Tastingnotes zu Storck Club Whisky + Butterbird Rum

Heute sind wir im Spreewald, 60km von Berlin bei den Spreewood Destillers. Interessante Geschichte, wie ich auf die kam: In einer der quasi alltäglichen Debatten um Malts meinte mein Admin-Kollege Robert Scherzer (Whiskyinstitut Chemnitz), dass ich als Pilger der deutschen Malts zwangsläufig den Rye von Stork Club probieren müsste. Ok, denke ich, checke die Base und sehe, dass er dem Rye aus dem Hause glatte 90 Punkte gegeben hat. Das ist mal eine Ansage. 90 Punkte - ich persönliche vergebe ja keine Punkte, aber ich stelle mir einen 90 Punkte Whisky krass gut vor.

Also habe ich mir Samples besorgt. Vielen Dank an dieser Stelle an die Leute von den Spreewood Destillers, die mir ein Sampleset haben zukommen lassen. Viel Infomaterial dabei. Und eine sehr schöne Schachtel mit einem Single Malt und einem Rye....und zwei Sorten Rum.

Rum und ich, das ist so eine Story. Habe ich zu Studi-Zeiten ab und an mal eine Flasche Discounterrum getrunken (mild und 50+%), aber mit der Zeit wurde mir das einfach zu fad. Und auch die Rums, die mein Kumpel mir vorgstellt hat (Don Papa, Ron Pampero, El Dorado) waren alle durch die Bank weg zu dünn. Whisky, das ist meine Liebe. Nichtsdestoweniger gebe ich dem Butterbird Rum eine Chance, und obwohl in meinem Blog sonst nur Whisky platz hat, sind heute auch zwei Rums in der Review.

Aber wir fangen mit den Malts an:

1. Stork Club Single Malt Whisky

Hier haben wir einen Smallbatch-Whisky. Small batch bedeutet, dass der Whisky aus einer geringen Anzahl an Fässern kreiert wurde. Der Whisky hat 47% ohne Altersangabe. Ausbau in ex-Bourbon-, ex-Sherry- und ex-Weißweinfässern.

Ab ins Glas. Farbe ist hell. Sagen wir: sattes Strohgelb. Fließt ruhig im Glass. Viskosität neutral.

Was haben wir in der Nase: typische Getreidenote, wie ich sie schon bei vielen deutschen Malts hatte. Dahinter etwas dezent würziges, bei dem ich an das Aroma von Kartoffelchips denken muss. Gesalzene Pringels. Dann typische Noten: Frucht. Richtung roter Apfel. Aber dazu nochwas. Stachelbeere. War der Weißwein ein Sauvignon blanc? Die haben oft krasse Stachelbeernoten. Zuerst ist es im Glas sehr "rummelig". Mit etwas Wasser wird der Malt ruhiger und runter. Mit der Zeit dominiert die Fruchtnote.

Im Mund zuerst Alkohol. Der ist jung. Spritig. So stecke ich 47% locker weg, sind eher mild. Aber hier muss etwas Wasser ran. Und dann wird es direkt runder und angenehmer. Leicht süß. Fruchtigkeit und Würze. Malznoten, die richtig großartig sind, aber zu dünn. Bitte mehr davon!

Herznoten sind echt spannend. Toffee und Apfel. Dazu Getreide, was lange und süß am Gaumen nachhallt.

Fazit: Gutes Ding, könnte etwas mehr Reifezeit vertragen um runder und samtiger zu werden.

2. Stork Club Straight Rye

Auch hier Smallbatch. Auch hier ex-Bourbon und ex-Weißweinfässer. Aber kein Sherry. Und 55%, was mit schonmal besser gefällt. Whisky darf ruhig 50%+ haben. Gemacht ist er aus Roggen, wie der Name schon sagt.

Im Glas haben wir eine schöne Farbe. Satter als der Malt. Erinnert mich an Blütenhonig. Erwartungsgemäßs etwas öliger im Glas.

