Tastingnotes zu Longrow Red Pinot Noir

Schwefel, Kuhfladen und Stinkefrucht?

Heute sind wir im Campbeltown, genauer gesagt bei Longrow. Zur Zeit wird der Bruder dieser Abfüllung krass abgefeiert. Aber: ich bin langsam, deshalb...naja...

Den Whiskys aus Campbeltown. wird nachgesagt eine "dreckige" Note zu haben. Ich wollte dem mal nachgehen. Und kam quasi per Zufall an einen Longrow Red Pinot Noir Cask.


Der Longrow ist ein leicht getorfter Malt, der zuerst in einem ex-Bourbonfass lagerte und dann ein Finish in einem Pinot Noir Fass bekommen hat. Bei uns auch bekannt als Spätburgunder. Diese Rebsorte ist bekannt für seine eleganten, vollmundigen Weine, die gerne auch mal etwas säuregeprägt (!) sind. Was ja schonmal eine interessante Sache ist. Mir wäre nicht bekannt, dass es süße Pinot Noirs gibt. Die sind alle trocken. Wo doch in der Regel Süßweine (Sherry, Port) zum veredeln der Whiskys benutzt wird.

Ganze 12 Jahre reifte der Longrow. 11 Jahre im Bourbonfass, 1 Jahr im Weinfass. Also nicht mehr ganz jung. Der Whisky kommt in Fassstärke. Ist nicht kühlgefilert und nicht gefärbt. Die limitierte Auflage von 9000 Ex. lässt mich fragen: Ist gar ein Single Cask? 630 Liter sind auf dem Markt. Wohl eher nicht. Aber die Menge ist klein genug, dass wir von sehr wenigen verschnitten in der Verarbeitung ausgehen können.


Taste the Longrow

Den Whisky bekam ich als Sample von meinem Admin-Kollegen Robert Scherzer, vom Whisky-Institut Chemnitz. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal!

Fein rötlich schimmert der Malt. Pinot Noir ist häufig sehr hell, manchmal schon fast rosé. Die Farbe überrascht mich nicht. Was mich überrascht ist die Viskosität. Richtig ölig fließt der Malt ins Glas. Das macht mir schon viel Freude auf den ersten Schluck. Schwerfällig rollt der Whisky daher. Grandios.

Gespannt eine erste Nase. Anders als erwartet. Gar frisch. Floral. Im Hintergrund mit viel Präsenz: Rauch. Der Rauch ist leicht aber sehr markant. Nach etwas Zeit: rote Früchte. Erdbeeren. Mineralische Noten. Salz und Pfeffer. Immer wieder viele rote Früchte. Eine säuerliche Note, die ich dem Wein zuschreibe.

Im Mund voluminös. Ölig. Ein Gedicht auf der Zunge. Dazu Erdbeeren. Der Rauch schleicht wie eine Katze auf Samtpfoten darum herum. Nicht wirklich aufdringlich, aber präsent. Das Weinfass hat seine Arbeit getan. Das ex-Bourbonfass hält sich zurück. Weißer Pfeffer mit seine Muffigkeit. Den behält man gerne im Mund.

Der Abgang ist mittellang bis lang. Wieder mit Erdbeeren, kalter Asche, die sich am Gaumen paaren, während der Malt wärmend runterfließt.

Insgesamt ein toller Whisky, bei dem man keine Sorge vor zu viel Dreckigkeit haben muss. Nächste Woche in der Review: der Alte Friese vom Käpt'N Brammer. 


Kommentare

Beliebte Posts