Deutscher Whisky - Ein Abschlussbericht

So kommt man Projekt zu einem Ende. Ich hoffe die Notes zu den Ausgewählten Malts haben euch gefallen und ihr konntet für euch etwas mitnehmen. Vielleicht kauft Ihr euch auch den ein oder anderen deutschen Malt. Dann vergesst nicht zu erwähnen, wer euch vom Kauf überzeugt hat.

Bevor ich mich den Fragen widme, die ich im Eingangspost vom im März gestellt habe, möchte ich einmal das Projekt aus meiner Perspektive beschreiben, was das alles mit mir gemacht hat.

Whisky lässt einen versnobben. Ist so. Nicht im Sinne davon, dass man durch das Whiskytrinken ein reicher Vollsack wird. Man wird zum Whiskysnob. Man kommt in eine Genussblase, besonders bei Single Malt Scotch Whisky. Denn in der Regel bekommt man echt geile Produkte. Auch NAS-Abfüllungen sind häufig, wenn auch etwas dünn, sehr lecker. Dadurch neigt man zu vergessen, was da eigentlich alles hinter steht.

Das Projekt hat mich einerseits geerdet, dass ich die hervorragende Qualität der meisten Malts, die ich so trinke noch etwas mehr zu schätzen weiß. Andererseits hat es die Malts auch etwas kleiner gemacht. Bzw. meine Whiskywelt vergrößert. Ich habe neue Aromen kennengelernt. Neue Stile. Ich habe auch einiges probiert, was mit nicht geschmeckt hat. Was nicht zwangsläufig schlecht war.

Ich bin ein kompletterer Genießer geworden.

Jetzt zu den drei Kritikpunkten, die ich in Eingangspost formuliert habe:

1. Die Obstler-Kritik
2. Die Preis-Kritik
3. Die Radikal-Kritik

Ist da was dran?

1. Es ist nachvollziehbar, dass Spirituosen aus Brennereien, die mit Equipment für die Produktion von Obstbränden ein anderes Aromenprofil bedienen als schottische Brennereien. Und es gibt da eine Bandbreite von unangenehmen bis zu angenehmen Erzeugnissen. Die Kritik per se als "das ist ja alles nur Gerstler" zu nennen - wo führt das hin? Nirgendwo. Es gibt Anklänge eines eigenen Stils im deutschen Whisky. Aber der ist noch weit davon weg klar definiert zu sein. Geben wir der ganzen Sache noch Zeit. Und nehmen wir an, dass Obstler-Aromen wohl zum deutschen Stil dazu gehören werden. Deutscher Whisky wird kein schottischer Whisky sein. Genau wie amerikanischer Whiskey kein irischer Whiskey sein wird.

Die SWA bemüht sich seit längerem den deutschen Whiskyproduzenten die Verwendung des Präfix "Glen" zu untersagen. Ich plädiere dafür, dass wir den gälischen Einfluss auf die Namensgebung streichen. Warum? Weil es den Vergleich mit den Schotten nahe legt. Das tut dem deutschen Whisky nicht gut. Machen es die Japaner? Nein. Warum auch? Lassen wir den deutchen Whisky doch auch einfach Deutsch sein.


2. Die Preis-Kritik möchte ich aus zwei Perspektiven betrachten. Einerseits stimmt es. Wenn ich ein Genießer bin und ich habe einen 50er in der Tasche. Ich bekomme aus Irland, den USA, Japan und Schottland ziemlich geile Whiskys. Aber ich bekomme kein handwerklich hergestelltes Produke aus kleiner Erzeugung. Wenn man Glenmorangie ist eine jährliche Produktion von 6 Mio Litern - das sind 8,5 Mio Flaschen Glenmorangie - dann habe ich einen geringeren Preis pro Flasche. Eine kleine Brennerei, die nur ein Fass mit 500 Litern produziert, die kann diese Preise nicht aufrufen. Man bezahlt nicht nur das Produkt, man bezahlt die Herstellung. Man bezahlt vielleicht auch ein Stück Heimatverbundenheit. Man bezahlt auf jeden Fall einen Menschen, der mit Herzblut und seinen Händen für das Produkt steht, was er macht. Es gab in der Verkostung eine Whiskys wo ich gesagt habe: der Preis ist gerechtfertigt. Aber bei vielen...naja ich sag es mal so: Wenn ich mit einem 50er in der Tasche im Whiskyshop stehen würde, dann würde meine erste Tendenz sicher nach Schottland gehen. 

3. Die Radikal-Kritik ist dumm. Trotzdem werden deutsche Malts deutlich schlechter Bewertet als schottische. Dabei gibt es hier eine absolut authentische Ader. Malt in denen sich unser Terroir wiederspielt. Ich mag schon wieder einen Glenmorangie als Vergleich heranziehen. Die Abfüllung "Tusail", deren Charakter von der Getreidesorte Maris Otter geprägt wird. Das haben wir auch viel in deutschen Malts. Das Getreide spielt die tonangebende Rolle. Häufig werden auch Weinfässer aus hiesigen Gefilden zur Nachreifung benutzt.

Obwohl ich in der Regel Whiskys nicht bewerte, möchte ich diese Stelle hier nutzen um drei Whiskys zu nennen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind:

1. Aureum Cask Strenght

Ein solider Whisky, angenehm zu trinken. Trotz des hohen Alkoholgehaltes sehr rund. Geiles Ding, für 50 € absolut gerechtfertigt.

2. Fading Hill Single Malt

Mords Whisky. Richtig lecker. Intensiver Sherryeinfluss. Der war nicht nur trinkbar. Der war würde einige Tastingrunden als Top-Malts abschließen. Gab es für 55 €, leider vergriffen - zu recht!

3. Whesskey Pilsener Malt aus Kastanie

Fassprobe, die extrem viel verspricht. Vielschichtig, komplex, lecker. Da kommt was Großes auf uns zu. Etwas richtig Großes. Ich bin gespannt, mit wie viel der Abgefüllt wird (bitte bitte CS) und was der Spaß am Ende kostet. Ich fände bei einer CS-Abfüllung Preise bis in die dreistelligen Bereiche durch Geschmack absolut gerechtfertigt.

Ich hoffe Ihr hattet Spaß dabei. Nächste Woche widmen wir uns wieder schottischen Malts und verkosten einige Lieblinge von mir. Ich sage nur: Peat&Port.

Bis dahin
Slainthe Mhath und Gut Rauch!

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