Tastingnotes zu Jura Prophecy

Heute geht es um einen Malt von der Insel Jura, aus der einzigen Brennerei auf der Insel, welche *überraschung* Isle of Jura heißt. Genauer geht es um den Jura Prophecy, den ich im September in einem Tastingset mit 4 x 5cl Samples von Standardabfüllungen aus der Destille bekommen habe. Der Jura Prophecy ist ein NAS-Whisky, es ist also kein Alter genannt. Er hat gute 46% und ist in Bourbon-, Sherry- und Limousineichenfässern ausgebaut.



Die Brennerei Jura hat für diese Flasche den Namen "Prophecy" gewählt. Hintergrund soll eine alte Vorhersagung sein, nachdem eine von der Insel verbannte Frau vorhergesagt hat, dass das letzte Mitglied einer Familie Campbell die Insel als Einäugiger verlassen würde. Diese Prophezeiung erfüllte sich dann nach dem das letzte Mitglied der Familie als einäugiger Kreigsheimkehrer die Insel verließ. Das verwendete Symbol eines Auges erinnert mich an ägyptische Ästhetik. Ähnlich wurde auch die Abfüllung "Superstition" mit dem ägyptischen Anch verziert.


Die Sampelverpackung ist ok. Ich finde, dass man durchaus eine Umverpackung "aus einem Guss" hätte machen können, statt vier getrennte Elemente. Sehr gut finde ich hingegen, dass die kleinen Flaschen die Form der 70cl-Abfüllungen hat, die doch sehr markant ist.

Im Glas hat der Malt annähernd Bernsteinfarbe - leider wurde hier mit Farbstoff nachgeholfen. Ich schwenke mein Nosingglas und der Jura fließt ruhig, etwas dicker als Wasser. Schön, wenn auch irgendwie nicht authentisch.


In der Nase habe ich zunächst hellen Pfeffer. Im Verlauf das Nosings werde ich mich auf weißen Pfeffer festlegen, da auch ein gewisser Muff dabei ist, aber nicht unangenehm. Das markante Aroma ist auf jeden Fall Rauch. Ich sage Lagerfeuerrauch. Später gesellen sich Vanille (Bourbonfass) und Getreidenoten dazu. Schön ist, dass sich der Jura Prophecy lange entwickelt. Man hat viel Spaß alleine beim riechen. Es folgt eine Kräuternote. Getrocknetes Oregano. Dazu Leder und Erde. Mit einem Schluss Wasser wird der Malt fruchtiger, mit prägnanter Birnennote. 



Im Mund ist zuerst Rauch anwesend. Toller Rauch. Wirklich eigenständig. Dann würzig, trocken. Eiche. Malzige Süße am Gaumen. Ich nehme Kardamom und Zimt wahr. (In dem Moment wirkt eine Pfeife wie ein Weckruf für den Jura. Ein süßer Tabak - ich empfehle im nächsten Blog eine netten Balkaner - belebt die salzigen Elemente beim Jura. Und das ist richtig gut.) Viele kritisieren Jura Whiskys, weil sie irgendwo zwischen Highlander und Islands rumdümpeln sollen - aber gerade mit einer schönen, süßen Pfeife wird der maritime Charaker der Juras zurechtgerückt und das gibt dem Malt eine zusätzliche Geschmacksdimension und viel mehr Tiefe und Komplexität.


Auch im Nachhall dominiert der Rauch. Heavily Peated. Es ist kein Lagavulin oder Bowmore. Aber der Rauch ist sehr angenehm und präsent. Abgang ist eher kurz und recht trocken mit Nuancen von getrocknetem Getreide und Stroh. 


Wie schon erwähnt mochte ich euch zu diesem Malt einen Blakanblend ans Herz legen. Zuletzt hatte ich in einer Pfeifengruppe in Facebook die Diskussion, ob es sich überhaupt lohne zum Whisky eine Pfeife zu rauchen - da der intensive Rauch einiges an Aromen im Whisky überdeckt. Aber die Kombination vom Jura und dem folgenden Tabak ist das genaue Gegenteil. Die beflügeln sich Gegenseitig. Und zwar meine ich den nicht ganz leicht zu bekommenden McClelland - No. 2030 #1 Grade Balkan, den ich im nächsten Blog vorstellen werde. Freut euch drauf! Ich tue es auf jeden Fall.

Gut Rauch und slainte mhath!

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