Bei der Nase bin ich sehr gespannt. Wie sagten, sie hätten eine Gurkennote in der Nase. Also Gewürzgurken, sind ja typisch für den Spreewald. Dann, beim nosing weiß ich plötzlich, warum mein Adminkollege dem 90 Punkte gegeben hat. Hinter einer satten Vanillenote ist etwas Dreckiges, was mich krass an Springbank erinnert. Ja, ich kann nachvollziehen, warum hier einige sagen "Gurkenwasser", denn die Note ist fein säuerlich, nicht unangenehm und hat neben schwefelartigen Noten etwas Kräuteriges. Dill? Sehr spannende Nase. Mit Wasser wird die Vanille stärker bis Sie schon etwas ins Kokosaroma fällt. Die Kräuternoten werden würziger. Aus Dill wird Liebstöckel. Das ist gut. Das macht Spaß.

Auf der Zunge ist der Alkohol kantig und trocken. Fast bitter. Etwas Wasser macht das geschmeidiger. Vanille und Getreide sind hier tonangebend.

Herznoten schon fast enttäuschend kurz mit der vollen Breitseite aus dem Bourbonfass.

Fazit: Mutiger Rye. Gut gemacht. Wird seine Freunde finden.

Kommen wir zum Rum:

3. Butterbird Wiessling

Rum konnte mich noch nie so wirklich überzeugen, ich bin jetzt auch kein Experte darin Rum zu verkosten. Ich verkoste den Rum, wie ich auch meinen Whisky verkoste.

Also Weissling. Für Butterbird Rum haben die SWD den Schmetterling als ästhetischen Ankerpunkt genommen. Weissline kennen wir, wenn das Wetter wieder etwas wärmer wird. Schöne, kleine, weiße Falter, die ich gerne mal bei uns im Garten am Kohl sehen. Nicht reinweiß, eher leichter gelbstich.

Genau diesen Gelbstich finde ich auch im Rum wieder. Sehr klar, halt eine leichte Nuance ins gelbliche. Der Rum hat 46% und ist kaum ölig.

Das besondere am Weissling ist, dass er komplett in Deutschland hergestellt wird. Merkt man das? In der Nase zuerst eine Menge überreifer Bananen. Dahinter Frucht. Zitrus, Aprikose und etwas Maracuja. Alles sehr ungestüm und leicht künstlich.

Im Mund ist der Rum bitter und scharf, mit Aromen vom Rummy-Riegel. Gefällt mir nicht.

Herznoten erinnern mich an CujaMara und Cocktails.

Vielleicht ist das auch der Clou, dass der Rum für das Mischen von Cocktails gedacht ist. Vielleicht mag ich Rum auch einfach nicht.

4. Butterbird Feuerfalter

Nichtsdestoweniger: Probieren geht über studieren. Also den Feuerfalter ins Glas. Das ist ein verschnitt von Rums aus verschiedenen Ländern. 51% kommt aus Deutschland , der Rest aus Barbados, Guyana, Jamaika.

Die Farbe hat in der Tat einen leichten Zug ins rötliche, sodass der Name echt passend ist. Auch diese Rum ist weniger ölig.

Die Nase hat am Anfang ähnliche Akkorde, wie der Weissling. Banane, aber deutlich milder. Dahinter Gewürze. Zimt. Und dunkle Fruchtnoten.

Im Mund deutlich balancierter. Würzig, weniger süß. Ich habe Noten von Kaffee, Schokolade. Später Holz und Rauch. Lagerfeuerrauch. Sehr gut.

Herznoten sind wärmend mit Noten von Oma's Rumtopf, echt mit Pflaumen und einem guten Schuss Gewürze.

Der Rum ist besser. Ja, vielleicht sogar gut.

Fazit:

Gute Produkte. Eigenständig, was zum Teil belohnt wird. Wenn man die Gelegenheit hat, sollte man die Whiskys unbedingt probieren. Die Rums, da hat mich der Feuerfalter halbwegs überzeugt. Gerade die Noten, die mit der Zeit raus kamen waren sehr spannend. Dennoch bleibt mein Drink of Choice Whisky.


Und mit Whisky geht es nächste Woche weiter, genauer mit zwei Abfüllungen aus dem Hause Ziegler. 


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