte sind im Rahmen des Events erworben. Keinerlei Sponsoring oder so.

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