Tabakreview Dunhill Ye Olde Signe

Und wieder landen wir bei Dunhill. Nach dem Early Morning Pipe jetzt "Ye Olde Singe" (YOS). Die altertümlich - shakespear'esque? - anmutende Schreibweise täuscht nicht darüber hinweg, dass der Tabak "The Old Sing" heißt. Nur besonders oldschool!

Wahrscheinlich deshalb ist auf der Dose auch ein Ladenschild abgebildet, wie man es von den klischee-behafteten Shop in den kleinen Gassen zu kennen glaubt. Heutzutage verdrängt von Neonlicht bleibt zumindest die Form oft erhalten. Gibt es eine Geschichte dahinter? Bestimmt. Aber ich konnte diese leider nicht herausfinden. Ist in diesem Fall aber auch absolut nebensächlich, denn rein objektiv - ohne Mythos, ohne Storytelling - ist dieser Tabak eine Wucht.

Und ich höre jetzt schon die selbsternannten Pfeifenpäpste und Alten Hasen: Dieser Jünglin hat doch keine Ahnung, denn früher...


Und ganz ehrlich: ¯\_(ツ)_/¯

Kontext. Der YOS wurde erstmalig 1915 eingeführt. 1984 wurde der Tabak dann eingestellt. Und im Jahr 2016 wieder auf den Markt gebracht. In den Knapp 30 Jahren zwischen den Tabaken ist einiges passiert. Und YOS wird nun in Dänemark produziert.





Die Irrungen und Wirrungen der Tabakhistorie sind für mich jedoch nicht mehr als eine Fußnote. Das ist aber keine Arroganz. Sondern einfach der Tatsache geschuldet, dass es ja gar keinen Sinn ergibt einem Tabak nachzutrauern, bei dessen Abklang ich noch nichtmal geplant war. Die Chancen, dass ich jemals in den Genuss eines uralten YOS komme, die gehen gegen 0. Sollte ich es jedoch mal kosten dürfen, kann ich mir ja noch immer überlegen, ob ich mich in die Riege der Nörgler einfinden mag.


Solange mir das aber verwehrt bleibt, freue ich mich - solange es noch geht - darüber einen tollen Tabak zu haben. Vielleicht werde ich ja 2050 einer der Nörgler sein, dass der YOS re-re-Release nicht mehr so schmeckt wie vor 30 Jahren. Wenn bis dann nicht Juli Zeh's dystopische Gesundheitsnazis aus "Corpus Delicti" an der Macht sind.

Egal. Zum Tabak: Ye Olde Signe ist ein Virginia. Reiner Virginia. Aber sehr lange und dunkel fermentiert, dann fein im Ribbon Cut geschnitten. Wie auch auf der Dose steht: "A DARK Virginia Blend". Aber, was man so dunkel nennt. Ich würde jetzt sagen mittelbraun. Nichtsdestoweniger lädt das Tabakbild sofort zum verköstigen ein.

Der Kaltgeruch des Tabaks ist Virginia-artig. Mit einem schönen Einschlag ins schokoladig-nussige. Man könnte fast meine etwas Burley zu erahnen. Aber: Nur Virginia.

Stopfen, anzünden. Frisch nicht ganz so problemlos wie viele Reviews suggerieren. Bei den ersten Rauchopfern benötigte der Tabak einiges nachfeuern. Je länger der Tabak lagerte (Glas) desto unkomplizierter wurde er.

Der Rauch ist satt und dezent süßlich. Typisch Brot-artig, wie ich es von anderen, kernigen Virginias kenne. Wenn man dem Tabak Zeit und Raum zur Entfaltung gibt, dann kommen schöne honigartige Noten dazu. 


Nach einem Monat im Glas hat der Tabak viel seiner Zickigkeit beim anfeuern verloren. Die Aromen sind geschmeidiger. Eine feine Fruchtnote die mich an gezuckerte Datteln erinnert ist dazu gekommen. Wieder ein Dunhill, den man ruhig etwas in der Tabakbar vergessen darf.

Der Tabak ist allgemein sehr stark. Habe schon einige Male gelesen, dass Leute sich nach einer halben Pfeife übergeben mussten oder Kreislaufprobleme bekommen haben. Das tückische ist, dass der Tabak nicht mit dem Dampfhammer kommt, sondern sich subtil entwickelt, sodass man beim paffen irgendwann merkt: Huch, da ist ja was. Aber für mich ist die Stärke sehr angenehm. Gerade an typischen "Montagen", wo man Abends etwas mehr braucht, als einen süßen Aromaten. Gerne auch mit einem starken, kräftigen Whisky. Wie dem Nikka From The Barrel. Genau die richtige Kombination um dem Wahnsinn des Alltags zu entfliehen.

Nächste Woche verköstige ich einen Longrow Red - nicht den aktuellen aus dem Cabernet Franc Fass, sondern aus einem meiner Lieblingsweine: Pinit Noir.

Bis dahin
Gut Rauch und Slainte Mhath! 

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