Tabakreview zu Käpt'n Brammer Alter Friese

Heute ein Experiment. Aber zuerst ein Rant:

Manche Verordnungen sind bekloppt. Zum Beispiel die Verordnung, dass Tabakprodukte keine Namen mehr tragen dürfen, die irgendwie an irgendetwas erinnern, was darauf deuten könnte, dass Tabak der muffige, ekelhafte Tot in Blättern ist.

Und genau deshalb reviewe ich heute den "Alten Friesen" und nicht die "Frische Briese", die der Tabak noch vor einiger Zeit hieß. Käpt'n Brammer Alter Friese aus dem Hause DTM/ Dan Pipe also.

Erste Überraschung: es ist ein Aromat. Hier fängt das Experiment an. Dabei handelt es sich um einen "irischen" Tabak. Was weniger mit der schönen Insel zu tun hat. Sondern einen Lakeland-Tabak beschreibt. Wie zum Beispiel den St. Bruno, den ich HIER reviewt habe. Kurz: Diese Art von Tabaken werden oft als "seifig" umschrieben. Dieses Seifige bezieht sich nicht auf Seite als Salz einer fettigen Säure - sondern auf das Aroma von guten Seifenstücken. Die meist mit den Essenzen von Blumen aromatisiert wurden. Also haben Lakelands eine florale Aromatisierung, zusammen mit einer guten Tabakbasis.


Der Alte Friese stellt hier durchaus eine Neuinterpretation des ganzen dar. Frischer, fruchtiger. Mehr Obstkorb als Omas Handtasche.

Das Tabakbild ist heterogen. Mittelbraun. Einige Cubes. Viel kurz aber breit geschnittenes Blattgut. Latakia soll drin sein. Einie dunkle Flecken erkannt man. Aber insgesamt sehr wenig. Überwiegend Virginia. Kaltgeruch: Tabak. Aber da ist was.

Der Tabak ist frisch sofort einsatzbereit und sehr einfach zu handhaben. Schon bei den ersten Zügen macht sich ein wunderbares Aroma breit. Erinnert mich insgesamt aber mehr an zum Beispiel einen Bellini Torino mit seiner Rotweinnote, statt an einen St. Bruno. Rote Früchte, dann Blumen. Und das bleibt auch das erste drittel die absolut dominante Komponente. Erst ab der Mitte kommen tabakechte Aromen dazu. Die sind dann aber kräftig und nehmen im Rauchverlauf die Überhand. Sodass am Ende der eigentliche Tabak Hauptträger der Aromen ist.

Viele Gedanken sind in Rauch aufgegangen, als ich überlegt habe, ob ich wirklich den Tabak mit dem Whisky kombinieren will. Und ich will euch die Kritikpunkte nicht vorenthalten. Gerade das Intensive Aroma am Anfang tötet das Finisharoma des Longrow. Und damit hat der Longrow seinen eigentlichen Punkt verloren. Aber es gibt einen anderen Aspekt, der mich sehr fasziniert hat. Das Wechselspiel der Aromen. Denn der Tabak entwickelt sich sehr prägnant. Und anhand dieser Entwicklung entwickelt sich auch der Whisky. Was eine sehr spannende Selbstwahrnehmung ist. Vielleicht sind wir hier schon im Bereich des Meta-Genusses. Also der Genuss der Genusswahrnehmnung selbst. Auf jeden Fall ist es dann doch einen Versuch wert. Kein All Day, soviel sei gesagt.

Nächste Woche bleiben wir beim Whisky geographisch wie in der letzten Woche in Campletown und verkosten einen Springbank 14 aus dem Bourbonfass.

Bis dahin
Gut Rauch und Slainte Mhath.

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