Drei Tabake von Vauen und ein Experiment

Zwischen den ganzen Whiskys aus Deutschland, da möchte ich auch einige Tabake aus Deutschland vorstellen. Als - wie Ihr sicher wisst - ausgewiesener Vauen Fanboy fange ich heute mal mit drei Tabaken von Vauen an: der Trüllerie, dem Oriental und dem Zeppelin.

Die Trüllerie und den Zeppelin habe ich von Vauen als Samples zur Verfügung gestellt bekommen. Nun weiß ich, dass Vauen gerne Proben raus gibt. Habe die beiden Tabake als Probe angefragt - und bekommen, zwei kleine Beutelchen. Und einige Tage später die gleichen Tabake, aber als ganze Dose NOCHMAL von Vauen bekommen. Deshalb nutze ich die Gelegenheit einmal und kündige ein Experiment an:

Die Dose Vauen Trüllerie ruht in meiner Tabakbar und wird auch vor Februar 2019 nicht geöffnet. Das ist dann ein Jahr. Dann schreibe ich einen Vergleichebericht. Jetzt zu den Reviews:

1. Vauen Trüllerie

Die Trüllerie, in Anlehnung an die Brazil Trüllerie (beide tragen sogar das gleiche Bild von dem stilisierten Herrenzimmer). Schöne Geschichte, die dahinter steht. *Klick* Soviel sei gesagt: Trüllerie leitet sich von "trüllen" ab und das bedeuet "Zigarren drehen". Trüllerie ist dann wohl die Zigarrendreherei. Erwartet uns jetzt ein klassischer "Cigar Leaf"?

Nein! Ein reiner Virginia-Tabak, ohne Aromatisierung - auch wenn es viele nicht glauben können.


Der Schnitt ist sehr heterogen. An einigen Stellen wird von "wild cut" gesprochen. Feine Ribbons, aber auch gröbere Flaketeile sind enthalten. Farbe ist ein schönes Mittelbraun.

Leider ist der Tabak frisch sehr feucht, weshalb das Anzünden etwas Achtsamkeit erfordert. Eine geduldige, kräftige Flamme ist von Vorteil. Nichtsdestoweniger brennt der Tabak erstaunlich gut ab, was ich frisch nicht erwartet hätte.

Kalt nimmt man eine nussige Note wahr. Richtung Haselnuss. Angezündet ist das erste Drittel sehr angenehm mit Vanille, Trockenfrüchten und Heu. Man glaubt wirklich kaum, dass hier kein Casing im Spiel ist. 

Im Verlauf wird das Tabakaroma dunkler. Gen Mitte kommen karamellige Noten dazu. Diese Tendenz bleibt und verstärkt sich noch. Zum letzten Drittel muss ich schon fast an eine leichte Zigarre denken, was durch hervorstechende Bourbon-Noten durchbrochen wird. 

Leider muss ich zugeben, dass der Tabak frisch doch gerade frisch angefeuert leicht auf der Zunge brennt. Ich bin sehr gespannt, wie sich das im Laufe der Reifung entwickelt. Geschmacklich sind mir zwei Dinge vor allem aufgefallen. Erstens er innerte mich der Tabak etwas an den Asgard aus der Elduris-Reihe. Nur ohne Latakia. Zweitens kam mit das Grundaroma sehr bekannt vor, weil ich meine, dass ich es auch vom Vauen Oriental kenne - aber dazu gleich mehr. 

Nikotingehalt im Tabak ist mild, die Aromatik sehr intensiv. Ein Tabak, der es auf Anhieb in meine Top 5 geschafft hat. 

2. Vauen Oriental


Viele von euch werden wissen, dass ich kein Feind von Aromaten bin - im zweifel aber doch eine naturnahe Mischung bevorzugen würde. Aber, wie so oft, bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Gerade Tabake, die eine leichte Aromatisierung haben, den tabakechten Charakter aber nicht verlieren sind oft sehr reizvoll. 


Der Vauen Oriental war am Anfang nicht so sehr mein Freund. Ich musste mich erst in das Aroma reinschmecken. Was mich irritiert hat, das war die Idee, dass der Tabak vorher "Vauen Koriander" hieß. Und da ich Koriander auch im Garten anpflanze und weiß wie Koriander riecht und schmeckt, da war ich überrascht, was hier in der Dose ist. Denn Koriander ist es mit nichten, oder wenn nur in homöopathischen Dosen.

Farblich sind wir bei dem Tabak deutlich heterogener Unterwegs. Heller Virginia setzt sich gegen dunklen Black Cavendish ab. Schnitt wird als Ribbon Cut eingeteilt. Kann ich mit leben. 

