Tabakreview zum Bulldog Medium Cut

Also ich verfolge hier eine Idee. Vielleicht erinnert Ihr Euch: vor einiger Zeit habe ich Reviews zum Longrow Red Pinot Noir Cask und Käpt'n Brammer Alter Friese geschrieben. Die Idee eines fruchtig-rotweinig gefinishten Malts mit Tabaken floraler Aromatisierung lässt mich nicht mehr los.

Und immer wenn ich es probiere bin ich extrem polarisiert. Einerseits ja, Harmonie in den Aromen. Bezugspunkte. Alles da. Andererseits: Killt das Aroma des Tabaks den Whisky nicht komplett? Verlieren hier nicht beide Seiten?

In den letzten Wochen habe ich euch drei Malts meiner liebsten Kategorie vorgestellt: Peat & Port. Ähnlich wie der Longrow Red haben Portweinlagerungen ein schönes rot-fruchtiges Aroma mit spürbarer Süße. Dazu der phenolische Rauch. Das ist schon eine traumhafte Kombination. Und heute möchte ich euch dazu einen Tabak aus dem Hause DTM vorstellen: den Bulldog Medium Cut.


Was haben wir. Virginia. Kentucky. Homöopathische Mengen Latakia. "Flake Scraps" irischer Tradition. Ok, klingt doch vielversprechend. 

Online bestellt und kurze Zeit später halte ich das messinggoldene Meisterwerk staatlicher Überregulierung in den Händen. Wir wissen ja alle, dass Vater Staat sich um unsere Gesundheit sorgt und deshalb...reden wir nicht drüber...

Dose schnell geöffnet. Und was für ein Duft da rauskommt! Krass. Noch bevor ich das den Tabak abdeckende Papierchen entferne, nehme ich einen extrem fruchtigen Duft war. Erinnert mich an Maraschino-Kirschen. Untermalt von einem Hauch Latakia. Sogar meine Frau hat einen echten "Wow-Effekt": "Der riecht aber lecker!"

Tabakbild passt. Von hell bis dunkel alles da. Was genau die "flake scraps" in dem Tabak sein sollen? Manchmal findet sich ein etwas größerer Brösel. Denkt bitte nicht, dass Ihr einen Ready Rubbed bekommen würdet. 


Die erste Füllung war schon sehr in die Richtung eines Höchstaromaten. Ein intensives Aroma von Beeren und Blüten. Schön "seifig". Wobei die Beeren hier absolut die erste Geige spielen. Waldfrucht. Untermalt von einer spritzigen Säure. Erinnert mich an Stuten mit Waldfruchtmarmelade. Nach der ersten Füllung dachte ich mir: schmeckt gut, aber das ist so ein Individualist, da kannst du nichts zu trinken.

Zum Glück erinnerte ich mich an das Video von Ralligrufti zum M.A. Ready Rubbed. Waldfruchtaroma. Ralf sagte da auch, dass der MARR mit den ersten Füllungen absolut nicht sein Ding gewesen wäre. Aber nach etwas Zeit sei der Tabak richtig gut geworden. Das haben wir auch beim Bulldog. Schon die zweite Füllung ist besser. Mehr Tabakaromen. 


Die Aromatisierung tritt etwas in den Hintergrund. Dazu typische Virginianoten im Zusammenspiel mit dem Kentucky. Heu und Erde. Latakia?  Eher zurückhaltend. Eine lebendige Säure zeichnet den Tabak aus. Kontrastierend die subtile Süße, die eher hintergründig ist.

Ein sehr leckerer Tabak für Freunde fruchtiger Aromaten. Vielschichtig und markant.

Nächste Woche sprechen wir über ein kontroverses Thema: Corn Cob Pfeifen!

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