Tastingnotes für Ocotomore 8.3

Auf dem Etikett ist ein Fehler.
Der Malt ist ein Vintage 2011,
5 Jahre alt.
Ocotomore, die Legende. Heute verkoste ich den Octomore 8.3.

Der Name begegnete mir zuerst in dem Roman "Smokeheads". Das müsste 2012 gewesen sein. Beschrieben mit "der rauchigste Whisky der Welt". Ja, krass. Konnte ich damals nicht viel mit anfangen. Aber "der aller XYZ der Welt" bleibt immer etwas im Hinterkopf.

Erst später fing ich an getorfte Whiskys zu kosten. Ich kann mich nicht erinnern, welcher mein erster getorfter Malt war. Auf dem Disteltreffen 2014 habe ich einen Smokehead mitgebracht - dort habe ich auf jeden Fall das erste Mal gefallen an getroften Malts gefunden.

Mein erster Ocotomore war der 6.1, vor einigen Jahren als Sample um dem Mythos auf den Grund zu gehen. Es folgen 6.3 und 7.1. Ich meine gelesen zu haben, dass Bruichladdich das Ziel hatte einen Malt mit 300ppm auf den Markt zu bringen. Das sind "parts per million" als der Anteil an Rauchteilchen (Phenolderivate) auf eine Millionen Teilchen im Whisky. Heavily Peated Malts haben meist 40-45 ppm. Meine bisherigen Octomores waren bei maximal 250 ppm. Der neue Octomore soll die 300er Marke knacken.

Bevor ich mich jetzt in Fachsimpeleien verliere sei gesagt, dass es eine kontroverse Diskussion über die ppm-Angaben gibt. Und vielleicht sagen die auch einfach gar nichts aus. Aber diese Angabe ist Teil des Octomore-Narratives. Und deshalb für mich relevant.

Der Octomore 8.3 ist ein 5 Jahre alter Single Malt Whisky, der überwiegend in frischen Bourbonfässern lagern durfte. Ein anderer Teil lagerte in französischen Weinfässern, offiziell "European Oak". Unheimlich satte 61,2 % Alkohol machen den Octomore zu einem der stärksten Malts, die ich bisher hatte (der Stärkste wird wohl der Macduff für den Whiskyhort mit 66% gewesen sein).

In medias res.
Die Tube des Octomore 8.3 ist wunderschön. Schwarz mit goldenen Elemente. Man erkennt das Bruichladdich-Design. Der 8.3 ist bisher der einzige Octomore der 8er Serie, der in der Milchglassflasche (wie OBA) kommt.

Eine Besonderheit ist, dass die Gerste für diesen Whisky alles von der Insel Islay stammt. Quasi Terroir. Schottland kann den Bedraf an Gerste für die Whiskyproduktion nicht selbst decken. Deshalb wird oft das Getreide eingekauft. Für diesen Octomore jedoch nicht. Was ich toll finde.

Die Farbe im Glas erinnert an helles Gold, gepaart mit einer Nuance Brotbraun und einem leichten Rotstich. Beim ersten schwenken merkt man schon die wunderbare, leicht ölige Viskosität. Speichelfluss stellt sich bei mir ein, in Erwartung eines wundervollen Malts.

Zurück zum Distel-Revival-Treffen. Einem jährlichen Treffen vieler Verrückter Maltheads im schönen Oberhausen. Ein Highlight für jeden Whiskytrinker. Ein Mann, dessen Namen ich vergessen habe, der jedoch aus der Schweiz kam, erzählte mir, dass er einst einen Octomore über Nacht hätte offen stehen lassen. Und am nächsten Morgen voller Schreck aufgewacht sei - mit dem Gedanken das Haus brenne, weil sich das Raucharoma überall verteilt hätte. Nun konnten meine Erfahrungen mit Octomore dieses Erlebnis nie bestätigen.

Ich schau mir das Glas an und denke an die 309ppm. Ein erstes Nosing.

Ok, Rauch ist da. Aber man meint nicht, dass man in Mitten einer BBQ-Smoker-Meisterschaft steht. Nein, andere Aromen haben viel Platz neben dem sehr phenolischen Rauch. Ich glaube, dass die Rauchigkeit hier nicht quantitativ verstanden werden darf. Die Rauchigkeit ist eher qualitativ hoch, sodass das Aroma schon eine Art Eigendynamik entwickelt.

Wirklich Spaß macht der Octomore nähmlich neben dem Rauch. Ich rieche pfeffriges Leder. Getreide, schon fast Popcorn. Vanille vom Bourbonfass. Nach einer Zeit kommt eine Unamiwürze dazu. Ich denke an Schinken. Untermalt von einer alkoholischen Frische, fast mentholig. Weiter kommen fruchtige Noten zum tragen. Helle Früchte, Steinobst und Mango.

Im Mund ist der erste Eindruck: Süß. Wunderbar süß. Der Charakter von Bruichladdich kommt für mich klar durch. Auf der Zunge ist der Malt schön cremig und ölig. Der Alkoholgehalt kühlt den Mundraum zuerst, doch nach einem Augenblicken im Mund wird es wohlig warm. Der Rauch kommt zum tragen. Ein Kaminfeuer.. Dazu diese angenehme, tiefe Süße. Ich möchte gar nicht schlucken. Trotz (oder wegen?) seiner 61,2% kann man den Octomore lange im Mund halten.

Den Abgang merkt man sehr intensiv. Warm läuft der Octomore in den Magen. Ich atme aus und sofort habe ist da das Aroma von sämiger, heller Asche in der Nase. Und es geht weiter. Dazu gesellen sich Kakao und Nuss. Später würde ich sagen Kokos.

Alles in Allem ist der Octmore 8.3 kein Monster, sondern ein delikater Malt, der neben seiner plakativen 309ppm noch viel zu bieten hat. Den Beinamen "Masterclass" trägt er absolut zurecht. Der Preis? Naja, man kann darüber streiten.

Was sollen wir zu so einem Whisky rauchen? Mein Vorschlag: HH Vintage......... Syrian oder Latakia? Diese Frage beantworte ich euch nächste Woche.

Gut Rauch und slainte mhath!

Kommentare

Beliebte Posts