Vintage Latakia vs. Vintage Syrian

Latakia, kaum ein Tabak polarisiert wohl so wie der geräuchte Würztabak. Für manche der schwarze Teufel. Für andere ein sanfter Engel. Wirklich habe ich bisher sehr kontäre Bilder vom Latakia erfahren. Manche sagen Latakiamischungen sind schwer, stark und überaus würzig. Andere sagen, dass Latakia, auch gerne pur(!) sanft und mild und aromatisch ist.

Latakia stammt ursprünglich aus Syrien und ist nach einer Hafenstadt an der Mittelmeerküste benannt. Hergestellt wird Latakia auch in Zypern, Griechenland und dem Libanon. Der Tabak wird in einem besonderen Verfahren geräuchert, was ihm sein markantes Aromenbild verleiht.

Zwei Schätzchen

Meine erste Begegnung mit Latakia war der Dunhill Early Morning Pipe. Ich war sofort begeistert. Der Kaltgeruch erinnerte mich an getorfte Whiskys, wie wir sie von Islay kennen. Geraucht eher an Weihrauch, Kreuzkümmel und andere Gewürze. Seitdem habe ich alle Berührungsängste mit diesem Tabak verloren.

Heute vergleiche ich zwei Tabake von MacBaren aus der HH-Linie miteinander. Den Vintage Syrien und Vintage Latakia.  HH steht für Harald Halberg, der MacBaren gegründet hat. Diese Linie steht in der Regel für naturnahe Tabake, die nach meinen Erfahrungen durch die Bank Spitzenklasse sind.

Wir wissen alle, was seit längeren in Syrien passiert. Von daher war klar, dass der Latakia aus Syrien irgendwann nicht weiter vorhanden ist. MacBaren hatte noch gewisse Mengen an syrischem Latakia gelagert, woraus u.a. der Vintage Syrian produziert wurde. Diese Vorräte scheinen nun zu neige zu gehen, und der Vintage Latakia (VL) als Nachfolger des Vintage Syrian (VS) gesehen werden kann. Der VL enthält zypriotischen Latakia.

Ich habe beide Tabaka als Proben von Pfeifenrauchern bekommen. Das ist soweit wichtig, dass ich nicht genau nachvollziehen kann, in welchem Lagerungszustand die Tabake gewesen sind. Es ist hypothetisch möglich, dass jetzt jemand meine Review ließt und sich denkt: HA! Das ist ja alles nur dem Lagerungszustand der Tabake geschuldet. Zwar ist meine Vermutung, dass dem nicht so ist, aber ich bin immer offen für konstruktive Kritik.

Vintage Syrian
Vintage Latakia



Schon auf den ersten Blick erkennt man deutliche unterschiede im Tabakbild. Der VS ist deutlich dunkler. Die schwarzen (Latakia-?)Anteile sind deutlich sichtbarer. Mir kommt es so vor, dass der VL etwas gröber geschnitten ist. Wobei mit der VL etwas trockener vorkommt. Das könnte aber einfach an der Art der Lagerung liegen.





Der Geruch der Tabake ist ähnlich, leicht rauchig. Mit Anklängen von Teer. Der VS kommt mir definierter vor. Ich kann deutlich mehr Aromen differenzieren. Pfefferige Noten sind dabei. Der VL wirkt mehr wie aus einem Guss.

Für das Testverfahren habe ich zunächst zwei Pfeifen gewählt. Meine Peter Heinrichs Limited 2011. Und meine Mr. Brog Jazz. Zuerst habe ich VL in meiner Brog geraucht, VS in Heinrichs. Später VS in Brog und VL in Heinrichs. So habe ich versucht die Einflüsse der Pfeife etwas zu filtern und die Unterschiede im Spektrum des Tabakaromas herauszuarbeiten.

Syrian in meiner Heinrichs.

Jetzt zum Vintage Syrian. Dieser Tabak ist nach einer sehr alten Rezeptur bei MacBaren hergestellt. Es ist eine Mischung aus Latakia, Virgina, Orient und etwas Kentucky.

