Tastingnotes zum Classic of Islay Cask No. 1958

Heute verkoste ich für euch den Classic of Islay Cask No. 1958 von Jack Wiebers Whisky World, exklusiv abgefüllt für den Whiskyhort in Oberhausen. Und der hat so ziemlich alles, was das Whiskyherz will: Einzelfaßabfüllung, Faßstärke (56,1%), nicht kühlgefiltert, nicht gefärbt, limitierte Abfüllung. Das ist eine Ansage oder?

Auf diesen Whisky bin ich gekommen, weil ich für das Jahresende 2017 einen tollen Malt haben wollte, am liebsten eine Lagavulin. Ich bekam dann den Tipp, dass sich die Classic of Islay Reihe durchaus dazu eignen könnte meinen Laga-Durst zu stillen. Die Abfüllung für den Whiskyhort war dann quasi eine logische Konsequenz. Ihr kennt schon den WH 111.1 von meinem Titelbild - auch ein Lagavulin vom Whiskyhort. Ich habe Jürgen Schneider vom Whiskyhort schon einige Male getroffen und weiß aus den Unterhaltungen, dass er nie Mist abfüllen lassen würde. Deshalb habe ich mich besonders auf diese Flasche gefreut. 


SDWAIDG - Scheiß die Wand an ist der geil!
Was wissen wir über den Whisky? Ein Islay-Whisky, in Eiche gereift (es ist nicht genauer definiert welche). Kein Alter ist angegeben. Generell unterscheiden sich die Classic of Islay Abfüllungen nur in drei Details: Fassnummer, Alkoholgehalt, Datum der Abfüllung. Der Rest ist angenehm zurückhaltend. Kein Tamtam, keine witzigen Wortspiele oder lustige Labels. Das finde ich zurecht einfach grandios. Reduzierung in einer Welt in der um jeden Preis darum gekämpft wird aufzufallen.

Die Flasche stand längere Zeit in meinem Whiskyfach so gut, dass in Herbstabenden die Sonne genau durch den Malt schien. Man konnte an der Schrankrückwand die Farbe wunderbar erkennen. Auch im Glas muss ich sagen, dass die Farbe des Malts einfach umwerfend ist. Alles ohne Farbstoff, erinnert mich der Malt an die Kupfertöne eines Sonnenuntergangs am Meer. Mit rötlichen Reflexen. Das bekommen viele auch mit Farbe nicht hin
, so einen schönen Ton zu erzeugen.

In der Nase dann direkt Rauch unterlegt mit Jod. Etwas Meer. Und das bleibt lange die bestimmende Note, hinter der kaum etwas zum Vorschein kommt. Wichtig ist hier das, was nicht da ist: keine mentholige Frische. Viele aktuelle heavily peated Abfüllungen haben einen sehr frischen Anfangsakkord. Was unter anderem auch dem aktuellen Lagavulin 16 "vorgeworfen" wird. Davon hat man hier nichts. Ich bin schon fast geneigt zu sagen, dass es sich hierbei um eine "oldschool" Abfüllung handelt.

Es dauert lange bis sich zu den Rauch- und Torfnoten feine Sherrynoten gesellen, welche dann in absolut Harmonie miteinander verschmelzen. Der Whisky war im Sherryfass. Kein frisches. Second Fill, mein Tipp. Bourbon? Wenn, dann sicher ein etwas älteres Bourbonfass, Vanillin spielt keine große Rolle in der Nase. Dazu ein Hauch Pfeffer, etwas dunkle Schokolade. Aber im Ganzen doch ein sehr kompakter Whisky. Elegant ohne zu schillern. 


Gemütliche Komposition.


Am Gaumen ist der erste Moment wärmend. Richtig Heizung. Aber trotz der 56,1 % brennt nichts. Allgemein ist der Alkohol sehr gut eingebunden. Ich tippe darauf, dass es wir hier nicht mit dem jüngsten Malt aus der Serie zu tun haben. Bestimmt nicht uralt, aber doch reif. Oder halt ein mega Fass. Auf der Zunge dann eine leichte Süße. Nicht zu süß, gerade genug um es zu merken. Beim Atmen dann Röstaromen. Genau richtig für einen kalten Abend, bei dem draußen der Schnee die Straßen bedeckt und man gemütlich am Kamin sitzt. Nicht zu komplex. Sehr intensiv. Rund und lecker.



Der Abgang ist relativ kurz. Ich hätte ihn länger erwartet. Benevolent würde ich sagen: mittel. Wärmend fließt der Whisky die Kehle runter. Man mag sich in seine Kuscheldecke einmümmeln und dem knacken des Holzes im Kamin lauschen. Etwas Restsüße im Mund bleibt. Retronasal Kräuter. Ein Touch Holz. Und Rauch. Rauch. Rauch Und viel Lust auf den nächsten Schluck.
Trotz der Fassstärke von 56,1% mag ich nicht raten mit viel Wasser zu arbeiten. Mit einem Teelöffel auf 2cl wurden dem Malt meiner Meinung nach schon die Zähne gezogen. Da fehlte Tiefe und Intensität. Und die Nase gewann leider keine neuen Aromen. Den Malt kann man aber gerne lange an der Luft atmen lassen. Das tut ihm besser als Wasser.




Könnte man machen. Geht besser.
Alles im Allem ein mehr als solider Malt. Ein richtig guter Malt. Für 45 € ist das PLV überragend - auch wenn ich meine Probleme mit dem Begriff habe. Ich sage mal so: auch für 60 € wäre der Whisky absolut seinen Preis wert. Leider bekommt Ihr diesen Whisky nicht mehr. Doch weiß ich, dass der Whiskyhort schon die nächste Abfüllung am Start hat. Und die wird nicht schlechter sein.

Genau so klassisch die der Whisky möchte ich euch nächste Woche dann meinen auserkorenen Partner dazu vorstellen, der nicht wie im Bild "Ye Olde Signe" ist (was sicher auch gut funktionieren würde), sondern der Klassiker aus dem Hause Dunhill: die Early Morning Pipe.


Bis dahin wünsche ich euch:
Gut Rauch und slainte mhath!

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