Tastingnotes Nikka From the Barrel

Whisky, das ist ein zunehmend globales Phänomen. Dass die Japaner einen Fetisch in Sachen Whisky haben, dass weiß ich spätestens seit meiner Teenie-Magna-Anime-Phase. Wenn ein Charakter besonders kantig war, dann trank der Whisky. Oder Whiskey. Schwer zu sagen. Vermutlich auch nicht so wichtig. Dass Japaner selbst Whisky herstellen, das ist mir seit dem Klassiker "Lost in Translation" ein Begriff.

 

Dass die Japaner verdammt guten Whisky machen, dass habe ich 2014 festgestellt, als ich nach dem ersten, äußerst Legendären Distel-Treffen ein spät nachts unter dem Einfluss einer Menge Speyside Hero abgefüllten Sample Nikka Pure Malt in meiner Tasche fand. An dem Tag ist Japan auf meiner Whiskyweltkarte hell erleuchtet.

Ich kam nicht drum herum mir also eine Flasche japanischen Whiskys zu kaufen. Aber welche? Ich recherchierte und las Notes. Schaute YouTube-Videos. Und konnte mich nicht so recht entscheiden. Also ging ich nach meiner Fasutregel vor: Im Zweifel - Fassstärke. Straight from the cask. Oder Barrel. So kam es, dass ich bald einen Nikka From The Barrel meins nennen konnte. Nikka, hatte ich gute Erfahrungen mit gemacht. Fassstärke immer gut. Dass es ein Blend ist, das ist auch völlig ok. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass Single Malt überbewertet wird ;-). Aber das ist ein anderes Thema.



Perfektion #1
Nikka from the Barrel also. Der Whisky hat keine Altersangabe, wie lange der Whisky im
Fass war. Es war aber ein ex-Bourbon Barrel. Es ist ein Blend, also wird in verschiedenen Destillen hergestellt und dann vermählt. Im Detail: Yoichi auf Hokkaido und Myagikyo auf Honshu zusammen mit einem Anteil Grain. Abgefüllt wird das alles mit guten 51,4 %. Und ich weiß nicht, ob ich es schonmal erwähnt habe, aber für mich liegt die perfekte Trinkstärke eines Malts bei Rund 50%.


Japan ist ja ein Land der Verpackungsfetischisten. Das kann man auch bei dem Whisky erkennen. Die Flasche ist super minimalistisch. Es könnte ein Parfumflacon sein. Hip schaut er aus, der Nikka. Es ist - das muss ich zugeben - die Whiskyflasche, die mir am besten gefällt. Hier wird keine Show gemacht. Gradlinig. Auf den Punkt. Japanisch halt. Die Umverpackung macht genau da weiter. Ein matt-glänzender grauer, eckiger Karton. Mit seinem Schnitt auf der Vorderseite. Einmal quer durch, wie mit einem Katana gezogen. Das ist perfekt. Jede Veränderung würde dieses ästhetische Erlebnis mindern.

Perfektion #2

Im Glas ist der Nikka schön ölig. Bernsteinfarbend liegt er förmlich im Glas und wartet darauf genossen zu werden.

Die Nase verspricht schon einiges. Zuerst ist da dieses satte, saftige Aroma des Bourbon Barrels. Vanillin, Nüsse, Getreide, Karamell - wuchtig strömen diese Aromen aus dem Glas. Aber auch (typisch Bourbon!) etwas Klebstoffaroma. Dahinter erkennt man schnell fruchtige Noten. Helle Früchte. Zitrus. Orange. Apfel und dahinter röstige Noten. Gewürze. Nach etwas Zeit kann man sogar eine Nuance Eiche aus dem Malt kitzeln. Alkohol ist präsent. Da kommt man wohl nicht drum herum. Hätte dem Nikka einige Zeit zusätzlich im Fass geholfen? Vermutlich. Aber das ist Spekulation. So wie er ist, ist er gut und lecker.



Im Mund vulominös. Der Alkohol macht sich bemerkbar. Sofort wärmend. Speichelfluss setzt ein. Geschmacklich dominiert würzige Süße. Beim Atmen setzt die Fruchtigkeit wieder ein. Süßes Malz, Honig hinten am Gaumen. Perfekt ausbalanciert zwischen Süße und Würze. Auch hier: großartiger Antritt, gegen Ende hin abflachend. Was für unser Vorhaben sogar sehr hilfreich ist. Mehr Alter hätten den Malt dann wohl zu Eigenständig gemacht, dass eine Pfeife dazu passen könnte. So hat ein Tabak noch Raum, aber es muss ein kräftiger Bursche sein.

Der Abgang ist mittellang und wärmend. Noch im Magen merkt man den Nikka. Eine dezente Süße bleibt im Mund. Beim Ausatmen noch etwas dunklere Noten. Eiche, Kaffee, dunkle Schokolade hinterlassen mich sehr glücklich.

Also die Japaner können Whisky. Das zeigt dieser Malt alle mal. Japaner können auch Pfeife. Nennt sich in Japan "Kiseru". Darin raucht man "Kizami". Aber solange ich nicht nach Japan fliege, werde ich wohl kaum in den Genuss dessen kommen. Weiß also auch gar nicht, ob es passen würde. Ich weiß aber, dass ein klassischer Tabak aus dem Hause Dunhill dazu passt. Und zwar der großartige "Ye Olde Singe". Einmaliger Tabak, kräftig, dunkel. Genau das richtige zum Nikka. Mehr dazu nächste Woche.

Bis dahin wünsche ich euch:
Gut Rauch und slainte mhath!

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