Der Tabak lässt sich wunderbar Stopfen und nimmt sehr leicht Feuer an. Das Rauchvolumen ist gut. Sofort ist das satte Aroma des Latakias da, was sich aber im Rauchverlauf legen wird. Der Rauch ist süffig und satt, dabei angenehm weich. Zu Beginn ist eine mittelstarke Würze tonangebend. Ab der Hälfte wird die Natursüße stärker. Gerade hier hat der VS seine Stärke. Rauchiger Latakiahintergrund, vor dem sich viel Süße und Würze entfalten können.

Wer eine Latakiabombe erwartet, der ist hier eher falsch. Ein angenehmer, cremiger Smoke, der absolut ruhig und gleichmäßig brennt. Die Lagerbestände des Latakia von MacBaren sind sehr alt. Deshalb ist der Latakiaaroma schon gereift und milder. Sehr gefällig in der Handhabung. Nie scharf oder bissig.


Latakia in meiner Brog Jazz. 
Im Vergleich der Vintage Latakia. Leider kann ich hier nicht viel zur Zusammensetzung sagen. Ich vermute, dass diese an den VS angelehnt ist, jedoch mehr auf den verwendeten zypriotisch Latakia abgestimmt. In einem Beitrag HIER wird geschrieben, dass der Tabak "deutlich rauchiger, vollmundiger und duftiger" sei als der Vorgänger. 

Gespannt stopfe ich die Pfeife. Auch der Tabak ist sehr einfach in der Handhabung. Stopfen geht sehr leicht von der Hand. Zügig glimmt die Oberfläche und satte Rauchschwaden ziehen gen Himmel.

Die erste Überraschung ist, dass der Tabak mit deutlich weniger Latakiapower kommt. Gerade die Anfangsakkorde fallen milder aus. Man ist fast geneigt zu sagen, dass weniger Latakia zu schmecken ist, was aber dann doch wieder nicht stimmt. Der Latakia ist voll da, nur feiner. Eleganter. Im Rauchverlauf tritt der Latakia in den Hintergrund und überlässt anderen Aromen und Geschmäckern die Bühne, ohne dabei irrelevant zu werden. Hier ist der VL doch sehr ähnlich dem VS. Man darf jetzt aber nicht meinen, dass der VL eine mildere Variante des VS ist. Im Gegenteil! Er hat mehr Druck. Ich würde sagen, dass der VL minimal würziger und weniger süß ist. 

Gerade in etwas größeren Köpfen (mittleres Füllvolumen) kann der Tabak sich entfalten und gibt die Nuancen seiner komplexen Aromatik viel deutlicher preis. Als ich in meiner Rattray's Boudicca paffe sind Aromen von Zedernholz sehr präsent. Das Zusammenspiel von Natursüße, würziger Holzigkeit und der doch sehr individuellen Rauchigkeit des zypriotischen Latakias machen richtig Spaß.

Fazit:

Sowohl der VL als auch der VS sind wunderbare Tabake. Wer es lieber etwas aromatischer in die Latakiarichtung mag, der sollte zeitnah den VS bunkern. Gerüchte sagen, dass Ende 2017 Schluss mit dem Tabak ist! Alle anderen werden sicher Spaß mit dem VL haben. Es besteht doch deutliche Familienähnlichkeit zwischen den beiden Tabaken. 

Ich würde den VL gerne zum Octomore 8.3 paffen. Einerseits habe ich schon erwähnt, dass die aromatische Nähe von getorften Malts und Latakiamischungen für mich ein Genuss höchster Güte ist. Aber auch die haptischen Elemente stimmen. Der ölige Whisky mit seinem kühlend-wärmenden Charakter. Dazu der satte, cremige Rauch der Pfeife. Gerade für die kühlere Jahreszeit, am Kamin oder im frisch gefallenen Schnee, sehr edel.

Nächste Woche präsentiere ich einen Single Malt aus der Brennerei Jura. Ein leckerer, individueller Malt. Ihr könnt gespannt sein.


Gut Rauch und slainte mhath!

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