Drei Momente mit meiner Vauen Classic 4415

Pfeifen, das sind nicht nur Rauchgeräte. Eine Pfeife wird mit der Zeit zu einem Teil von einem selbst. Mit einer Pfeife erlebt man Dinge, sie begleitet einen durch gute und schwierige Zeiten. Vielleicht zündet man sich ein Pfeifchen an, wenn man etwas tolles geleistet hat. Oder vielleicht wenn man eine schwierige Entscheidung zu treffen hat. Vielleicht lindert der sanfte Rauch die Schmerzen eines traurigen Verlustes. Oder beweihräuchert die Euphorie eines großen Erfolgs.

Was die Pfeife auf jeden Fall macht, das ist die Zeit verlangsamen. Jeder Pfeifenraucher kennt es. Diese Momente, wo man mit seiner Pfeife im Mund sitzt und in seine Gedankenwelt abtaucht. Das hat für mich etwas zu tiefst meditatives. Vielleicht würde der Gläubige sagen, dass Pfeife zu rauchen etwas ähnliches ist, wie das Beten. (Es wäre interessant die Hirnströme beim kontemplativen Pfeife rauchen zu messen!)

Ich könnte euch in meinem Blog meine Pfeifen vorstellen. Ich könnte euch Parameter nennen. Länge, größe. Volumen des Kopfs. Aber was bringt das? Diese Informationen bekommt man schneller durch google. Oder man geht einfach in den Laden und schaut sich das Holz an. Nein, ich möchte mit euch etwas anderes Teilen. Ich möchte mit euch die Momente teilen, die ich mit den Pfeifen erlebt habe.

Deshalb stelle ich heute meine Vauen Classic 4415 vor. Wahrscheinlich habt Ihr sie schon alle gesehen, ist sie doch das Titelbild meines schönen Blogs hier. Die Pfeife, die mich hat erwachsen werden lassen. Also als Pfeifenraucher. Vielleicht auch als Mensch.

Ein besonderer Moment.
Das ist nicht nur irgendein Foto. Es hat für mich eine besondere Bedeutung. Das war der Abend, als ich meinen Sohn bei meiner Mutter zu Bett gebracht habe, nach einem anstrengenden Tag im Krankenhaus - weil meine Tochter geboren wurde!

Wir waren früh morgens im Krankenhaus. Meine Frau wurde zum Kaiserschnitt vorbereitet. Natürlich war ich ein nervliches Wrack.

Ich hatte mich zuvor sorgsam auf den Tag und Abend vorbereitet. Krankenhaustasche gepackt, geklärt wann und wo wir auch nach der Entbindung sein werden. Und ich habe mir einen besonderen Single Malt ausgesucht (WH 111.1 vom Whiskyhort) und dazu auch ein feinen Tabak. Den Bentley Virginia Honey (heute: Virginia Ruby).

Nach dem Kaiserschnitt kam unser kleines Mädchen erstmal zu den Ärzten. Nach einigen Augenblicken lag dann dieses kleine hilflose Würmchen auf meiner Brust und wusste ja rein gar nicht mit sich anzufangen. Meine Frau wurde natürlich erst versorgt, bis sie zum Baby durfte. Da waren nur meine Tochter und ich. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich daran denke. Ein wunderschöner Moment.

Abends bin ich dann zu meiner Mutter gefahren, die meinen Sohn den Tag über gehütet hat. Nach einem üppigen Abendessen hatte ich die Zeit mich zu entspannen und darüber nachzudenken, was passiert war. Dabei meine Vauen 4415. Der honigsüße Tabak. Und ein kräftiger Whisky. Das erdet einen. Das macht, dass man versteht.

Aber erstmal einige Monate zurück!

Weihnachten 2016
Die Vauen 4415 war nicht meine erste Pfeife. Aber definitiv die Pfeife, die mich hat erwachsen werden lassen. Also als Pfeifenraucher. Meine ersten zwei Pfeifen waren Noname-Produkte. Eine aus dem Netz. Die andere aus dem Lotto vor Ort. Beide sind mittlerweile kaputt. Dann kam eine Brog (34, benutze ich aktuell). Dann war es an der Zeit für eine echte Pfeife. Ich habe recherchiert, geschaut und mir viel Zeit gelassen. Aber, als ich diese Pfeife gesehen habe, da war es vorbei. Die Shape. Die Farbe. Die Oberfläche. Liebe auf den ersten Blick.

Dazu gab es einige Leckerchen. Den KK Weihnachtstabak 2016. Lecker mit viel Nelke und Gewürze. Bellini Torino. Ein Rotweintabak mit einer guten Prise Orient. Ist von Planta, ok - hat aber was. Neben der süßen, fruchtigen Note kommt besonders gegen Ende noch eine holzige Note durch, die mich an frisch angespitzten Bleistift erinnert. Und der HH Latakia Flake. Der Tabak ist einfach gut. Süß, schokoladig. Dazu Latakia. Perfektion in Tabakform.

Nehmen wir aber mal die untere linke Ecke in den Blick. Eine Metalldose für Filter. Ja, ich gebe es zu. Ich habe zu Beginn meiner Pfeifenrauchkarriere miFi geraucht.

Aber dann kam ein Tag, da wurde alles anders.

Das bin ich!
Es war, als ich mir meinen legendären Tabak gekauft habe. Es war ein MacBaren Navy Flake. Klassiker. Ich habe die Flakes in die Pfeife gestopft, nach pragamtischer Knickfalttechnik. Habe angefeuert und dachte mir: "Ist das alles? Ist das, worauf alle so krass abgehen?"

Aus meiner Pfeife kam gefühlt (oder geschmeckt??) nur heiße Luft. Enttäuschung machte sich breit. War ich mit zu großen Erwartungen an die Sache gegangen?

Doch ein Gedankenblitz erhelle mein trübes Gemüt. Filter raus! Ich die Pfeife auf gemacht, Filter rausgenommen und in den nächsten Mülleimer verfrachtet. Das oFi rauchen war am Anfang komisch. Die Filter nehmen schon einiges an Zug. So habe ich beim ersten Zug einfach volle Granate gezogen - und musste dann Husten wie eine Abiturientin, die am ersten Joint zieht.

Nur war es deutlich leckerer. Da waren plötzlich heuige Noten, grasig lecker im engen Tanz mit Aromen von feinem Honig. Süße und Würze in Balance. Großartig.

Heute ist das Mundstück bisschen angekaut. Sie hat zwei Macken in der Unterseite, weil sie mir mal runtergefallen ist. Das Mundstück ist auch irgendwie krumm. Aber das ist nicht schlimm. Das ist Charakter. Und das bleibt auch so. Denn es ist die Pfeife, die mich hat erwachsen werden lassen. Also als Pfeifenraucher. Vielleicht auch als Mensch.

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