Das Ultimative Laddie Tasting!


Um etwas gut zu erklären sollte man immer einen Schritt vor der eigentlichen Sache anfangen. Deshalb fange ich 2016 an. Denn ein Abend im April 2016 ist Grundlegend für
meine Liebe zu Bruichladdich. An dem Abend war ich auf einem Tasting in Bottroper Cottage. Einer sehr feinen Adresse für die Maltheads unter uns. Das Tasting war für ein breites Publikum, aber doch eigentlich recht tief: Classic Laddie, Laddie Bere Barley, zwei Unabhängige, PC Islay Barley und Octomore 7.3. Die Bandbreite an Aromen, an Experimentierfreudigkeit habe ich direkt ins Herz geschlossen.

Das Leben als Blogger hält manchmal Überraschungen für einen bereit. So wurde ich über diverse Ecken zu einer geschlossenen Laddie-Gruppe in Facebook zugefügt. Ich lasse die mal aus Gründen unbenannt. Die Initiatoren dieser Gruppe haben ein privates Event erstellt, eine Art Gruppen-Treffen, was fußläufig 45 Minuten von mir entfernt war. Und eine Woche nach meinem Geburtstag. Also dachte ich mir: Ein Geschenk von mir für mich.

Nach und nach sickerten die Infos durch, was auf dem Treffen alles passieren wird. Das Menü klang schon mundwässernd.  Vorspeise Tapas. Danach: Steak, Rind und Lamm. Lachspralienen aus dem Smoker. Leckomio. Und am Ende Käseplatte. Wer mich kennt, der weiß, dass ich Käse liebe! Das Whisky-Line Up war geheim. Nur so viel war klar: es würde eine kontrollierte Zufuhr größerer Mengen highend Whisky geben. Meine Vorfreude stieg ins unermessliche.

Aus privaten Gründen auf die ich jetzt nicht weiter eingehen möchte, erschien ich leider zwei Stunden zu spät bei dem Treffen.  Was aber nicht so schlimm war, aber dazu gleich mehr. Zuerst die Location. Von außen eher unscheinbar. Eine Kirche. Ich bin ich so der Experte auf dem Gebiet der Kirchenarchitektur.  Für mich halt eine Kirche. Um genau zu sein eine Kapelle.
Also kam ich alleine an die große Holztür, drücke die Klinke herunter und ein Schwall Licht im typischen Laddie-Türkis prasselt auf mich ein.  Ich befinde mich in einem Vorraum, kleine Tische. Eine Slush-Ice Maschine, vor der zwei Flaschen Rum und eine Flasche The Botanist Gin steht. Eine Glastür trennt mich vom Innenraum der Kapelle. Darin mehrere
Tische, weiße Tischdecken. Behusste Stühle.  Perfekte Location für eine Hochzeit. (In einem gewissen Sinne durchaus ökonomisch, weil hinter dem Raum direkt eine Kirche ist. Aber dazu gleich mehr.)

Durch einen der Veranstalter mit einem Namensschild versehen und auf meinen Platz geleitet. Man hätte drauf kommen können. Es war der letzte freie Stuhl. Etwas außer Atmen orientierte ich mich zunächst. Die Vorspeise waren im Tisch gereichte Tapas. Oliven, Feta, gegrillte Paprika und Auberginen. Pilze. Und das krasse Highlight: Schrimps in Spaghetti gewickelt und dann frittiert. Schon beim Essen konnte man schmecken wie viel Friemelarbeit das gewesen sein muss! Am Tisch gab es Wasser, was mir völlig ausreichte, da ich zuletzt festgestellt hatte, dass Bier und Schnaps mich zügig berauschen. Das wollte ich ja jetzt nicht.

Zur Vorspeise direkt gab es die ersten zwei Drams. Zuerst den Laddie Organic. Obwohl ich den Classic Laddie lange nicht mehr hatte, würde ich behaupten, dass die beiden nahe beieinander sind. Wir haben eine schöne florale Note. Zitrusfrische. Später Karamell. Ich werde nicht zu detailliert zu den Malts werden. Es waren 8 und ich habe genossen und nicht verkostet.

