Tastingnotes für zwei Whiskys von Fading Hill

Unsere Reise führt uns ins Nistertal im Westerwald, Rheinland-Pfalz. Dort steht die Birkenhof Brennerei, die den Fading Hill Whisky produziert. Heute möchte ich euch zwei Abfüllungen zeigen. Einmal den Single Rye Whisky. Und den D'Artagnan Single Malt Whisky.

Der Name Fading Hill spielt auf den Stöffel an, ein Berg in der Region, der durch den Basaltabbau langsam verschwindet. Dort steht nun eine neue Potstill mit 1400l Volumen, die schon auf den ersten Blick echt "schottisch" aussieht. Was sich auch absolut im Geschmack wiederfinden lässt.

Generell ist alles um den Fading Hill sehr edel gehalten. Ich habe zur Verkostung Sample bekommen. Zu den Samples eine Broschüre. Dickes Papier, edel in matt gehalten. Beeindruckend. Ich plane auf jeden Fall mal ein Besuch, denn die Birkenhof Brennerei scheint optisch ein echter Hingucker zu sein.

Aber kommen wir zu den Whiskys. Ich beginne mit dem meiner Meinung nach schwächern der beiden Abfüllungen.

Fading Hill Rye Whisky aus dem Sherryfass mit soliden 45%. Zugegeben - Rye ist nicht mein Steckenpferd. Vielleicht zwei oder drei Rye-Whiskys fanden bisher den Weg in mein Glas. Das ist auf jeden Fall der erste Rye, den ich bewusst und ausgiebig verkoste.



Und in meinem Glas haben wir eine schöne, helle Honigfarbe. Beim Schwenken neutrale bis dezent ölige Textur.

Aber dann kommt's! Schon die ersten Noten in der Nase sind eine Überraschung: Grapefruit? Oder Honigpomelo? Auf jeden Fall Citrusfrüchte. Mit dem weißen Pelz unter der Schale, der ja immer etwas bitter ist. Etwas herbe Mineralität. Und das ist erstmal die Note. Wie ein Klotz. Langsam entfalten sich weitere Noten, wie die ersten Frühblüher in der Märzsonne. Gewürznoten. Vor allem Vanille. Dazu Karamell, sodass am Ende Grapefruit in Vanillesauce bleibt.

Im Mund sehr körperreich für 45%. Nicht nur das. Der Alkohol ist etwas zu präsent. Bei 55% könnte ich das verzeihen. Aber nur 45%? Sollte milder sein. Ich schmeckte eine dezente Süße auf der Zungenspitze. Dazu Getreidearomen. Etwas Honig und Gewürze. Erinnert mich an Eistee. Arizona-Eistee.

Herzliche Überraschung - nach einem mittelkurzen Vanilleschluss kommt noch ganz leicht eine reife Banane durch, besonders Retronasal.

Auf jeden Fall einen Schluck wert. Diese Aromenstruktur ist mir völlig neu. Es gab keine Fehlnoten. Alles rund. Guter Whisky. Aber es geht besser:

Fading Hill Single Malt Whisky "D'Artagnan". Einigr Single Malts von Fading Hill sind nach den Musketieren benannt. Einer für alle - Alle für einen. Warum nicht.

Aber Details: Der Malt ist 5 3/4 Jahre alt und reifte in PX-Sherryfässern und ex-

Bourbonfässer. Um genau zu sein 5 Jahre in ex-Bourbonfässern. Dann für einige Monate in PX-Fässern und dann wieder in Bourbonfässern. Spannende Sache. Mit 46% gute Trinkstärke.

Die Farbe ist schon radikal. Dunkler Waldhonig. Ansage. Im Glas eher ölig seine Bahnen ziehend. Schön. Einfach schön. Und so schön geht es weiter.

Denn die Aromen sind superb. Zuerst leicht citrisch und floral in der Nase, übernehmen schnell Vanillenoten und dezente Eichenwürze das Ruder. Zart zerlaufendes Toffee. Und nach und nach werden die Sherrynoten immer intensiver, bis ich mir denke, dass ich in den Highlands bin. Trockenfrüchte. Schokolade. Blind hätte ich den nicht nach Deutschland gesetzt. Die Nase ist richtig gut. Klassische Sherrybombe.

Auch am Gaumen kann der Malt weiter überzeugen. Tiefe Süße. Demara-Zucker hinten am Gaumen. Sherry auch hier sehr präsent. Man vergisst fast den Alkohol - den ich auch hier blind auf etwas mehr % geschätzt hätte. Aber die Aromen rechtfertigen das.

Langsam und wärmend fließt der Whisky dann hinunter. Und gibt nochmal feine Sherrynoten preis. Ein Träumchen von Whisky. Ein einfach richtig guter Whisky. 55€? Würde ich dafür zahlen. Hier stimmt das Gesamtpaket.

Beigeistert verlassen wir das Nistertal und fahren Koblenz zu Eifel Whisky. Und hier bekommt ihr die komplette Bandbreite präsentiert. Stolze 11 Abfüllungen werde ich für euch verkosten. 

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