Tastingnotes zu Ben Nevis McDonald's Traditional

 
 Where the magic happens.
Ben Nevis. Nicht nur der höchste Berg Schottlands und Großbritaniens. Sondern auch eine verdammt gute Destille. Vorrangig überzeugt die mich wegen der absolut überwältigenden Abfüllung des 20jährigen Ben Nevis für den Whiskyhort, welchen ich bei Ralf Mader im Cottage Bottrop probieren durfte. Da hat mich der Tropfen der Art vom Hocker gehauen, dass ich mir dachte: von dem Stoff brauchst du MEHR!

Als ein guter Freund von mit letztes Jahr nach Schottland gefahren ist, da bat ich ihn vielleicht doch in einer Destille vorbei zu schauen und mir was mitzubringen. Er zeigte mir seine Route und ein Stopp war Ben Nevis. Ich wollte Ihn jetzt nicht mit nerdigen Sachen beschäftigen und sagte: Schau was du findest.

Er entschied sich dann für ein Sampleset aus dem Ben Nevis 10, dem Nevis Dew und dem McDonald's Traditional. Gute Wahl, denn bis auf den 10yo aus der Core Range kannte ich keinen der Malts. Klar, es ist kein Destillery Only oder Handfilled. Habe ich aber auch gar nicht erwartet, denn besagter Freund ist in Sachen Whisky völlig unbeleckt.

Uisge Beatha
Heute stelle ich euch den Ben Nevis McDonald's Traditional vor. Es ist die einzige Abfüllung von Ben Nevis, die getorft ist. Auch handelt es sich hierbei um einen Vatted Malt. Dabei handelt es sich um einen veralteten Begriff für Whisky, der auch verschiedenen Destillen kommt. Zusätzlich trägt er auch Bezeichnung "Pure Malt" - also kein Grainanteil. Auch hierbei handelt es sich um veraltete Begriffe. Der Whisky hat 46%, keine Altersangabe. Warum der Malt "vatted" sein soll, das erschließt sich mir nicht ganz. In der Whiskybase wird er als Single Malt geführt. Auch kann man nichts darüber finden, welche Brennereien hier in der Flasche sein sollten. Vielleicht handelt es sich hier um einen der uminösen "Tea Spooned"-Malts, bei dem nur eine kleine Menge eines anderen Malts in eine Abfüllung gemischt wird, um daraus eben keinen Single Malt mehr zu machen.
Aus der Destille.

Nun - warum tut man sowas. Ich denke, dass es sich hierbei um eine Marketingstrategie handelt. Beziehungsweiße um ein Narrativ, was man dem Whisky gibt. Der MacDonald's Traditional ist eine Anlehung an die Malts aus den 1880er Jahren und wurde zum 185-Jährigen bestehen der Brennerei angefertigt. Mir tut sich hier ein kleiner Widerspruch auf. Jubiläum - Vatted Malt? Lassen wir das mal so stehen...

Das Label ist klassisch. Ikonographische Symbole, eine Hand mit einem Kreuz in rot über einer Distel. Die Sampleflasche ist dabei ziemlich identisch zur 70cl-Flasche, die zusätzlich noch ein Rückenlabel mit netten Klappentext hat.

Im Glas ist der Malt etwas ölig, nicht zu sehr, mit einer schönen Farbe von tiefem, dunklem Kupfer. Ich gehe davon aus, dass hier nachgeholfen wurde, da der Malt sicher nicht sonderlich alt sein wird (Nennungen zwischen 5 - 11 Jahre habe ich gelesen).


Whiskyverkostungen sind harte Arbeit.
Ben Nevis hat einen schönen, ausgeprägten Eigencharakter. Die Malts erkennt man an einer tiefen, röstigen Kakaonote. Sehr lecker. Auch die habe ich beim MacDonald's sofort in der Nase. Daneben saftige Navel-Orange, fast weihnachtlich. Der Rauch schwelt dezent mit. Versteckt: Sherry-Noten, die mit der Zeit immer voluminöser werden. Hier ist wirklich was los im Glas, man kann immer tiefer und tiefer in Malt hinein. Ich entdecke eine strenge Note. Horst Lüning schreibt Fischöl. Ich würde eher in die Richtung Lösemittel tendieren. Aber nicht störend. Ich bekomme noch Vanille in die Nase. Und wie in Phantom aus dem Nichts: Klarer, reifer Pfirsich! Der aber ebenso schnell wieder weg ist.

Whisky und Monet. Geht immer. 
Im Mund ist der Malt voluminös und hat ordentlich Kraft. Noten von Gewürzen stellen sich als erstes ein. Die Orange aus der Nase ist präsent. Gepaart mit einer ganz leichten Bitterheit. Dann Rauch, Sherry. Ein mit Bitterschokolade überzogene Kaffeebohnen, Röstaromen. Am Gaumen Süße, so tief wie ein Ozean. Eine überwältigende Symphonie an Aromen und Geschmäckern. Ich bin begeistert.

Der Abgang ist lang, der Malt schwebt noch im Mund, als er lange im Magen ist. Pikant, würzig, fast prickelnd sind die Aromen von Rauch und Sherry. Schön wärmend. Ich lehne mich zurück und genieße die retronasalen Aromen von Kaffee, dunkler Schokolade und Nuss.

Der Ben Nevis McDonald's Traditional ist kein krasser Raucher. Auf keinen Fall. Die Rauchigkeit fügt dem so schon exzellenten Ben Nevis Malts eine weitere Dimension hinzu. Doch bleibt er ein typischer Highlander, den ich nach meinem Gusto mit einem schönen, würzigen Virginatabak paaren möchte. Deshalb wird nächste Woche der Amphora Virgina vorgestellt. Heute der etwas andere Ben Nevis, nächste Woche: der etwas andere Virginia.

Gut Rauch und slainte mhath!

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