Bzw. zu den Whiskys. Denn der zweite Dram an dem Abend war gar kein Malt! Sondern ein Rye. Ein Bruichladdich Rye. Ja, klingt krass. Ist es auch. Das Zeug kann nicht alt gewesen sein. Im Dezember 2017 hat Laddie eine Pressemitteilung rausgebracht, wo gesagt wurde, dass sie jetzt einen Rye gemacht haben. Extrem jung. Extrem aromatisch. Leder, Würze. Ja auch etwas muff. Alter Sattel. Schwarte. Passte zur Vorspeise nicht ganz so geil. Aber ich hatte Glück, dass schon der Hauptgang fertig war. Diesen gab es in einem Innenhof.  In der Mitte des Innenhofes Stand ein großer Feuerkorb mit Bänken .Außen waren in einem L Tische aufgebaut. Auf einem Holzkohlegrill wurden Steaks vom Lamm und Rind frisch gegrillt. Ein Smoker räucherte
Bild von Malzkopp
Lachspralienen. Auf Grillplatten wurde Gemüse frisch gegrillt. Rosmarin und Knobi lagen in der Luft. Die Steaks waren medium plus, was eigentlich das gängigste ist. Ich will jetzt bei einem Quasi-Buffet nicht erwarten, dass der Garpunkt für jeden einzeln gemacht wird. Das ist unpraktisch. Die Steaks waren saftig und zart. Lamm hat mir ein Stück besser geschmeckt als das Rind. Aber das Highlight waren die Lachspralienen aus dem Smoker. Medaillons vom Lachsfilet, die im heißen Rauch gegart wurden. Der Lachs zerfiel auf der Gabel, sehr delikat. Und die Rauchnote passte hervorragend zum Fischaroma. Und in diesem Kontext hatte der Rye seinen großen Auftritt. Die markanten, für manche sicher auch schon eher strengen Noten fügten sich harmonisch in die Melange aus würzigen Aromen ein. Eigentlich bin ich kein Freund vom Whisky zum Essen. Aber gerade hier hat besonders der Rye sehr davon profitiert.

Keine Atempause, sondern wurden die nächsten Malts serviert. Nach dem markanten Rye gab es jetzt etwas sehr
geschmeidiges. Das Cuvee 382, La Berenice. Es kam ad hoc die Frage auf, was es mit der 382 auf sich hat. Vor Ort konnte es keiner beantworten. Eine Recherche meinerseits hat ergeben, dass die Berenice eine Oper von G. F. Händel ist. Opus 38. Ich vermute, dass es sich um den zweiten Akt handelt, dem dieser Whisky gewidmet ist, da die Oper ein Dreiakter ist, ist der zweite Akt quasi der Höhepunkt. Händel, Komponist des Barock, ist auch ein sehr guter Fixpunkt. Denn gereift ist der Cuvee in Barsac- und Sauternesfässern. Was ihm gerade am Gaumen eine ja fast klebrige, üppige Süße gibt. Etwas, was ich gerne als „barocke Süße“ beschreibe.

Im Folgenden wurde der sicher am heißesten erwartete Whisky des Abends kredenzt. Wir sprechen jetzt vom Yellow Submarine. Der Malt war beim Rauskommen doch ziemlich Hype. Auf der Flasche steht 25yo. Wie uns ein Laddie-naher Referent aber mitteilte, werden es de facto einige Jahre mehr sein. Nachhaltig hat mich die Komplexität und Entwicklung des Submarinen beeindruckt. Zuerst leicht, sehr leicht für einen 25yo, mit Zitrusfrüchten. Später schwere Frucht . Das liegt in der besonderen Zusammensetzung des Malts. 25% sind first-fill Bourbon gereift. Volle 25 Jahre. 75% sind zuerst 15 Jahre in einem refill-Sherryfass und

dann 10 Jahre in einem spanischen Rotweinfass (Tempranillo) gelagert. Davon bräuchte man mal in Ruhe mehrere Darms, ich glaube passend zum Namen kann man hier sehr gut eintauchen. Nachdem der Yellow Submarine verkostet war wurden wir in den Kirchenteil der Location gebeten.
Ich bin ja ein großer Freund sublimer Ironie. Und so konnte ich mir ein nicht so kleines Schmunzeln nicht verkneifen, als wir am Weihmesserbecken den Bruichladdich Black Art 6.1 ausgeschenkt bekommen haben. In der Kirche wurde ein Bruichladdich-Grillfass verlost, für dessen Loskauf ich leider zu spät kam. War aber halb so wild, denn der Black Art hat mich sehr gut darüber hinweggetröstet. Bisher durfte ich zwei Black Arts verkosten und beide haben will nachhaltig
beeindruckt. Die 6.1 hatte eine sehr individuelle, markante Würze im Mund. Sehr trocken. Einmalig. Ich kann gar nicht genau sagen was da jetzt für Fässer im Spiel waren. Dieser Whisky ist aus einem Guss. Perfektion.