Zur Feuchtigkeit aus der Dose kann ich leider weniger sagen, da ich den Tabak im Tausch von einem Pfeifenbruder bekommen habe. Da war der Tabak schon gut angetrocket. So war der Tabak dann auch relativ gutmütig in der Handhabung.

Das Kaltaroma erinnerte mich an Eistee. Arizona-Eistee. Ich gehe davon aus, dass hier Honigaroma eine Rolle spielt. Dahinter ein angenehmer Gewürzcocktail. Beim Anzünden ist das auch der Einklang: Honig, Gewürze. Nach der Art: Chai Latte. Oder Eistee. Dazu ein vanilliges Aroma, was ich nach dem Genuss der Trüllerie aber eher dem Virginia zuschreiben würde, als einem Casing. Das hält der Tabak auch Tapfer durch, nur die letzten 10% werden dann etwas künstlich. Dabei kaum Biss. Sehr angenehm. Sehr mild im Körper, wenig Nikotin.

3. Vauen Zeppelin


Auch ein Tabak, den ich als Doppelprobe bekommen habe. Doch diesen Tabak werde ich genüsslich im Sommer paffen. Warum? Aromaten und Lagerung. Naja, die Aromen nehmen ab. Dieser Tabak enthält Latakia, der an seiner Rauchigkeit verliert, das würde dem Tabak kaum zuträglich sein. Aber zuerst:
Ich finde die Ästhetik, der sich Vauen bedient sehr schön. Sehr deutsch, auch wenn Led Zeppelin Fan sich hiervon sicher auch absprochen fühlen werden. Neben dem Zeppelin, benannt nach dem Erfinder dem Graf von Zeppelin, finde ich in vielen Pfeifen auch anklänge an Bauhausästhetik wieder. Vauen, die Sachen muss man sich ruhig mal genauer anschauen. Aber zum Tabak:

Wieder haben wir es mit einem Aromaten zu tun, der aber sehr seriös daher kommt: Old Belt VAs, Bright Carolina, Dark Fired Kentucky, Black Cavendish und etwas syrischer Latakia. Das ist erstmal eine Ansage. Dazu eine leichte Aromatisierung. Für diese manigfaltige Auswahl an Tabaken ist die Mischung dann doch relativ homogen. Erst bei genauem hinsehen kann man die einzelnen Tabake in ihren Farben erkennen. Als Gesamtbild ergibt sich ein mittleres bis dunkles Braun.


Je länger man schaut,
desto mehr erkennt man.
Der Tabak ist sehr fein geschnitten und frisch unheimlich Feucht, ja fast nass. Da muss man vor dem Rauch doch mindestens eine halbe Stunde investieren um den Tabak etwas Luft zu geben. Vielleicht sogar mehr, denn bei mir hat die Pfeife dann doch gesottert.

Kalt meine ich eine fruchtige Vanillenote zu erahnen. Kirsche? Die Kombination wäre nicht ungewöhnlich. Das erste Drittel ist mild. Vereinzelt sticht eine Latakianote hervor. Ab und an kommt eine herbe Note hervor. In Reviews spricht mancheiner von "umami" - andere von pilzigen Aromen. Ich kann die Assoziationen verstehen, würde aber die Interpretaion "herb" bevorzugen. 


Was ist mit "Smooth & Cool" - ja, wenn man den Tabak wirklich sehr vorsichtig raucht, dann ist der Qualm samtig satt und kühl. Aggressiveres Raucheverhalten wird ihn aber zügig zum beißen bringen. 

Mild bleibt der Tabak nicht lange schon nach den ersten 10% fängt an sich eine Aromenfront zu sammeln, wie die Gewitterwolken an einem schwülen Sommertag. Und ab der Mitte bricht das Aromagewitter über einen ein, mit cremiger Vanille und satter Kirsche. Der Tabak ist auf jeden Fall ein Solist, der einen hintergründigen Partner gebrauchen kann. Ein Wow-Effekt.

Zum Ende gibt der Tabak nochmal richtig Gas. Mit Holz und Karamell, die den Schlussakkord im letzten drittel Bilden, bevor nur ein Häufchen grauer Asche übrig bleibt. Wundervoll. Männlich, herb - mild und aromatisch. Ein Gedicht von Tabak.

Mit der Lagerung werden die Aromen deutlich milder. Und ein schöner, herber Grundton setzt sich durch.

Und was trinkt man dazu? Die Trüllerie ist ein Allrounder. Mit dezenter Süße passt sie sich fast allen Whiskys an. Vielleicht keine Torfbomben. Der Oriental kann alles ab, was in die Richtung Schokolade, Getreide und Vanille geht. Der Zeppelin ist von den drei Tabaken der eigenständigste. Er wird vielen Whiskys die Show stehlen - deshalb braucht er einen Begleiter, der in mit angenehmer Süße im Hintergrund unterstützt.

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