Den Abschluss der non-peated Malts machte ich mit einer kleinen Pfeife mit der MacBaren Mixture. Dieser Allday, der sich fast zu meinem Lieblingstabak gemausert hat, der eignet sich meiner Meinung nach für solche Belange sehr gut. Der ist nicht zu kräftig, dass meine Zunge zugekleistert wird. Aber trotzdem intensiv lecker. In der Zwischenzeit hatte man die Möglichkeit per Siebdruckverfahren eigene Laddie-Shirts zu machen.  Meines können geneigte Bewunderer beim Distel-Revival-Treffen ansehen.

Das Tasting ging nun in rauchigen Gefilden weiter. Zunächst der Port Charlotte Islay Barley. Ein stark getorfter Whisky, 6 Jahre alt, aus amerikanischer Weißeiche und Rotweinfässern. Den hatte ich ja schon auf der Just Whisky als der neu rausgekommen ist.  Absolut geiler Whisky mit

süßem, fruchtigen Rauch und einer ganz feinen Salznuance.  Anschließend wurde das Dessert serviert. Brownies und Schokocreme. Ebenfalls dabei eine Käseplatte mit diversen Weich- und Hartkäsen. Ich liebe Käse und habe erstmal herzlich zugegriffen.


Was die Fassauswahl betrifft zeigt Bruichladdich sich gerne von der feinsten Seite. Auch beim nächsten Port Charlotte wieder, denn der MRC:01 ist in edlen Rotweinfässern von Mouton Rothschild gereift. Sogar wenn ich es wollen würde, wenn ich Weinsnobs überhaupt gar nicht so gerne mag, so muss ich
MRC:01 - Krasse Farbe
zugeben, dass diese Fässer ein ganz besonderes Aroma verleihen. Der MCR ist deutlich trockener als der Islay Barley. Dabei deutlich fruchtiger. Kein Whisky zum eben wegtrinken. Ebenfalls zum Eintauchen, zum sich verlieren und Träumen.

Wie es ein Highlight gab, so muss es auch ein Lowlight geben. Aber bitte denkt daran, dass wir hier auf extremst hohem Niveau spielen.  Nichtsdestoweniger war ich herzlich enttäuscht vom Octomore 9.1. Irgendwie nichtssagend. Sehr mild. Ein Tischnachbar sagte deutlich: Langweilig. Mit etwas Liebe, viel Handwärme und einem Tropfen Wasser konnte ich dem 9.1 dann doch ein schönes Aroma entlocken. Aber das hat mich nicht vom Hocker gehauen.

Anders als der letzte Dram des Abends. Und hier hatten wir eine echte Rarität. Einige
Octomore 9.1
werden sicher den Octomore Comus kennen. Neben dem Orpheus sicher einer der legendärsten Mörchen, die es gibt. Nun war der Comus bei der ursprünglichen Abfüllung 5 Jahre in Sauternesfässern gelagert. Man stelle sich bitte vor, was wäre, wenn dieser Whisky 12 Jahre in Sauternesfässern gelagert worden wäre. Ja, ich weiß es jetzt. Denn genau das war die letzte Flasche des Abends. Ein 12 Jahre in Sauternes gelagerter Octomore Comus. Und er war krass. Noch nach so vielen Malts lebhaft und intensiv in der Nase. Ich hatte viel Marzipan, helle Früchte. Im Mund eine deutliche Süße. Zusammen mit dem sehr intensiven, rauchigen Octomore-Noten.  Ein wahrlich krönender Abschluss.
Comus + 6 Jahre CHF (Sauterne Chateau d'Yquem)
Nach einer kleinen Pfeife mit Elduris Asgard machte ich mich gegen 1 Uhr auf den Heimweg, ich hatte ja noch 5 km vor mir. Die Gerüchte besagen, dass die Party noch bis 5 in der Frühe ging. Aber dafür sind meine alten Knochen nicht mehr im Stande.

Für mich ein absolut genialer Genussabend. Essen vom feinsten. Absolute highend Whiskys. Leckere Pfeifchen. Und ich bin am nächsten Morgen frisch um 7 Uhr von meinem Sohn geweckt worden. Lange und gerne werde ich mich an diesen Abend erinnern.

Und das nächste Event steht schon vor der Tür. Am 13.10. bin ich auf dem Distel-Revival-Treffen. Ihr könnt euch schon auf den nächsten Bericht freuen!

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